Winzer gegen Trump: US-Strafzölle alarmieren deutsche Weinbranche

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Die EU-Subventionen für den Airbus sind den USA ein Dorn im Auge. Am Freitag werden deswegen Strafzölle wirksam, die dem deutschen Weinbau große Sorgen bereiten. Die USA sind das wichtigste Exportland für Wein von der Mosel oder vom Rhein.

Der lange Arm von US-Präsident Donald Trump reicht bis zu Mosel und Saar: «Die Strafzölle auf Wein treffen uns besonders hart», sagt der Winzer Florian Lauer in Ayl (Kreis Trier-Saarburg). In den Steillagen an Mosel und Saar seien die Kosten für die Produktion so hoch, dass der Betrieb auf besondere Märkte wie den USA angewiesen sei. «Wenn die neuen Zölle dauerhaft erhoben werden, können wir das vergessen.»

Die vom Handelsministerium in Washington verhängte Zollerhöhung um 25 Prozent ist ab Freitag dieser Woche gültig. Neben anderen Produkten ist Wein aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien betroffen. Hintergrund ist die Entscheidung der Welthandelsorganisation, wonach die USA wegen unzulässiger Subventionen der EU für den Flugzeughersteller Airbus Strafzölle auf Importe im Volumen von 7,5 Milliarden Dollar erheben darf.

«Wir gehen davon aus, dass die neuen Zölle einen spürbaren Schaden für die Weinexporteure verursachen werden», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim bei Mainz. «Die USA sind Weinexportland Nummer eins für Deutschland, der Riesling steht dabei ganz oben.» Im vergangenen Jahr wurden rund 171 000 Hektoliter Wein im Wert von 71 Millionen Euro in die USA ausgeführt. Eine Wettbewerbsverzerrung sieht Büscher in dem Umstand, dass deutsche, französische und spanische Weine, nicht aber Wein aus Italien, Griechenland oder Portugal von den Strafzöllen betroffen sind.

Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), dem auch das Weingut Peter Lauer angehört, zeigt sich entsetzt, dass deutsche Weine als Revanche für «vermeintlich ungerechtfertigte Subventionen in der Flugzeugindustrie» herhalten müssten. «Es ist leider oft so, dass auf dem Rücken der Landwirtschaft die Lasten fehlgesteuerter Industriepolitik ausgetragen werden», erklärt VDP-Präsident Steffen Christmann. Etwa ein Viertel der VDP-Weine gehen ins Ausland, mit steigender Tendenz. «Dieses zarte Pflänzchen wird nun schwer beschädigt, wenn ab Landesgrenze USA 25 Prozent Strafzoll erhoben wird.»

Am stärksten werde die Wirkung der Strafzölle im harten Wettbewerb in den Weinregalen des Einzelhandels zu spüren sein, erwartet der Geschäftsführer des Verbands der Rheinhessischen Weinkellereien, Albrecht Ehses. «Da kann man mit Preiserhöhungen von zwei bis vier Dollar je Flasche rechnen. Dann greift der Kunde schnell zu einem anderen Wein.» Rheinhessen, Mosel-Saar-Ruwer und die Pfalz seien die drei Anbaugebiete mit den höchsten Weinexporten, erklärt Ehses. Größere Exportbedeutung habe auch noch der Weinbau in Rheingau und in Franken.

Eine entscheidende Frage wird sein, wie lange die Strafzölle auf Wein bleiben werden. Noch gebe es bei den US-Importeuren größere Bestände, erklärt Büscher. Wenn diese aufgebraucht seien, werde die Wirkung der Strafzölle voll zum Tragen kommen.

Winzer Lauer ist in diesen Tagen ständig im Gespräch mit seinem US-Importeur Vom Boden, um eine Lösung für die Verteilung der erhöhten Zollbelastung zu finden. «Einen Anteil müssen wir bezahlen, einen Teil der Importeur und der Konsument.» Es gebe die kleine Hoffnung, dass die Strafzölle in absehbarer Zeit wieder ausgesetzt werden könnten. Dann wäre er bereit, einen Teil der Bürde zu tragen. «Mittelfristig ist das dann aber nicht mehr rentabel.»

Das Weingut Peter Lauer exportiert etwa 15 bis 17 000 Liter im Jahr in die USA. «Das macht etwa 25 Prozent unseres gesamten Geschäfts aus», sagt Lauer. Einige Kollegen hätten noch höhere US-Marktanteile. Der Export nach China sei für ihn nur halb so bedeutend. Und mit dem nahenden Brexit sei auch die Ausfuhr nach Großbritannien gefährdet.

Der Weinbau dürfe nicht als Sündenbock für Strafen herhalten, die den europäischen Flugzeugbau treffen sollten, protestiert Lauer. Hier erwarte er von der Bundesregierung oder der Landesregierung einen Ausgleich etwa in Form von Steuererleichterungen.

Nach vielen Gesprächen mit seinem Importeur ist für Florian Lauer klar, dass Trump mit den Strafzöllen vor allem die großen Metropolen an der West- und Ostküste treffen wolle, wo ein guter Wein aus Europa geschätzt werde und vorwiegend die Wähler der Demokratischen Partei zu Hause seien. Mit Blick auf die Tochter und Beraterin des US-Präsidenten fügt der Winzer hinzu: «Schaumwein ist von den Strafzöllen ausgenommen - ich habe ja keine Ahnung, ob Ivanka Trump gerne Champagner trinkt.»

Trump bedroht auch Parmesan und Olivenöl

Auf der Liste von Trump stehen auch die Käsesorten Parmigiano Reggiano und Grana Padano, auf die künftig einen Strafzoll von 25 Prozent erhoben werden soll. Ab diesem Freitag (18. Oktober) sollen die Abgaben auf manche Importe aus Europa gelten.

Statt wie bisher 2,15 Dollar soll auf das Kilo Parmesan nun 6 Dollar Zoll gezahlt werden, rechnet das Parmesan-Konsortium vor. Amerikaner müssten dann nicht mehr 40 Dollar pro Kilo zahlen, sondern 45 Dollar. Das entspricht etwa 41 Euro. Die Befürchtung ist, dass der Absatz in Amerika leidet. Die USA sind für den Verkauf von Parmesan immerhin der zweitwichtigste Exportmarkt Italiens, pro Jahr werden rund 10 000 Tonnen Käse dorthin geliefert. Nur Frankreich kauft mit 11 000 Tonnen noch mehr.

«Wir sind verbittert, weil es ungerechtfertigt einen der stärksten Sektoren unserer Wirtschaft trifft», erklärte Konsortiumschef Nicola Bertinelli. «Italien hat nichts mit Airbus zu tun (...) und muss nun eine wirklich unsinnige Rechnung zahlen.» Betroffen sind neben Parmesan auch gekochter Schinken, Salami und Campari.

Die italienische Regierung ist entschlossen, das Nationalheiligtum zu verteidigen. Nicht umsonst bekam US-Außenminister Mike Pompeo bei seinem Besuch vor zwei Wochen in Rom ein großes Stück Käse «Grana d'Oro» in die Hand gedrückt.

Premierminister Giuseppe Conte erklärte, die Causa verlange die «maximale Aufmerksamkeit der Regierung», da die Zölle «uns sehr weh tun können». Bei einem «Parmigiano Day» in Bologna protestierten unlängst Produzenten mit Kühen. Käse-Delegationen reisten in die USA, um das Unglück abzuwenden.

Und statt der befürchteten 100 Prozent Strafzoll auf viele italienische Produkte sind es nun weit weniger. Außenminister Luigi Di Maio erklärte dann zuversichtlich: «Unser Schinken und unser Parmesan sind die Ferraris der Gastronomie. Sie sind die besten der Welt, und ich bin sicher, dass die Amerikaner Lust darauf haben, sie zu essen.»

«Gerettet» sind daneben andere Champions der italienischen Küche: Auf Parma-Schinken, Büffelmozzarella oder Prosecco werden keine zusätzlichen Zölle erhoben. Auch italienischer Wein und italienisches Olivenöl blieben außen vor.

Anders dagegen in Spanien. Dort ist das heiß geliebte «Aceite de Oliva» betroffen. Das Olivenöl wird in Spanien vor allem in Andalusien produziert. Von den gut 400 Millionen Euro, die Spanien 2018 für den Export von Olivenöl in die USA kassierte, gingen 80 Prozent in die Region im Süden des Landes. Dort haben Olivenöl und Oliven traditionell eine riesige wirtschaftliche, aber auch soziale Bedeutung. Entsprechend groß war der andalusische Aufschrei nach Bekanntwerden der Nachricht von den US-Strafzöllen.

Die regionale Arbeitsministerin Rocío Blanco warnte, der erwartete starke Rückgang der Ausfuhren in die USA werde viele Unternehmen hart treffen und die Arbeitslosenrate, die dort bereits bei mehr als 21 Prozent liegt, weiter ansteigen lassen. «Ich weiß nicht, wie lange viele der betroffenen Firmen die Folgen aushalten können», sagte sie. Rafael Pico, Geschäftsführer des Olivenöl-Exporteur-Verbandes Asoliva, drückt sich noch drastischer aus: «Ein Strafzoll von 25 Prozent haut viele aus dem Markt.» Und Mariano Íñigo, Professor an der EAE Business School, sprach von einer «Katastrophe», die «für viele Unternehmen mit sehr geringen Gewinnmargen unweigerlich das Ende» bedeuten werde. (dpa)


 

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