Streamen und Food Safari - Berlins Nachtszene kämpft ums Überleben

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Der Weg zum Boeuf Bourguignon führt am leuchtenden Hirschen vorbei. Wer auf die frischen Gnocchis mit Trüffelfüllung wartet, kann noch einen Blick auf Schildkröte, Nashorn oder Fledermaus werfen. Die kunstvollen Metallskulpturen gehören zur «Food Safari», dem jüngsten Spross einer Berliner Nachtszene, die sich mit viel Engagement und Energie gegen die Corona-Krise stemmt.

Seit Mitte März geht nichts mehr im international gerühmten Nachtleben der Hauptstadt. Die auch sonst nicht immer leicht zu passierenden Türen der mehr als 300 Clubs sind seitdem völlig dicht. Auch die Restaurants mit Nachtflair bleiben geschlossen.

Doch die Clubs, Hort von Nähe und durchschwitzten Nächten, geben sich dem Virus nicht geschlagen. Seit sechs Wochen streamen jeden Abend Line-ups internationaler DJs und DJanes fünf Stunden lang ihre Musik in Wohnzimmer und Küchen der weltweiten Tanzgemeinde. Ein Ende ist nicht absehbar. «Wir sind noch lang ausgebucht, da gibt es erstmal keine Termine mehr», beschreibt Sascha Disselkamp die Situation. Disselkamp ist Vorsitzender der Berliner Clubcommission, die das Musikprogramm unter #UnitedWeStream ins Netz bringt.


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Auch ohne Eintrittsgeld lässt sich der Erfolg in Zahlen messen: Allein beim Medienpartner Arte Concert wurden die Streams in der Mediathek oder über Facebook und Youtube bisher knapp 8,3 Millionen mal abgerufen. Den Abend im «Kater Blau» etwa verfolgten 383 000 Fans von Techno, House, Disco-Tech, E-Beat und anderen musikalischen Varianten.

Mit dabei sind praktisch alle angesagten Clubs. Von «Watergate» bis «Gretchen» wird gestreamt, «Tresor», «Alte Münze», «Griessmühle» oder «Wilde Renate» waren dabei. Die Walpurgisnacht kam am Donnerstag aus der Szene-Legende «SO36», das international gefeierte Club-Flagschiff «Berghain» hat seine Mitwirkung angekündigt.

Sonst bringen die Aktivitäten der Szene viel Geld in die Stadt. Nach einer Studie locken die Clubs rund drei Millionen Touristen pro Jahr. Für Transport-, Gastronomie- und Gastgewerbe kommt das einem Umsatz von rund 1,48 Milliarden Euro Umsatz gleich. Die Clubszene allein setzt sonst 168 Millionen Euro um.

Die Clubcommission bittet die Partygemeinde auch um Unterstützung. Bisher haben gut 14 000 Spender fast 440 000 Euro zusammengebracht. Schöne Zahlen, aber für die leeren Kassen der Clubs laut Disselkamp «nicht mal ein Tropfen auf dem heißen Stein». Vom nächtlichen Dunkel sind etwa 9000 Mitarbeiter und rund 20 000 Künstler betroffen. Ein Club wie das «Watergate» mit 70 bis 80 festen Mitarbeitern hat monatlich etwa 120 000 Euro Kosten. Im «Berghain» arbeiten sonst rund 350 Mitarbeiter.

Der Sackgasse Kurzarbeit begegnen Disselkamp und sein Team im «Sage Restaurant» nahe dem verschwisterten «Sage Club» nun mit einem Drive-in. Im Szenekiez Kreuzberg geht es per Auto, Fahrrad oder auch zu Fuß durch einen Parcours aus fantasievollen Installationen, Nebelmaschinen und kleinen Kunstwerken in Richtung bestelltes Essen. Pyro-Experte Eddie Egal hat mit seinem «Büro für brenzlige Angelegenheiten» kleine Feuershows beigesteuert. Wo sonst an malerischer Spree-Kulisse hunderte Partywütige ausgelassen im aufgeschütteten Sand feiern, stehen nun knapp 20 Trabbis im obligatorischen Sicherheitsabstand bereit für eine Zeit, in der Berliner Corona-Regeln auch ein Autokino mit Showbühne zulassen.

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