Thüringer Gastgewerbe blickt mit gemischten Gefühlen auf Wintersaison

| Gastronomie Gastronomie

Angesichts möglicher weiterer Corona-Beschränkungen sehen Thüringer Hoteliers und Gastronomen der Wintersaison mit Vorsicht entgegen. «Wir hatten in den vergangen zwei Monaten sehr viel Glück mit dem Wetter, gerade die Außengastronomie wurde sehr gut genutzt», sagte der Geschäftsführer des Thüringer Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Dirk Ellinger. Vor allem in den Städten seien sehr viele Radtouristen unterwegs gewesen, viele Menschen hätten die Chance zum Urlaub im eigenen Land genutzt. «Eine Krise kann auch Chance sein - Gastronomen und Hoteliers hatten die Gelegenheit, neue Zielgruppen zu erschließen.»

Mit der Wetterverschlechterung sei es aber fraglich, ob die Reiselust weiter anhalte. Die teils drastischen Umsatzeinbußen mit dem Lockdown im März könnten aber trotz der Belebung im August und September dennoch nicht wieder ausgeglichen werden.

Dem Thüringer Landesamt für Statistik zufolge sank der Umsatz im Gastgewerbe im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um etwa 38 Prozent. Noch stärker waren die Beherbergungsbetriebe betroffen, hier sanken die Umsätze um über 48 Prozent. Im Juli erholte sich die Lage, im Hotel- und Gastgewerbe näherten sich die Umsätze den Vorjahreswerten. Ein Trend, der sich der Dehoga zufolge im August fortsetzen könnte; Zahlen dazu liegen noch nicht vor. Im Hotelsektor mache sich der Verzicht auf Dienstreisen aber immer noch bemerkbar. «Da ist noch kein Ende abzusehen, das schlägt in den Übernachtungszahlen sehr stark durch.»

Grundsätzlich sieht Ellinger die Branche gut auf die Herausforderungen der Wintersaison eingestellt. Ein freiwilliges Hygienesiegel, bei dem sich die Betriebe zur Einhaltung bestimmter Hygienemaßnahmen wie Lüftung und Maskenpflicht verpflichten, soll den Gästen mehr Sicherheit und leichteren Überblick geben. «Wir lernen mit jeder Woche wieder neu dazu, welche Maßnahmen sinnvoll und effektiv sind», so Ellinger.

Auch von den Kommunen kam in der Krise Hilfe. So haben etwa Erfurt und Weimar ganz auf den sonst üblichen Sondernutzungsbeitrag für Sitzflächen im Freien verzichtet. In Jena wurde dieser einem Sprecher zufolge auf ein Drittel gesenkt. «Wir wissen, was das für die Kommunen finanziell bedeutet und sind sehr dankbar für diesen Schritt», sagte Ellinger. «Das ist eine große Leistung.»

Um das Außengeschäft auch in den kalten Monaten in einem gewissen Umfang weiterzuführen, könnten im Winter vermehrt Heizpilze zum Einsatz kommen. In Thüringen ist deren Einsatz dem Dehoga zufolge aktuell in keiner Kommune verboten, was auch von allen größeren Städten bestätigt wurde. Lediglich aus Brandschutzgründen würden die Heizungen in Einzelfällen untersagt. In Erfurt haben Ellinger zufolge die meisten Betriebe inzwischen die gasbetriebenen Heizpilze durch eine elektronische Variante ersetzt. Der Ersatz durch Decken sei nicht immer sinnvoll umsetzbar, zudem müssten auch diese wieder gereinigt und desinfiziert werden.

Das Gastgewerbe hofft nun auf die baldige Einführung einer App, um die Meldezettel zur Rückverfolgung möglicher Infektionsketten zu ersetzen. Die bisherige Praxis sei nicht nur datenschutzrechtlich bedenklich, so Ellinger. Sie bedeute auch einen zusätzlichen Mehraufwand zu den ohnehin arbeitsintensiven Hygienemaßnahmen. Der Einsatz von weiteren Maßnahmen wie Luftreinigungssysteme würden vom Dehoga geprüft. Angesicht der Umsatzeinbußen fehle aber vielen Unternehmern das Geld für solche ungeplanten Investitionen. Allein wegen der kälteren Witterung planen die Kommunen nach bisherigem Stand keine weitere Verschärfung der Coronaregeln, heißt es übereinstimmend. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Kochroboter, kein Gastraum, alles für die Auslieferung: Wie eine Küche in Frankfurt den Gastronomie-Alltag verändern könnte – und warum menschliche Gastfreundschaft trotzdem unverzichtbar bleibt.

Im Streit um Markenrechte an einem Kebab-Gericht erwägt der amerikanische Fast-Food-Anbieter Kentucky Fried Chicken einen Rückzieher. KFC Deutschland teilte auf Anfrage mit, dass die Gespräche mit dem Bielefelder Dönerunternehmen Krispy Kebab zwar noch liefen, diese seien aber «herausfordernd».

Die Münchner Giesinger Brauerei drängt auf die Wiesn - und bekommt dafür nun Rückenwind von jemandem, der in der Sache künftig was zu sagen hat.

Die Sonne scheint, die Menschen genießen den Kaffee wieder im Freien. Die Gastronomen werden von den Städten im Land jedoch ganz unterschiedlich stark zur Kasse gebeten. Der Steuerzahlerbund meint: Weg damit!

Das Restaurant Greta Oto im Hamburger Conrad Hotel wurde mit dem Genuss-Michel 2026 in der Kategorie „Weltweit“ ausgezeichnet. Die MHP Hotel Group wertet den Preis als Bestätigung für ihre Strategie international ausgerichteter Gastronomiekonzepte.

Eine aktuelle Studie des Bayerischen Zentrums für Tourismus zeigt, dass fast die Hälfte der Deutschen aufgrund gestiegener Preise seltener essen geht, während das Preis-Leistungs-Verhältnis zum entscheidenden Faktor bei der Wahl des Restaurants geworden ist.

Seit eineinhalb Wochen wird gezapft und gefeiert auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Halbzeit. Wie kommt die große Sause auf dem Cannstatter Wasen an? Die Veranstalter legen die Zahlen offen.

Zwei Hotels am Schluchsee stellen die Kulinarik in den Mittelpunkt ihres Konzepts. Während die Mühle Schluchsee ihr Restaurant als eigenständiges Ziel positioniert, integriert der Auerhahn die Gastronomie in den gesamten Aufenthalt.

Die Zahl der Gastronomiebetriebe in Großbritannien sinkt kontinuierlich, wobei im ersten Quartal 2026 täglich mehr als drei Standorte aufgegeben wurden. Steigende Lohnkosten und steuerliche Belastungen setzen die Branche unter Druck.

Das Restaurant Heritage im Hamburger Hotel Le Méridien öffnet am 30. April nach einer technischen Modernisierung der Küchenbereiche wieder seine Türen. Neben einem aktualisierten Speisenangebot setzt der Betrieb künftig verstärkt auf neue Veranstaltungsformate.