Die zunehmende Digitalisierung im Hotelvertrieb bringt neue strukturelle Herausforderungen mit sich. Besonders kritisch betrachtet der Hotelverband Deutschland (IHA) das sogenannte Multisourcing der großen Online-Buchungsportale. Während Plattformen wie Booking.com oder Expedia das Verfahren als Mehrwert für Kunden präsentieren, sieht der Verband darin ein Modell, das die Verantwortung verwässert und Hotels in operative sowie rechtliche Fallen treibt.
Hier direkt zu einem Blog-Post von Tobias Warnecke, Geschäftsführer Hotelverband Deutschland (IHA): http://hotellerie.de/news/newsdetail/buchen-im-blindflug
Unklare Verantwortlichkeiten bei der Zimmerbuchung
Beim Multisourcing agieren Buchungsportale wie Metasuchmaschinen, führen die Buchung jedoch direkt auf der eigenen Seite aus, selbst wenn das Zimmer eigentlich von einem Drittanbieter stammt. Laut einer Umfrage des europäischen Dachverbandes Hotrec waren im Jahr 2023 bereits 43 Prozent der Hotels in Europa von dieser Praxis betroffen. Das Hauptproblem liegt in der mangelnden Transparenz: Oft sind der sichtbare Anbieter, der tatsächliche Vertragspartner und der Zahlungsabwickler nicht identisch.
In der Praxis führt dies zu erheblichen Schwierigkeiten. Gäste fordern im Hotel Rechnungen ein, die der Betrieb nicht ausstellen darf, da die Zahlung über externe Kanäle wie Expedia Collect erfolgte. Sobald Probleme auftreten, fehlt ein klarer Ansprechpartner für den Kunden, wodurch das Hotel zur Beschwerdestelle für Prozesse wird, die es nicht beeinflussen kann.
Preisverfall und Verlust der Kontrolle
Ein weiterer Kritikpunkt des Verbandes ist der massive Preisdruck. Multisourcing wird häufig genutzt, um durch Provisionsweitergaben die Preise der Hotels zu unterwandern. Selbst wenn ein Haus auf allen Kanälen die gleichen Raten pflegt, tauchen durch Drittanbieter günstigere Angebote auf den großen Portalen auf. Dies schwächt den Direktvertrieb und entzieht den Hotels die Kontrolle über ihre eigene Preisstrategie. Zudem warnt der Verband vor kartellrechtlichen Folgen, da der Wettbewerb zwischen den Marken durch diese Form des gemeinsamen Vertriebs gedämpft wird.
Forderungen nach Transparenz und Mitbestimmung
Der Geschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland, Tobias Warnecke, fordert eine klare Transparenzpflicht vor dem Buchungsabschluss. Kunden müssen sofort erkennen, wer Vertragspartner und Zahlungsempfänger ist. Zudem setzt sich der Verband für ein Opt-in-Verfahren ein, bei dem Hotels dem Multisourcing für jeden Partner explizit zustimmen müssen. Eine pauschale Zustimmung über die Geschäftsbedingungen reiche nicht aus, um die fairen Regeln im Markt zu sichern.
Ausführliche Hintergründe zu den Auswirkungen auf den Datenschutz und die detaillierten rechtlichen Forderungen erläutert Tobias Warnecke in seinem aktuellen Blogpost auf der Internetseite des Hotelverbandes.











