Kleine Brauereien in Not: Keine Gastronomie, keine Volksfeste, keine Förderung

| Industrie Industrie

Die kleinen Brauereien in Bayern wissen nicht weiter. «Die Tische sind leer, aber die Bank möchte genauso bedient werden», klagte Christine Püttner am Donnerstag bei einer Pressekonferenz der Grünen. Als Chefin einer Brauerei mit eigener Gastwirtschaft trifft sie die Corona-Krise besonders hart. Als sogenannte Mischbetriebe bekommen Braugasthöfe nicht einmal November- und Dezemberhilfen.

Um Geld zu bekommen, müssten Brauerei und Wirtschaft steuerlich getrennt voneinander geführt werden. «Das ist einfach nicht typisch für einen Familienbetrieb wie unseren, der seit 200 Jahren gewachsen ist», sagte Püttner kopfschüttelnd. «Entweder bin ich Gasthof, oder ich bin kein Gasthof.»

Hier habe die schwarz-rote Bundesregierung leere Versprechen gemacht, kritisierte auch Georg Schneider bei der Jahrespressekonferenz des Bayerischen Brauerbundes. Dabei leiden besonders die kleinen Brauer unter der Schließung der Gastwirtschaften und dem Verbot von Volksfesten. Sie «büßten 50, 60, 70 Prozent ihres Absatzes ein», sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Lothar Ebbertz.

Der Bierausstoß der bayerischen Brauereien brach demnach 2020 zwar nur um eine Million Hektoliter oder vier Prozent ein auf 22,8 Millionen Hektoliter. Im Handel sei der Verkauf sogar gewachsen. Aber bei Supermärkten und Discountern, wo Flaschenbier in großen Mengen zu niedrigen Preisen «verramscht» werde, seien kleine Brauereien weniger präsent, sagte Ebbertz.

An einer Kiste Bier im Handel verdiene sie höchstens einen Euro, erzählte Brauereichefin Püttner. Der Verkauf sei nur eine Werbung für ihre Brauwirtschaft in einem kleinen Dorf im Kreis Neustadt an der Waldnaab. «Wir brauchen diese Werbung, damit auch die Leute bereit sind, sich das mal anzuschauen und mal rauszufahren.»

Jedes dritte Bier in Bayern wird nach Angaben des Brauerbunds bisher in der Gastronomie und auf Volksfesten verkauft. Das sei die Domäne der kleinen Brauereien, und deshalb seien jetzt viele «vor Corona pumperlg'sunde Betriebe in Existenznot», erklärte Verbandspräsident Schneider. Die vielfältige bayerische Bierkultur - «schauen Sie nach Franken» - sei bedroht, Gastbetriebe dürften in die Insolvenz rutschen, kleine Brauereien könnten in den Strudel mitgerissen werden. Das sollten Politiker, die sich gern mit Bierzeltreden schmücken, bedenken.

«Wir sind glücklicherweise in der Situation, dass wir während dieser Pandemie jetzt noch keinen Betrieb verloren haben», sagte Stefan Stang, Geschäftsführer beim Verband Private Brauereien Bayern. Doch es brauche nun dringend eine Perspektive.

Der Einbruch sei gigantisch, und das neue Jahr habe nicht besser begonnen, kritisierte Schneider. Auch die Nachfrage in Italien und anderen EU-Ländern schrumpfe. Fast ein Viertel des bayerischen Biers gehe normalerweise in den Export, jetzt sei die Exportquote auf 22 Prozent gesunken. Nur die Hinwendung der Konsumenten zum heimischen Bier habe den Einbruch abgefedert, meinte Schneider. Die Starkbiersaison werde wohl auf dem Sofa eröffnet. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Jägermeister stemmt sich gegen die flaue Nachfrage nach Hochprozentigem: Trotz weltweit rückläufiger Spirituosenmärkte habe sich das Unternehmen gegen den Trend behauptet und Marktanteile gewonnen, wie die Mast-Jägermeister SE in Wolfenbüttel mitteilte.

Der französische Konzern Groupe SEB streicht weltweit 2100 Stellen, um auf sinkende Gewinne im Jahr 2025 zu reagieren. Besonders betroffen sind auch Werke und Arbeitsplätze in Deutschland: An drei Traditionsstandorte ist zudem geplant, die Fertigung von Kochgeschirr, Backformen und Messern einzustellen.

Brandenburgs Spargelbauern setzen auf einen frühen Start in die Saison. An Ostern soll das erste Gemüse geerntet sein. Doch die Landwirte bangen um ihre Konkurrenzfähigkeit.

Der deutsche Weinmarkt steht unter Druck: Im Jahr 2025 sanken Absatz und Umsatz um jeweils sieben Prozent. Während die Zahl der Käuferhaushalte stabil blieb, griffen die Verbraucher seltener zu. Deutsche Erzeuger konnten ihren Marktanteil trotz der schwierigen Rahmenbedingungen leicht steigern.

Mit 4,5 Millionen Tonnen erreichte die deutsche Gemüseernte 2025 einen historischen Rekordwert. Vor allem Speisezwiebeln und der ökologische Anbau verzeichneten signifikante Zuwächse, während Nordrhein-Westfalen seine Position als wichtigstes Anbaubundesland behauptete.

Startschuss für ein millionenschweres Bauprojekt: In der Düsseldorfer Ulmenstraße entsteht bis 2027 ein neuer Metro Großmarkt. Der Standort setzt auf ein nachhaltiges Energiekonzept und soll die Versorgung der regionalen Gastronomie langfristig sichern.

Die Internorga 2026 in Hamburg präsentiert ihr Rahmenprogramm. Von Trendanalysen auf der Open Stage bis hin zu Fachkongressen über Nachhaltigkeit und Digitalisierung bietet die Messe Impulse und Lösungen für die Herausforderungen der Branche.

Die Finalisten für den Internorga Zukunftspreis 2026 wurden bekannt gegeben. Neun Unternehmen aus den Bereichen Food, Technik und Gastgewerbe konkurrieren im März in Hamburg um die Auszeichnung für besondere Innovationskraft und Nachhaltigkeit.

Mineralwasser mit Geschmack und stilles Wasser: Das sind 2025 Wachstumstreiber beim Gerolsteiner Brunnen gewesen. Vor allem Wasser ohne Kohlensäure habe überdurchschnittliche Zuwächse erzielt, teilte das Unternehmen mit.

Eigentlich machen niedrige Temperaturen Grünkohl bekömmlicher. In diesem Jahr haben ihm jedoch viele Schneefälle zugesetzt. Einige Bauern beenden die Erntesaison vorzeitig. Das Wintergemüse wird bis Ende März in geselliger Runde gegessen.