Was bei ständigen Sticheleien im Job hilft

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Man bringt als Einzige im Meeting eine fundierte Gegenposition ein und bekommt als Reaktion nur: «Das ist ja wie mit meiner Tochter.» Oder die Kollegin macht einen Vorschlag – und erntet ein scheinbares Lob: «Für eine Frau kennst du dich aber echt gut aus in der Technik.» 

Solche Sätze klingen vielleicht harmlos, manchmal sogar anerkennend – sind es aber nicht. Denn sie sind Mikroaggressionen: subtile, beiläufige Bemerkungen, Gesten oder Verhaltensweisen, die keine offene Aggression zeigen, aber dennoch eine abwertende Botschaft transportieren. 

«Implizit steckt dahinter die Erwartungshaltung: Eigentlich kannst du das doch nicht, weil du eine Frau bist», sagt Kyra Dohrin, Business-Coachin und Autorin («Sackgasse weibliche Führungskraft»). Sie erlebt das Thema nicht nur in ihrer Beratungspraxis, sondern kennt es aus eigener Erfahrung als Führungskraft in einer Männerdomäne.

Macht und Sichtbarkeit - die Ursachen

Der Begriff Mikroaggression beschreibt keine kleine Aggression, sondern verortet das Phänomen auf der gesellschaftlichen Mikroebene - also der Interaktion zwischen einzelnen Individuen. Mikroaggressionen können somit jeden treffen, besonders häufig sind es aber Frauen.

Die häufigste Ursache ist laut Dohrin nämlich Stereotypisierung: ein Mechanismus, mit dem das Gehirn die Komplexität der Welt handhabbar machen will. «Sobald ein Mensch von einem stereotypen Rollenbild abweicht, ist das irritierend für das Gegenüber – und das kann schnell zu Mikroaggressionen führen, also zur Abwertung der Person, die von der Norm abweicht.» Also etwa, wenn Frauen besonders karrierebewusst oder durchsetzungsstark auftreten.

Mikroaggressionen spielen besonders im beruflichen Umfeld eine große Rolle. Es geht um Themen wie Machtausübung, Positionierung und Sichtbarkeit, erklärt Dohrin. «In Situationen, in denen es darum geht, sich in der hierarchischen Ordnung zu positionieren, werden Mikroaggressionen gerne eingesetzt – bewusst und auch unbewusst», so die Coachin.

Wann Mikroaggressionen problematisch werden

Eine einzelne subtile Bemerkung können Betroffene in der Regel noch gut wegstecken. Problematisch wird es meist erst nach und nach. «Diese Mikroaggressionen summieren sich auf und wirken dann wie kleine Nadelstiche», sagt Dohrin. 

Irgendwann beginne die Person, die häufig solchen Angriffen ausgesetzt ist, an sich selbst zu zweifeln. «Das führt zu Glaubenssätzen, die am Selbstvertrauen nagen», so Dohrin. Etwa: Ich muss noch mehr leisten, ich muss mich noch besser anpassen, ich bin nicht gut genug.

Nicht rechtfertigen - sondern Situation umkehren

Doch es gibt Wege und Strategien, Mikroaggressionen entgegenzutreten. Als unmittelbare Reaktion empfiehlt Dohrin, die Situation auf die Metaebene zu heben: «Eine Reaktion, die man quasi auswendig lernen kann und die nahezu in jeder Situation funktioniert, ist der Satz: Was genau meinen Sie damit?» Damit kehre man die «Erklärschuld» um. «Nicht ich muss mich rechtfertigen, sondern mein Gegenüber muss erklären, warum er das gesagt hat», so die Coachin.

Langfristig rät Dohrin außerdem dazu, das eigene Netzwerk strategisch aufzubauen – und nach Unterstützern Ausschau zu halten. «Das mächtigste Instrument, das man in einer Organisation haben kann, ist ein starker Sponsor – ein Verbündeter, der hierarchisch über einem steht», sagt sie. «Wenn ich ihn dabei unterstütze, seine Ziele zu erreichen, unterstützt er mich automatisch dabei, meine Ziele zu erreichen.»

Richtiger Umgang mit der Führungskraft

Wenn die Aggression von einer Führungskraft ausgeht, sollten Betroffene das am besten nicht vor anderen (etwa im Meeting) ansprechen. «Gesichtsverlust führt eher zur Gegenreaktion, zum Gegenangriff, aber nicht zur Lösung des Problems», so Dohrin. 

Deswegen merken Beschäftigte solche Dinge lieber in einem Vieraugengespräch an. Am besten mit Ich-Botschaften: Dazu die Situation beschreiben, schildern, wie es auf einen gewirkt hat, und sagen, welche Änderung man sich wünscht. (dpa)


 

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