Spitzenküche für die Nachwelt: TU Dresden und SLUB erweitern Archiv der Kulinarik

| Gastronomie Gastronomie

Am 24. November 2025 nahmen die Technische Universität Dresden (TUD) und die SLUB Dresden fünf weitere herausragende Kreationen der Kochkunst in das Deutsche Archiv der Kulinarik auf. Die umfassenden Dokumentationen dieser Gerichte wurden von dem Gastrosophen und Gourmetkritiker Jürgen Dollase erstellt und übergeben. Ziel ist es, hochklassige kulinarische Kreationen so präzise festzuhalten, dass ihre Zubereitung und gustatorische Wahrnehmung auch für spätere Generationen rekonstruiert werden können.

Die Reihe der Geschmacksdokumentationen wurde 2023 von TUD und SLUB initiiert. Mit der aktuellen Ergänzung werden nunmehr insgesamt 15 Werke aus der Spitzenküche für die Zukunft bewahrt.

Dokumentierte Kochkunst verschiedener Schulen

Die neu hinzugefügten fünf kulinarischen Werke repräsentieren verschiedene Ausrichtungen der Kochkunst. Sie stammen von den Spitzenköchen Christian Bau, Nils Henkel, Jörg Müller, Erich Schwingshackl und Andreas Rieger.

Jürgen Dollase hob das breite Spektrum der diesjährigen Auswahl hervor: „Die Geschmacksdokumentationen zeigen in diesem Jahr ein besonders breites Spektrum von kulinarischer Exzellenz zwischen Klassikern der deutschen Regionalküche, der klassisch-französischen Kochkunst und ganz unterschiedlichen modernen bis avantgardistischen Küchen auf allerhöchstem Niveau – vom kreativsten deutschen Gemüsekoch Nils Henkel über Jörg Müller, den legendären Meister klassischer Küche, und die wunderbar traditionell verwurzelten Geschmackskulturen eines Erich Schwingshackl bis zu Andreas Rieger, den radikalsten Neuerer, den wir je hatten, und zur Weltklasse-Individualität von Christian Bau, der sich einen faszinierenden eigenen Kosmos geschaffen hat.“

Der Koch Christian Bau wurde im Rahmen der Ehrung besonders erwähnt, da er ununterbrochen seit zwanzig Jahren mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wird.

Quellen für die Wissenschaft

Die Kooperation zwischen der SLUB Dresden und der TUD unterstreicht die Bedeutung der Kulinarik als Forschungsgegenstand.

Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB Dresden, betonte, dass die Dokumentationen eine große Bereicherung für die deutschlandweit einmalige Sammlung seien: „Für die deutschlandweit einmalige Sammlung des Deutschen Archivs der Kulinarik sind die Geschmacksdokumentationen eine große Bereicherung, bieten sie doch der Wissenschaft herausragende Quellen zur Erforschung der deutschen Kulinarik des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Wir freuen uns, fünf weitere Kreationen aus der Spitze der Kochkunst für kommende Generationen festhalten und in diesem Jahr mit Christian Bau, der ununterbrochen seit 20 Jahren mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wird, einen der bedeutendsten Köche unserer Zeit ehren zu können.“

Prof. Ursula Staudinger, Rektorin der TUD, ordnete die Aufnahme in den Kontext von Wissenschaft und Gesellschaft ein: „Mit der heutigen Aufnahme der fünf neuen Geschmacksdokumentationen von fünf Spitzenköchen in das Deutsche Archiv der Kulinarik setzen wir ein weiteres Zeichen für die Lebendigkeit, Vielfalt und Bedeutung der Kulinarik als Gegenstand von Forschung, Lehre und Gesellschaft. Das Geschmackserlebnis setzt sich zusammen aus physiologischen Vorgängen genauso wie den geschichtlich-kulturell und autobiographisch geprägten Interpretationen dieser Empfindungen. Davon zeugen auch die neu aufgenommenen Gerichte, die beispielhaft kulinarische Kreationen unserer Zeit dokumentieren. Es freut mich, dass wir heute gemeinsam mit den geehrten Spitzenköchen und unserem langjährigen Partner – dem renommierten Gastrosophen und Gastronomiekritiker Jürgen Dollase – weitere Kristallisationen der Kochkunst bewahren können. Dies bestätigt die Bedeutung des Deutschen Archivs der Kulinarik für Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen.“

Umfang der Dokumentationen und Ehrung

Die von Jürgen Dollase erstellten Unterlagen sind umfassend. Sie enthalten detailliert beschriebene Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Zubereitung und zum Anrichten der Gerichte sowie Degustationsnotizen. Weiterhin sind Vergleiche und Diskussionen von Beispielen aus nationalen und internationalen Kochbüchern sowie zusammenfassende Bewertungen enthalten. Bestandteil der Dokumentationen sind zudem ausführliche Interviews, die Dollase mit allen Köchen führte.

Zur feierlichen Aufnahme ihrer Kreationen erhielten die Köche Urkunden sowie eigens gestaltete Gefäßstatuetten der Berliner Designerin Stefanie Hering.

Stefanie Hering äußerte sich zu der Gestaltung der Unikate: „Als ich das Projekt Geschmacksdokumentationen des Deutschen Archivs der Kulinarik kennenlernte, war ich sofort begeistert. Die hohe Kunst des Kochens ist eng mit meiner Arbeit verbunden, die für die Werke der Spitzenköche die gebührende Bühne schafft. Es war mir daher eine große Ehre und Freude, in Würdigung der ausgewählten Gerichte und ihrer Schöpfer eine Serie von Porzellan-Unikaten zu schaffen, die als Statuetten dauerhaft an diese Auszeichnung erinnern.“

Die Spitzenköche und ihr kulinarisches Werk

Christian Bau*** | Victor’s Fine Dining by Christian Bau

Seit 2005 trägt das „Victor’s Fine Dining by Christian Bau“ ununterbrochen drei Michelin-Sterne und gehört damit zu den am höchsten bewerteten Restaurants Deutschlands. Sein Weg führte Christian Bau vom perfekten Vertreter einer klassisch-fundierten Küche zur Realisierung eines durch und durch individuellen, dabei aber handwerklich immer überragenden, von der japanischen Küche inspirierten Koch-Stils, der ihn zu einem der kreativsten und einflussreichsten Köche auf nationaler und internationaler Ebene machte.

Ausgezeichnet für: Japanisches Meer (Europäisch-Japanische Küche)
 

Nils Henkel* (***/**) | Das Bootshaus | Papa Rhein

Nils Henkel ist seit 2020 Küchenchef im Restaurant „Bootshaus“ im Hotel „Papa Rhein“ in Bingen. Sein kulinarisches Werk zeigt exemplarisch die enorme Qualität, die die Gemüseküche in seinen Händen erreicht hat. Mit größter handwerklicher Präzision und geschmacklichen Vorstellungen, die er in vielen Jahren in der Spitzengastronomie entwickelt hat, schafft Henkel immer wieder neuartige Geschmacksbilder, die mit ihrer optischen wie aromatischen Anmutung gleichzeitig fachlich neue Maßstäbe setzen wie ein weitgespanntes Publikum erreichen.

Ausgezeichnet für: Geschmorte Aubergine – Tandoori-Bouillon, Miso, Meerrettich, Erbsen (Gemüseküche).

Jörg Müller (**/*) | Restaurant Jörg Müller

Seit 1988 ist Jörg Müller Küchenchef und Patron im „Restaurant Jörg Müller“ in Westerland/Sylt. Sein kulinarisches Werk zeigt exemplarisch den handwerklichen und geschmacklichen Glanz von Gerichten auf der Grundlage der klassisch-französischen Küche. Wie kaum ein anderer Koch seiner Generation hat sich Jörg Müller aufgrund seiner persönlichen und professionellen Sozialisation und seiner überaus präzisen und ausgewogenen geschmacklichen Dispositionen entwickelt und schafft Maßstäbe setzende Interpretationen von großen Werken der klassischen Kochkunst. 2014 gab Müller bekannt, dass er künftig auf Auszeichnungen verzichten und sein Restaurant ohne Sterne weiterführen werde.

Ausgezeichnet für: Wachtelcrépinette auf Périgord-Trüffel-Risotto (Klassisch-Exquisite Küche)
 

Andreas Rieger (*) | ehemals Einsunternull, aktuell Michelberger Hotel

Andreas Rieger, ehemaliger Chefkoch im Restaurant „Einsunternull“ in Berlin, ist aktuell Research & Development Chef und Co-Geschäftsleiter im „Michelberger Hotel“ in Berlin. Sein kulinarisches Werk zeigt exemplarisch die Arbeitsweise eines der kreativsten Köche Deutschlands zu einer Zeit, in der speziell in Berlin die Kochkunst einen deutlich regionaleren, individuelleren und avantgardistischeren Weg eingeschlagen hat. Andreas Riegers Arbeit profitiert ebenso von fundierter Kenntnis einer großen Zahl neuer Kochtechniken wie einer neuen Geschmacksästhetik, die er ausgesprochen differenziert und reflektiert entwickelt hat und die der Kochkunst wesentliche neue Aspekte hinzugefügt hat.

Ausgezeichnet für: Wacholder, Heide, Buchweizen (Regional-Individuell-Avantgardistische Küche)
 

Erich Schwingshackl* (**) | Schwingshackl Esskultur und Schwingshackl Heimatküche

Erich Schwingshackl ist Küchenchef in „Schwingshackl Esskultur“ und „Schwingshackl Heimatküche“ in Bernried. Sein kulinarisches Werk zeigt ein Geschmacksbild, das die Möglichkeiten dieses traditionellen Gerichtes handwerklich und geschmacklich so überzeugend und exemplarisch demonstriert, wie es heute kaum mehr zu bekommen ist. Mit seiner ebenso gut wie sensorisch differenziert schmeckenden Fassung gelingt Erich Schwingshackl eine Art Emanzipation des Schweinsbratens und seiner kulinarischen Perspektiven, die darauf verweist, dass das Potential unserer Regionalküche/unserer Traditionsgerichte auch für feinste Perspektiven selbstverständlich.

Ausgezeichnet für:Zweierlei Schweinsbraten vom Nacken und der Schulter mit geröstetem Serviettenknödel, Bayerischem Kraut und Natursaft (Traditionelle Küche)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Sternerestaurant bi:braud von Alina Meissner-Bebrout zieht im Sommer 2026 aus der Ulmer Büchsengasse in das neue Maison Meissner direkt am Ulmer Münster um. Gemeinsam mit ihrem Mann Steffen Meissner entwickelt die Köchin das historische Gebäude „Bäumle“ zu einem Hotel mit 15 Zimmern sowie Restaurant- und Barkonzept.

Die Zeltvergabe auf dem Oktoberfest ist jetzt auch ein Fall für die Justiz. Gastronom Alexander Egger wehrt sich per Eilantrag gegen die Ablehnung seiner Bewerbung für das Volkssängerzelt «Schützenlisl» auf der Oidn Wiesn.

Die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn bekommt zur Wiesn 2026 neue Betreiber. Der Münchner Stadtrat hat dem Wirte-Trio Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel den Zuschlag für das Volkssängerzelt erteilt.

Laut dem aktuellen Bericht von Brand Finance erreichen die 25 wertvollsten Restaurantmarken weltweit zusammen einen Markenwert von 190,1 Milliarden US-Dollar. McDonald’s führt das Ranking erneut an, während Chick-fil-A das stärkste Wachstum verzeichnet.

Clara Schoper von der «Zephyr Bar» in München holt den Sieg beim renommierten Cocktailwettbewerb «Made in GSA». Ihr Drink scheint ein alter Bekannter: «Rum-Cola». Es sei jedoch ein Nachbau anno 2026.

Die Berliner Burgerkette Burgermeister expandiert nach Polen. Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben mindestens 20 Standorte innerhalb von drei Jahren und strebt mittelfristig einen Jahresumsatz von bis zu 100 Millionen Euro an.

Das Hamburger Frühstückscafé kropkå von Katrin Koch hat die Aktion „Lokalhelden gesucht“ von VistaPrint und Cornelia Poletto gewonnen. Die Auszeichnung ist laut Veranstalter mit 20.000 Euro Preisgeld verbunden.

Schampusduschen verboten, Blasmusik schon eine Stunde früher und -mal wieder - Streit um die Zeltvergabe: Noch ist nicht mal Sommer, da zurrt München die Planung für die Wiesn im Herbst fest.

35 Jahre Jeunes Restaurateurs (JRE) Deutschland stehen nicht nur für kulinarische Entwicklung, sondern auch für den Wandel innerhalb der Spitzengastronomie. Warum diese heute mehr leisten muss als gutes Essen, erklärt Oliver Röder, Präsident der JRE-Deutschland.

Das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant-Hotel Obauer in Werfen wird Ende Oktober 2026 schließen. Karl, Rudi und Angelika Obauer beenden den Familienbetrieb nach mehr als 47 Jahren und treten in den Ruhestand.