Wohnen wie im Hotel: Branded Residences auf dem Vormarsch in Deutschland?

| Hotellerie Hotellerie

Derzeit noch ein Phänomen auf dem amerikanischen und asiatischen Markt, aber vielleicht schon bald in Deutschland Realität: Wohnprojekte mit dem Design und Service von international bekannten Marken, vor allem aus dem Hotelsektor, die so genannten Branded Residences.

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen alleine leben, bei ihrer Arbeit immer stärker eingebunden und viel unterwegs sind, ist der Wunsch nach einem Serviceangebot, wie man es aus Hotels kennt, groß. Wer nur begrenzt Freizeit hat, möchte sich so wenig wie möglich mit zeitintensiven Alltagsaufgaben befassen. Etablierte Hotelmarken, die weltweit bei ihren Gästen Vertrauen genießen und für einen gleichbleibend hohen Service stehen, können für Projektentwickler ein möglicher Kooperationspartner für diese Wohnform sein.
 

Eine neue Wohnform

Branded Residences stellen eine Weiterentwicklung des Konzepts des temporären Wohnens dar, wie es in Micro-Apartments oder auch in Serviced Apartments bereits gelebt wird. „In Kooperation zwischen Entwicklern, Betreibern und Hotelmarken entsteht eine neue Wohnform, die gehobene Bedürfnisse von Wohnungseigentümern nach Service und Design sowie Wertoptimierung bedient. Objekte dieser Art werden entweder von bekannten Marken selbst betrieben oder sie stellen ihre Marke einem Betreiber zur Verfügung“, so Thomas Zabel, Head of Residential Development JLL Germany. „Speziell Hotelmarken sind dabei prädestiniert für den Markt der Branded Residences, dies aufgrund der engen Verbindungen zu den Services eines Hotels, insbesondere im international bekannten Luxussegment“, ergänzt Heidi Schmidtke, Executive Vice President und Head of Advisory JLL Hotels & Hospitality Group.

Apartments in Branded Residences können aus Eigentumswohnungen im Sondereigentum einzelner Käufer bestehen. Wie bei einer normalen Eigentumswohnung auch ist es für die Eigentümer möglich, die Apartments wahlweise selbst zu nutzen, sie zu vermieten oder auch temporär bei eigener Abwesenheit weiteren Nutzern wie Hotelgästen anzubieten. Dieser Vermietungs-Service kann zum Beispiel über das Hotel erfolgen. Darüber hinaus kann der Eigentümer alle Services des Hotels seinen jeweiligen Mietern zur Verfügung stellen.

Potenzial in Deutschland

Derzeit wird der globale Markt auf mehr als 400 Branded Residences mit über 55.000 Apartments geschätzt. Bereits in den 1920er Jahren wurde das erste Produkt dieser Art in New York eröffnet, mittlerweile weist der US-amerikanische Markt mit etwa einem Drittel des Bestandes der Branded Residences den höchsten Marktanteil auf. Vier Fünftel des Marktes werden von Hotelgruppen bzw. -marken kontrolliert. Marriott International als Marktführer hat etwa 95 Branded Residences im Bestand und mehr als 70 Projekte, die in den nächsten Jahren eröffnet werden sollen.

In Deutschland steckt die neue Wohnform der Branded Residences noch in Kinderschuhen. „Berlin, Frankfurt, Hamburg und München haben aber ein nicht zu unterschätzendes Potenzial, an diesen seit Jahren etablierten Trend in den Gateway-Cities vor allem des US-amerikanischen und asiatischen Marktes anzuknüpfen“, ist Heidi Schmidtke überzeugt. Und Thomas Zabel fügt hinzu: „Eine Markenimmobilie genießt gegenüber einer ungebrandeten Immobilie ein höheres Vertrauen bei Nutzern und Käufern. Marken stehen für ein gleichbleibend positives Kundenerlebnis.“

Auf diese Weise generiere eine Branded Residence einen höheren Wiederverkaufswert. Die Marke schaffe einen erheblichen Mehrwert für die Immobilie. „Neben dem hohen Interesse an hochwertigen Wohnungen seitens internationaler Investoren wird auch eine fortschreitende Urbanisierung, die zunehmend nach Mixed-Used-Immobilien verlangt, schon bald für eine weitere Ausdifferenzierung des Angebots sorgen. Die Ausweitung auf das Segment der Branded Residences stellt den nächsten logischen Schritt dar“, so Heidi Schmidtke. Insofern biete die Kombination aus den Nutzungsarten Hotel und Wohnen statt Nutzungskonflikte Synergieeffekte. Im Blick auf die Markenfokussierung darf aber auch nicht unterschlagen werden, dass die Qualität der Marke ausschlaggebend für den Wert der Investition ist. Sollte diese Marke durch Qualitätsmängel oder auch einen Umschwung der Markenwahrnehmung in Mitleidenschaft gezogen werden, werde sich das im Wert der Investition widerspiegeln.

Erste Projekte in Deutschland

Ein Beispiel für Objekte, die dem Konzept der Branded Residences in Deutschland am nächsten kommen, sind die „Tower Apartments“ in der Nähe des Ritz Carlton am Potsdamer Platz in Berlin. Die Bewohner der Apartments profitieren unter anderem von einem 24-Stunden-Concierge-Service und den Premium-Services des Hotels.

In Frankfurt wird derzeit ebenfalls eine Art Branded Residence-Konzept umgesetzt. In der Main-Metropole entwickelt die GEG German Estate Group gemeinsam mit dem vielfach preisgekrönten und weltweit erfolgreichen Architekten Ole Scheeren den außergewöhnlichen Landmark- Wohnturm „Riverpark Tower“. Dieser umfasst neben 120 Eigentumswohnungen ein Boarding House mit rund 100 luxuriösen Apartments für stilvolles und temporäres Wohnen, das unter der Premium-Marke „Ascott – The Residence“ durch den asiatischen Betreiber Ascott Ltd. betrieben wird. Schmidtke: „Auch die Wohnungseigentümer können bei Bedarf auf die Services des Boarding Houses zurückgreifen.“

Für Entwickler bietet das Segment der Branded Residences eine Differenzierungsmöglichkeit gegenüber Entwicklungen „nicht gebrandeter“ Wohnprojekte. Beim Verkauf an einen Kapitalanleger oder Eigennutzer besteht zunächst die Möglichkeit, einen deutlich höheren Verkaufspreis zu erzielen. „Durch besondere Ausstattungsmerkmale und ein positives exklusives Image können Kunden angesprochen werden, die bereit sind, höhere Preise zu zahlen“, so Zabel. Zabel weiter: „Die daraus resultierende höhere Vermarktungsgeschwindigkeit kann wiederum für einen früheren Exit sorgen: Die bis dahin gebundene Liquidität kann schneller reinvestiert werden.“ Und Heidi Schmidtke fügt hinzu: „Die Kooperation von Hotelbetreibern und -marken mit Entwicklern ist schließlich geeignet, um Synergien zwischen diesen beiden Akteuren zu generieren.“

Hier gibt es den gesamten Report als PDF.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Aroundtown plant die Umwandlung weiterer Büroimmobilien in Serviced Apartments und Mixed-Use-Objekte. Projekte befinden sich unter anderem in Berlin, Frankfurt am Main, Dortmund, Hannover und Athen in Planung oder Umsetzung.

Die HSMA Deutschland veranstaltet Anfang September 2026 den #HSMAday in Berlin. Im Fokus stehen laut Verband Themen wie Künstliche Intelligenz, Plattformökonomie, Cybersicherheit und wirtschaftliche Herausforderungen für die Hotellerie.

Marriott International gründet ein Joint Venture mit der Familie Leali und integriert die italienische Luxus-Wellnessmarke Lefay in sein weltweites Portfolio. Die Integration in die Vertriebskanäle des Hotelkonzerns soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Fair Job Hotels hat in Düsseldorf sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Im Mittelpunkt standen Rückblicke auf die Entwicklung des Vereins, Ehrungen für Gründungsmitglieder sowie Diskussionen über Arbeitsmarkt, Führung und Künstliche Intelligenz.

Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group beteiligt sich am Thermenresort Loipersdorf und übernimmt künftig dessen Management. Gemeinsam mit Merkur Versicherung und Granit sind Investitionen in Therme und Hotel vorgesehen.

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat die Amtshaftungsklage des Inhabers des Kronenschlösschens nach den Ermittlungen zum Weinkeller-Einbruch von 2021 weitgehend abgewiesen. Die Richter hielten den damaligen Anfangsverdacht und die darauf gestützte Durchsuchung für vertretbar.

Marriott International hat in Indien das 10.000. Objekt im globalen Portfolio eröffnet. Vorstandsvorsitzender Anthony Capuano würdigte den Meilenstein des Konzerns, dessen Netzwerk mittlerweile 146 Länder und Territorien umfasst.

Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group übernimmt im Rahmen einer Partnerschaft mit der Merkur Versicherung und Granit das Management des Thermenresorts Loipersdorf und plant umfassende Modernisierungen bis Sommer 2027.

Das Mandarin Oriental Palace in Luzern feiert im Juni das 120-jährige Bestehen des ursprünglichen Palace Hotel Luzern. Das im Mai 1906 eröffnete Haus am Vierwaldstättersee verbindet historische Elemente mit aktuellen Hotelangeboten.

Die deutschen Beherbergungsbetriebe haben im April 2026 insgesamt 39,5 Millionen Übernachtungen gezählt. Während die Nachfrage aus dem Inland zurückging, legten die Übernachtungen ausländischer Gäste leicht zu.