VistaPrint hat die Ergebnisse zweier repräsentativer Umfragen zur wirtschaftlichen Lage und Preiserwartung in der deutschen Gastronomie veröffentlicht. Laut den Daten des Meinungsforschungsinstituts Civey besteht eine deutliche Differenz zwischen den Annahmen der Gastronomen und der tatsächlichen Erwartungshaltung der Verbraucher hinsichtlich der Umsatzsteuersenkung.
Während 65,2 Prozent der befragten Gastronomen davon ausgehen, dass ihre Kunden aufgrund des seit Januar 2026 geltenden ermäßigten Steuersatzes von sieben Prozent niedrigere Preise erwarten, bestätigt dies nur eine Minderheit der Gäste. Nach Angaben der Erhebung fordern lediglich 34,9 Prozent der Verbraucher eine Weitergabe der steuerlichen Entlastung. Demgegenüber steht eine Gruppe von 48,6 Prozent, die ausdrücklich keine Preissenkungen erwartet.
Diskrepanz bei der Preisgestaltung
Infolge der steuerlichen Änderungen haben bereits 55,2 Prozent der Betriebe Preissenkungen vorgenommen oder planen diese für die Zukunft. Davon gaben 3,5 Prozent an, die Preise komplett gesenkt zu haben, während 29,3 Prozent Teilpassungen vornahmen. Demgegenüber verzichten 43,3 Prozent der Inhaber bewusst auf eine Reduzierung der Endpreise.
Als Hauptgründe für die Beibehaltung des Preislevels nennen die Betriebe steigende Kostenstrukturen. Laut Mitteilung belasten insbesondere die Energiekosten (59,7 Prozent), höhere Einkaufspreise (58,7 Prozent) sowie der Personalmangel (49,2 Prozent) die wirtschaftliche Stabilität. Die Umfrage zeigt, dass 85,6 Prozent der befragten Bürger über die schwierige wirtschaftliche Situation der Branche informiert sind.
Hohe Bindung an lokale Gastronomiebetriebe
Die Untersuchung unterstreicht die emotionale und soziale Bedeutung der Gastronomie. Für die Befragten stehen Cafés und Restaurants primär für Genuss (77,9 Prozent), Begegnung (57,0 Prozent) und Geselligkeit (53,7 Prozent). Diese Bindung führt laut der Daten zu einer hohen Bereitschaft, gefährdete Lieblingslokale aktiv zu unterstützen.
Im Falle einer drohenden Schließung würden 54,2 Prozent der Teilnehmer den Betrieb weiterempfehlen. Zudem gaben 51,0 Prozent an, das Lokal in einer Krisensituation häufiger aufzusuchen, um den Umsatz zu stabilisieren. Weitere 41,7 Prozent würden durch positive Online-Bewertungen zur Sichtbarkeit des Unternehmens beitragen.
Investitionen in Betriebskosten statt Marketing
Trotz des Potenzials durch Kundenunterstützung investieren nur 20,4 Prozent der Gastronomen die Mittel aus der Steuerentlastung in Marketing oder Werbung. Der überwiegende Teil der Gelder fließt nach Unternehmensangaben in die Deckung laufender Betriebskosten (53,2 Prozent) sowie in Personalausgaben (43,3 Prozent). Rund 35,3 Prozent nutzen die frei gewordenen Kapazitäten für die Instandhaltung ihrer Betriebe.
Im Kontext dieser Ergebnisse verwies der Landesgeschäftsführer des DEHOGA Hamburg, Simon Wieck, auf die Notwendigkeit einer offenen Kommunikation zwischen Betrieben und Stammgästen. Parallel dazu wurde die Initiative „Lokalhelden gesucht“ gestartet, bei der sich Kleinbetriebe bis zum 12. April 2026 um ein Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro bewerben können, um ihre Sichtbarkeit und Marktentwicklung zu fördern (Tageskarte berichtete).













