Warum Sternerestaurants häufig pleite gehen

| Gastronomie Gastronomie

In Deutschland sind derzeit 340 Restaurants mit Michelin-Sternen ausgezeichnet – so viele wie noch nie zuvor. Doch profitieren die Restaurants auch wirtschaftlich von der Auszeichnung? Eine kürzlich im "Strategic Management Journal" veröffentlichte Studie aus den USA kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Ein Michelin-Stern erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Restaurant in den folgenden Jahren schließen muss.

Daniel Sands vom University College London hat in seiner Untersuchung die Restaurantszene in New York analysiert. Dabei nahm er insgesamt 276 Restaurants in den Blick, die seit dem Jahr 2000 neu eröffnet wurden und eine hervorragende Bewertung in der „New York Times“ erhielten. Diese Restaurants waren somit potenzielle Kandidaten für einen Michelin-Stern. Letztlich erhielten jedoch nur 92 der untersuchten Betriebe den begehrten Stern, während die übrigen 184 leer ausgingen.

Das Ergebnis ist überraschend: Fast die Hälfte der neuen Sternerestaurants schloss bis 2019 wieder. Im Vergleich dazu gab weniger als jedes fünfte Restaurant ohne Stern auf. Interessanterweise hielten die Restaurants ohne Stern im Durchschnitt mehr als ein Jahr länger durch als die Sternerestaurants. Sands' weitere Analysen untermauern dieses Ergebnis, selbst wenn Faktoren wie der Standort, das Preisniveau oder die Art der Küche berücksichtigt werden.

Die Studie zeigt, dass ein Michelin-Stern durchaus zu einem Anstieg der Nachfrage führt: Im Durchschnitt verzeichneten die ausgezeichneten Restaurants in New York 35 Prozent mehr Google-Suchanfragen. Diese erhöhte Aufmerksamkeit könnte theoretisch höhere Preise rechtfertigen. Doch anscheinend überwiegt ein anderer Effekt: Mit dem Stern steigen auch die Erwartungen. Vermieter erhöhen die Mieten, Lieferanten verlangen höhere Preise, und die Mitarbeiter fordern mehr Gehalt. Die Studie weist zudem darauf hin, dass die Fluktuation der Beschäftigten in Sternerestaurants höher ist als in gehobenen Restaurants ohne Stern – wahrscheinlich, weil die Auszeichnung den Angestellten bessere Karrieremöglichkeiten eröffnet.

Auch die Ansprüche der Gäste steigen. Die Kundschaft verändert sich, und viele Touristen besuchen die Stadt speziell, um in einem Sternerestaurant zu speisen. Um diese hohen Erwartungen zu erfüllen, müssen die Restaurants oft noch mehr investieren. Diese Faktoren können durch potenziell höhere Preise häufig nicht vollständig ausgeglichen werden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Amtsgericht Regensburg hat gegen den Gastronomen und Koch der Fußball-Nationalmannschaft, Anton Schmaus, eine Freiheitsstrafe von neun Monaten verhängt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Betreiber mehrerer Regensburger Lokale Arbeitsentgelt vorenthalten und veruntreut hat.

Provokante Ansage aus Köln: Das Zwei-Sterne-Restaurant Ox & Klee erklärt das klassische Fine Dining für tot. Inhaber Daniel Gottschlich setzt ab sofort auf ein Konzept ohne Dresscode, bei dem Köche zu Kellnern werden und das Erlebnis die Etikette ersetzt.

Vom 19. Februar bis zum 8. März 2026 findet im Rheingau das 29. Rheingau Gourmet & Wein Festival statt. Zahlreiche hochkarätige Veranstaltungen sind bereits stark gebucht, für viele Events stehen nur noch wenige Plätze zur Verfügung. Wer sich einen Platz bei den begehrten Dinners, Lunches, Masterclasses oder den legendären Partys sichern möchte, sollte nicht zu lange warten.

Die US-Marke Texas Chicken kommt nach Deutschland. Mit der Eröffnung des ersten stationären Restaurants im saarländischen St. Wendel sowie der Inbetriebnahme einer Ghost Kitchen in Brandenburg erfolgt der offizielle Markteintritt des Unternehmens.

Die übergroße Mehrheit der Bundesbürger glaubt nicht daran, dass nach der Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie jetzt auch die Preise sinken. Dennoch will fast jeder Vierte künftig häufiger essen gehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen. 

Der Lieferando Report 2025 analysiert die Bestellgewohnheiten in Berlin und zeigt, wie soziale Medien das Konsumverhalten steuern. Während die koreanische Küche und Smash-Burger Rekordzuwächse feiern, gewinnt der Non-Food-Sektor zunehmend an Bedeutung.

Der Getränkekonzern Diageo hat eine Preiserhöhung für Guinness Draught angekündigt. Branchenexperten und Pub-Betreiber warnen davor, dass es das erste Bier im Standard-Sortiment werden könnte, das in britischen Gastronomiebetrieben die Marke von 10 Pfund pro Pint erreicht.

Plex Coffee ist von München nach Frankfurt expandiert. Parallel setzt das Cafékonzept nach eigenen Angaben auf Künstliche Intelligenz, um interne Abläufe und die Mitarbeiterschulung zu organisieren.

Der aktuelle Gastronomie Trendbericht 2026/27 von Pierre Nierhaus analysiert die Branche als sozialen Klebstoff. Die Untersuchung zeigt, wie Digitalisierung und eine neue Gastgeberkultur das Gastgewerbe zwischen Effizienz und persönlicher Nähe neu definieren.

Der Guide Michelin veröffentlicht am 18. März 2026 seine neue Restaurant-Selektion für Österreich. Nach der letztjährigen Vergabe von 82 Sternen stehen diesmal neben der regionalen Qualität und Saisonalität auch wieder spezielle Auszeichnungen für Service und Nachwuchskräfte im Fokus der Bewertung.