Strukturwandel am Hotelimmobilienmarkt: Fokus auf Betreiberqualität und Cashflow

| Hotellerie Hotellerie

Der europäische Markt für Hotelimmobilien zeigt sich im Jahr 2026 stabil, unterliegt jedoch einem tiefgreifenden Wandel. Während die Liquidität grundsätzlich vorhanden ist, agieren Investoren deutlich selektiver als in den Vorjahren. Im Zentrum der Investitionsentscheidungen stehen nicht mehr allein die Lage oder die Marke, sondern zunehmend die Bonität der Betreiber sowie die Belastbarkeit der Finanzierungsstrukturen. Dies geht aus der aktuellen Analyse des Experten-Panels „mrp hotels quarterly“ hervor.

Stabilisierung der Zinsen prägt das makroökonomische Umfeld

Die geldpolitische Landschaft hat sich nach einer Phase der Volatilität beruhigt. Laut Matthias Reith, Senior Ökonom bei Raiffeisen Research, ist der Zyklus der Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank vorerst beendet. „Der Abstieg vom Zinsgipfel dürfte für die EZB in der Mittelstation enden“, so Reith. Da sich Inflation und Wirtschaftswachstum innerhalb der Zielkorridore bewegen, entfalle der Handlungsdruck für weitere Senkungen.

Für Deutschland und Österreich wird eine moderate konjunkturelle Erholung prognostiziert, die jedoch hinter der Dynamik anderer europäischer Staaten zurückbleibt. Trotz dieser verhaltenen Prognosen bleibt die Gästenachfrage robust. Reith stellt fest, dass Konsumenten weiterhin bereit sind, in Urlaubsreisen zu investieren, selbst wenn sie in anderen Bereichen Sparmaßnahmen ergreifen.

Differenzierung nach Regionen und Segmenten

Eine pauschale Bewertung des Hotelmarktes ist laut Catherine Szolar, Vice President bei mrp hotels, nicht mehr zeitgemäß. Der Markt habe eine neue Normalität erreicht, in der eine starke Segmentierung herrscht. Pauschale Marktstrategien verlieren dabei an Bedeutung; stattdessen sind professionell strukturierte und individuelle Hotelkonzepte gefragt. Während Südeuropa durch eine hohe Nachfrage im Bereich der Ferienhotellerie profitiert, entwickelt sich der Markt im deutschsprachigen Raum langsamer.

Die Wahl des Betreibers und die Gestaltung der Verträge haben sich zu den entscheidenden Werttreibern für die Finanzierbarkeit von Objekten entwickelt. Investoren legen gesteigerten Wert auf transparente Strukturen und eine nachhaltige Ertragskraft.

Operative Effizienz gegen steigenden Kostendruck

Die Performance-Daten für das Jahr 2025 belegen ein moderates Wachstum beim Erlös pro verfügbarem Zimmer. Dieses Plus wurde vornehmlich durch gezielte Preissteigerungen bei Großveranstaltungen und Messen generiert. Hannah Struck, Senior Asset Manager bei mrp hotels, betont jedoch, dass der wirtschaftliche Druck auf die Betriebe durch hohe Personal- und Warenkosten hoch bleibt.

„Operative Effizienz und Kostenkontrolle sind zu zentralen Stellschrauben geworden, die dauerhaft im Fokus stehen müssen“, erläutert Struck. Eine enge Abstimmung zwischen Eigentümern und Betreibern bei Investitionen und der strategischen Ausrichtung sei mittlerweile unerlässlich für den wirtschaftlichen Erfolg.

Neue Anforderungen an die Hotel-Finanzierung

Auf der Finanzierungsseite haben sich die Rahmenbedingungen verschärft. Francesco Fedele, Vorstand der BF.direkt AG, stellt klar, dass Projekte auf Basis des aktuellen Zinsniveaus tragfähig sein müssen. Banken fordern heute mehr Eigenkapital und eine höhere Transparenz. Parallel dazu gewinnen alternative Kapitalquellen wie Private Credit oder Joint-Venture-Modelle an Bedeutung, um komplexe Strukturen oder Plattformstrategien abzusichern.

Erik Florvaag, Geschäftsführer der The Chocolate on the Pillow Group, hebt die Resilienz der Assetklasse hervor: „Ein Hotel in guter Lage produziert immer Cashflow.“ Aktuelle Insolvenzen seien eher als Marktbereinigung denn als generelle Schwächephase zu werten. Florvaag warnt jedoch vor zu starren Vertragswerken, die die unternehmerische Freiheit der Betreiber einschränken könnten. Ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen allen Akteuren sei die Voraussetzung für langfristiges Wachstum.

Unter folgendem Link finden die Aufzeichnung des Online-Panels: 
https://www.linkedin.com/events/mrphotelsquarterly-hotelimmobil7416805165137215488/theater/  

Unter folgendem Link finden die mrp hotels quarterly-Präsentation: 
https://mrp-hotels.com/wp-content/uploads/2026/01/20260127_mrp_hotels_quarterly.pdf   


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Gastgewerbe erlebt weiterhin schwierige Zeiten. Viele Gäste schauen auf das Geld, aber die Preise steigen. Aushilfen und Fachpersonal sind schwer zu finden. Krankheitsbedingte Ausfälle verschärfen die Situation.

Nach einem Bericht der Immobilien Zeitung sollen die Eigentümer des Adlon-Fonds über den Verkauf des Berliner Hotels Adlon abstimmen. Der vorgeschlagene Mindestverkaufspreis liegt demnach bei 280 Millionen Euro.

Accor erweitert sein Portfolio in den USA und nimmt das Treasure Island-Hotel in die Handwritten Collection auf. Für den Konzern ist es der erste Hotelstandort auf dem Las Vegas Strip und zugleich das größte Haus im weltweiten Accor-Netzwerk.

Für René Benkos frühere Villa in Innsbruck-Igls wird eine neue Nutzung geprüft. Das Grundstück war bis 2016 bereits Standort des Schlosshotels Igls und könnte nach den aktuellen Überlegungen wieder touristisch genutzt werden. Das Thema ist nicht neu.

Wyndham eröffnet das Tryp by Wyndham The Hague Scheveningen in den Niederlanden. Das Hotel befindet sich in einem Gebäude aus den 1960er-Jahren im geschützten Teil von Scheveningen und wurde vollständig renoviert.

Der Staatsanwalt von San Francisco hat Klage gegen Online-Buchungsplattformen eingereicht. In der Klageschrift wird den Betreibern vorgeworfen, gezielt Internetseiten geschaltet zu haben, um Verbraucher über die Herkunft der Portale zu täuschen.

Marriott International legt die ausführlichen Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vor, steigert den Gewinn und hebt angesichts stabiler globaler Reisetrends die Jahresprognose an.

Am 1. August 1996 startete die Deutsche Hotelklassifizierung. Drei Jahrzehnte später ist aus einem anfangs durchaus kontrovers diskutierten Branchenprojekt ein bundesweit etabliertes Orientierungssystem geworden.

Die Odyssey Hotel Group übernimmt das Management des The Westin Grand Berlin, des The Westin Leipzig, des Radisson Blu Hotel Leipzig und des Mercure Hotel Potsdam City. Mit den vier Hotels erweitert das Unternehmen sein Portfolio um mehr als 1.200 Zimmer und baut seine Präsenz in Deutschland aus.

Das Bundeskartellamt prüft den geplanten Betreiberwechsel mehrerer Hotels der insolventen Revo Hospitality Group zu B&B-Hotels. Welche Standorte betroffen sind, geht aus der veröffentlichten Anmeldung bislang nicht hervor.