Bayern feiert Ausbildungsbotschaftertag des Gastgewerbes 2023

| Politik Politik

Im Fokus des zwölften Ausbildungsbotschaftertages des bayerischen Gastgewerbes, der vom DEHOGA Bayern in Kooperation mit dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) durchgeführt wird, stand die Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulformen, um Schnupper-Praktika in Betrieben als Erlebnis und vor allem die duale Ausbildung als Chance für alle Schüler erlebbar zu machen.

Im historischen Börsensaal der Industrie- und Handelskammer eröffneten DEHOGA Bayern-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert, Susanne Droux, Geschäftsführerin Berufsbildung und Fachkräftesicherung und Julia Schiffer, stellvertretende Geschäftsführerin Berufsbildung und Fachkräftesicherung mit ihren Grußbotschaften den Ausbildungsbotschaftertag.

DEHOGA Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer rief in ihrer Rede die 136 Ausbildungsbotschafter dazu auf, Schüler aller allgemeinbildenden Schulen noch engagierter aktiv für eine praktische Berufsorientierung in Betrieben, also ein Schnupperpraktikum, und im Nachgang für eine Ausbildung im Hotel oder in der Gastronomie anzusprechen. „Für unendlich viele Menschen in Bayern – ob hier geboren oder zugewandert – ist eine duale Ausbildung eine echte Chance für ein berufliches und persönliches, erfolgreiches Leben“, so Inselkammer, „Unsere Hotels und Gastronomiebetriebe bieten viele attraktive berufliche Perspektiven. Wir machen Menschen glücklich, unser Berufsstand ist wichtig und hat eine hohe Sinnhaftigkeit“, hob Inselkammer die Bedeutung der Ausbildungsbotschafter hervor.

Obwohl die Branche bereits jetzt wieder rund 10.000 Auszubildende und Dualstudierende sowie stolze 447.000 Erwerbstätige zählt – übrigens 44 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren – und damit fast wieder auf Vor-Coronaniveau ist, deckt es den Bedarf nicht ab.

„Es braucht klare Botschaften, damit wir junge Menschen für eine duale Ausbildung in unserer Branche begeistern können. Mit unserer bundesweiten Auszeichnung TOP-Ausbildungsbetrieb, mit der bereits über 138 Ausbildungsbetriebe in Bayern zertifiziert sind, machen wir gute Ausbildung sichtbar. Wir wollen jungen Menschen, deren Eltern und der Öffentlichkeit die hervorragenden Perspektiven, die das Gastgewerbe zu bieten hat, vor Augen führen – denn kaum eine Branche ist so faszinierend und abwechslungsreich wie Hotellerie und Gastronomie“, fügt Inselkammer hinzu.

Alle gastgewerblichen Ausbildungen wurden deutlich modernisiert und Querschnittsthemen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit neu integriert. Zudem wird ein besonderer Fokus auf Bereiche wie Verbraucherschutz, Hygiene, Zusammenarbeit im Team oder Gastkommunikation gelegt, die in der Branche an Bedeutung gewonnen haben. Die jungen Fachkräfte sollen künftig noch besser auf ihre Rolle als Führungskräfte vorbereitet werden, indem sie z.B. bereits in der Erstausbildung die Anleitung von Mitarbeitern, Kalkulation, Verkaufsförderung und Vertrieb sowie wirtschaftliches Denken erlernen. Auch werden verstärkt aktuelle Trends, z.B. veränderte Ernährungsgewohnheiten, in der Ausbildung aufgegriffen.

Geppert nutzte die Gelegenheit und wies in diesem Zusammenhang auf ein noch zu lösendes Problem der Branche hin: „Wir benötigen dringend die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes gemäß der EU-Arbeitszeitrichtlinie. Die Arbeit muss dann erledigt werden können, wenn sie anfällt. Dies entspricht dem Wunsch vieler Mitarbeiter, die dies auch als Ausgleich dafür sehen, dass in ihrer Mensch-zu-Mensch-Branche Homeofficelösungen nicht möglich sind.“ Der DEHOGA Bayern-Landesgeschäftsführer verdeutlichte in diesem Zusammenhang: „Wir fordern explizit keine Verlängerung der Gesamtarbeitszeit und es versteht sich von selbst, dass es nicht um unbezahlte Mehrarbeit geht.“

Dr. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages stellt die Ausbildungsmarktbilanz 2023 vor: „Wir konnten auf dem Ausbildungsmarkt die Corona-Talsohle überwinden. Mit fast 1.000 gastgewerblichen Neuverträgen mehr als 2021, einem Plus von fast 29% und insgesamt 4.323 neuen Auszubildenden in Bayern haben die HOGA Berufe als erste Berufsgruppe einen Stand über dem Vor-Corona Ausbildungsjahr 2019 geschafft.“ Gößl appelliert an die Ausbilder, weiterhin leidenschaftlich daran zu arbeiten, junge Menschen zu ausgezeichneten Fachkräften zu entwickeln. „Wir müssen alle mithelfen, dass jede Schülerin und jeder Schüler seine persönlichen Stärken kennt und vor allem die erstklassigen Karrierechancen, die eine Berufsausbildung bietet.“ So gehen die IHK-Ausbildungsscouts, wie die Hotelfachfrau-Auszubildende Victoria Block vom Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München, in bayerische Schulen, um gleichaltrigen Schülern aus eigener Erfahrung von ihrer eigenen Ausbildung zu erzählen und sie dafür zu begeistern. „Hier arbeiten Schulen und Ausbildungsbetriebe eng zusammen, um gemeinsam die Berufsorientierung zu gestalten“, so Gößl. „Das ergibt eine Win-win-Situation: Die Betriebe kommen leichter an Auszubildende und die Schulen können ihre Berufsorientierung verbessern!“

Als feierlichen Höhepunkt des Tages verlieh Bayerns Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Ulrike Scharf, gemeinsam mit DEHOGA Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer die Ernennungsurkunden an die 19 neu ernannten Ausbildungsbotschafter für drei Jahre und sieben TOP-Ausbildungsbetriebe der bayerischen Hotellerie und Gastronomie. Die Ausbildungsbotschafter sind Hoteliers und Gastronomen, in deren Betrieben hervorragende Ausbildung einen hohen Stellenwert hat. Außerdem sind Ausbildungsbotschafter oftmals in IHK-Prüfungsausschüssen tätig.

Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf betont anlässlich des 12. Ausbildungsbotschaftertags des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA Bayern die Wichtigkeit von Berufsorientierungsmaßnahmen: „Es gibt über 300 Ausbildungsberufe und viele Möglichkeiten, nach der Schule erfolgreich in das Berufsleben zu starten. In dieser herausfordernden Übergangsphase benötigen junge Menschen Orientierung, um den passenden Beruf zu finden. Da kommen die Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter des DEHOGA Bayern wie gerufen: Sie informieren auf Messen und in Schulklassen, räumen mit Vorurteilen auf und wecken Begeisterung für die Hotel- und Gaststättenbranche.“

Weiter erklärt die Arbeitsministerin: „Die Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter des DEHOGA Bayern sind erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer, die selbst ausbilden und sich engagiert für die Nachwuchswerbung einsetzen. Sie bringen jungen Menschen sehr glaubwürdig nahe, wie erfüllend eine Ausbildung im Gastgewerbe ist. Darüber hinaus sind sie oft in Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammern tätig. Das macht sie zu echten Vorbildern!“

Im Anschluss überreichten Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf und DEHOGA Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer an acht junge Menschen mit Handicap, die ihre berufliche Zukunft in der Gastronomie gestalten möchten, nach erfolgreicher Teilnahme des DEHOGA Bayern Gastronomie-Lehrgangs ihr Zertifikat „Kleiner Wirtebrief - Zukunft trotz Handicap“.

Mit diesem Zertifikat soll ihnen der Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt, also eine Ausbildung oder Festanstellung in einem Hotel oder Restaurant erleichtert werden. Der Lehrgang wurde in Zusammenarbeit mit den Betreuern der Teilnehmenden Ingo Diederich, Lebenshilfe Werkstatt München, Christiane Zhu-Lambrecht, Leitung berufliche Bildung und Inklusion, Augustinum-Werkstätten, Herrn Johannes Baumann, Leiter für Außen- Arbeitsplätze der Fendsbacher Werkstätten, sowie dem DEHOGA Bayern und Küchenmeister Matthias Fuchs der Berufsschule München von Seminarleiterin Gabriele Katschke, BTG Bayern Tourist GmbH organisiert. Initiiert und finanziert wurde das Projekt von Andrea Hanisch, Vorsitzender des Vereins „Zukunft trotz Handicap e.V.“ aus Höhenkirchen.

Danach referierte Professor Dr. Karl Wilbers von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen mit Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung in seinem Vortrag „Ausbildung (weiter) entwickeln“ über den „Azubi Life Cycle“, also über die Phasen, die junge Menschen vor, während und nach der Ausbildung durchlaufen und welche Unterstützung sie seitens ihrer Ausbildungsbetriebe benötigen:

  • Zusammenkommen (Recruiting, Beschaffen)
  • Ankommen (Onboarding, Einführen)
  • Entwickeln, bleiben, durchhalten (Retension)
  • Weitergehen (Überleiten, Transition)

Wie man junge Menschen heute erreicht, demonstrierten Studierende der Friedrich-Alexander-Universität in ihrer Performance „Jugendliche mit Social Media für Ausbildung begeistern“, bei dem alle Ausbildungsbotschafter sich mit eigenem Handy über einen QR-Code einwählen und mitmachen konnten.

In den anschließenden Workshops standen unter anderem folgende Themen zur Diskussion:

  • Florian Kaiser, Referatsleiter Bildungs- und Integrationsberatung der IHK München und Oberbayern, zum Thema „Ausbildung 2025 – Perspektive und Integration“
  • Hans Schneider, Vorsitzender Berufsbildungsausschuss Bayern und Deutschland, zum Thema „Neue Ausbildung praktisch umsetzen“
  • Susanne Droux und Julia Schiffer, DEHOGA Bayern Geschäftsbereich Berufsbildung und Fachkräftesicherung, zum Thema „Erlebnisreiche Berufsorientierung“
  • Edith Roebers, Expertin für erfolgreiches Gastro-Business, zum Thema „5 Tipps, um Auszubildende auf die „Spur“ zu bringen!

In seinem Schlusswort fasste Schneider die Ziele 2023 für die Ausbildungsbotschafter zusammen, der die sprachliche Förderung und Integration ausländischer Auszubildenden sowie die verstärkte Neuansprache von inländischen Schülern als Schwerpunktthemen sieht. Schneider ist überzeugt: „Ausbildung ist Chefsache. Denn die Sinnhaftigkeit des Berufs und täglichen Tuns, die Nachhaltigkeit bei allen Prozessen sowie der enge Dialog mit den Bezugspersonen im Betrieb ist jungen Menschen das wichtigste Anliegen. Dafür müssen wir als Ausbilder Zeit, Raum und Verständnis aufbringen.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

In der Schweiz wird im Juni 2026 über eine Begrenzung der Bevölkerungszahl abgestimmt. Ein Zusammenschluss der Tourismuswirtschaft stellt sich dagegen und sieht laut Mitteilung mögliche Auswirkungen auf Arbeitsmarkt, internationale Abkommen und den Tourismussektor.

Der Bayerische Landtag hat eine Reform des Zweckentfremdungsgesetzes beschlossen. Künftig können Kommunen eine Registrierungspflicht für Kurzzeitvermietungen einführen und auf Vermietungsdaten zugreifen.

Der Stadtrat der Stadt Zürich hat eine Volksinitiative zur Regulierung von Kurzzeitvermietungen für gültig erklärt und unterstützt deren Ziele. Gleichzeitig ist ein Gegenvorschlag im Zusammenhang mit einer Bauordnungsrevision geplant.

Die Tarifgespräche im Gastgewerbe von Rheinland-Pfalz sind ohne Einigung beendet. Der DEHOGA erklärt die Verhandlungen mit der NGG für gescheitert und empfiehlt den Betrieben eine freiwillige Lohnerhöhung von 3,5 Prozent.

Potsdam plant eine Verpackungssteuer gegen Müllberge noch in diesem Jahr. Andere Städte in Brandenburg zweifeln an der Abgabe: zu hoher Aufwand, zu wenig Wirkung.

Das Europäische Parlament hat neue Regeln für Pauschalreisen beschlossen. Während der Deutsche Reiseverband die Sachlage im Vorfeld überwiegend positiv bewertet, sieht die Hotellerie noch offene Fragen bei einzelnen Vorgaben der Richtlinie.

Weniger Bürokratie, längere Öffnungszeiten: Ein neues Gesetz soll Berlins Gastronomie entlasten und den Service für Gäste verbessern. Was sich für Betreiber und Besucher ändern könnte.

Berliner Restaurants, Cafés und Kneipen sollen ihre Gäste in Zukunft länger auch vor der Türe bedienen dürfen. Das steht im Entwurf eines Gaststättengesetzes, den der Senat auf den Weg brachte.

Fernsehen, Spitzenküche - und jetzt auch noch Kommunalpolitik für Alexander Herrmann? Die Wählerinnen und Wähler im oberfränkischen Landkreis Kulmbach haben entschieden.

Das neue Tariftreuegesetz trifft die Hotellerie im Kern: Zimmerkontingente und Tagungen für den Bund hängen künftig an strikten Tarifvorgaben. Der Dehoga warnt trotz Nachbesserungen vor einem enormen Prüfaufwand für die Betriebe.