NGG fordert strengere Kontrollen und digitale Zeiterfassung im Gastgewerbe

| Gastronomie Gastronomie

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert die aktuelle Situation bei der Einhaltung des Mindestlohns im Gastgewerbe. Angesichts neuer Zahlen des Bundesfinanzministeriums zu Mindestlohnverstößen (Tageskarte berichtete) warnt der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler vor einer hohen Dunkelziffer. Die bekannten Fälle stellten vermutlich nur die Spitze des Eisbergs dar.

Diskrepanz zwischen Betriebszahl und Kontrollpersonal

Ein zentraler Kritikpunkt der Gewerkschaft ist die nach ihrer Einschätzung zu geringe Kontrolldichte. In Deutschland stehen rund 200.000 gastgewerbliche Betriebe etwa 9.500 Beschäftigten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) gegenüber. Da die FKS-Mitarbeiter zudem für sämtliche Branchen zuständig sind, sei die Wahrscheinlichkeit für Betriebe, bei Verstößen gegen den Mindestlohn, das Arbeitszeitgesetz oder durch Schwarzarbeit entdeckt zu werden, gering.

Laut Zeitler entfallen rund ein Drittel aller festgestellten Verstöße auf das Gastgewerbe. Er fordert daher eine personelle Aufstockung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit sowie gezieltere Prüfungen. Diese Maßnahmen seien auch im Sinne der Wettbewerbsgerechtigkeit notwendig, da Betriebe, die sich an gesetzliche Vorgaben halten, durch die Verstöße der Konkurrenz einen wirtschaftlichen Nachteil erlitten.

Forderung nach manipulationssicherer Dokumentation

Die NGG spricht sich zudem für eine gesetzliche Verpflichtung zur elektronischen, tagesaktuellen und manipulationssicheren Arbeitszeiterfassung aus. Bisher werden bei Prüfungen häufig noch handschriftliche Aufzeichnungen vorgelegt. Zudem gewährt die aktuelle Regelung den Betrieben einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen, um Arbeitszeitnachweise einzureichen. Dieser Spielraum lasse nach Ansicht der Gewerkschaft Manipulationen zu.

Durch den Einsatz digitaler Systeme könnten Kontrollen erheblich erleichtert werden, was mit dem vorhandenen Personal eine höhere Prüfquote ermöglichen würde. Zudem ließen sich Überstunden so korrekt erfassen und die Beschäftigten wirksamer schützen.

Kritik an Argumentation mit Kostendruck

Die Gewerkschaft weist das Argument des wirtschaftlichen Kostendrucks als Rechtfertigung für Verstöße zurück. Wer staatliche Entlastungen, wie beispielsweise durch frühere Mehrwertsteuerregelungen, erhalten habe und dennoch den Mindestlohn unterschreite, verspiele laut Zeitler das Vertrauen. Die korrekte Entlohnung und die Dokumentation der Arbeitszeit seien grundlegende gesetzliche Pflichten, die nicht zur Disposition stünden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

In der Hamburger Speicherstadt konkretisieren sich die Pläne für eine prominente Neueröffnung. Das aus Südafrika stammende Gastronomiekonzept Chefs Warehouse wird am 26. Februar 2026 seinen ersten Standort in Deutschland eröffnen. Hinter dem Hamburger-Projekt stehen bekannte Namen aus der Gastro-Szene der Hansestadt.

Die Jury des Deutschen Gastro-Gründerpreises hat die zehn Halbfinalisten für das Jahr 2026 bekanntgegeben. Die ausgewählten Konzepte treten im Februar in Hamburg gegeneinander an, um sich einen Platz für das Finale auf der Internorga zu sichern.

Das Berliner Drei-Sterne-Restaurant Rutz feiert sein 25-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „Remastered“ interpretiert Küchenchef Marco Müller prägende Gerichte der vergangenen Jahrzehnte neu und startet damit in ein Jubiläumsjahr voller internationaler Gastauftritte.

Evakuierungspläne fehlten, ein Feuerlöscher war nicht markiert: Jahre vor der Silvesterparty-Katastrophe wurden Mängel moniert. Was hat die Gemeinde versäumt?

In Berlin-Kreuzberg verbindet das neue Restaurant Fukagawa das kulinarische Erbe japanischer Ramen-Kultur mit französischer Kochkunst. Unter der Leitung von Leonardo Donati und Felix Thoms entstand ein Fine-Dining-Konzept, das traditionelle Brühen und hochwertige Produkte neu interpretiert.

Der Österreichische Bauernbund fordert eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel in der Gastronomie. Damit sollen Transparenz bei Fleisch, Milch und Eiern geschaffen und die heimischen Landwirtschaftsbetriebe im Wettbewerb gestärkt werden.

Lieferando ruft zur Abstimmung für die jährlichen Awards auf. Neben klassischen Gastronomiebetrieben in 16 nationalen und 50 lokalen Kategorien rücken in diesem Jahr verstärkt Lebensmittelhändler und Floristen in den Fokus.

McDonald’s Deutschland startet im Januar 2026 eine neue Werbeplattform für großformatige Burger. Mit Fokus auf Rohstoffe aus deutscher Erzeugung und zeitlich befristete Rezepturen, wie den Big Gouda, zielt das Unternehmen bis Ende April auf Kunden mit hohem Sättigungsbedarf ab.

Die Brasserie Colette feiert zehnjähriges Bestehen und führt an den Standorten Berlin, München und Konstanz ein neues, flexibleres Speisekartenkonzept ein. Im Fokus stehen individuell zusammenstellbare 4-Gang-Menüs und eine verstärkte Zusammenarbeit mit regionalen Partnern.

60 seconds to napoli spendiert ihrem ältesten Standort in Leipzig eine umfassende Modernisierung. Innerhalb einer dreiwöchigen Umbauphase wird das Restaurant an das aktuelle Markendesign angepasst. Die Wiedereröffnung ist für den 24. Januar 2026 geplant.