BTW kritisiert "personellen Flächenbrand in der deutschen Tourismuswirtschaft"

| Politik Politik

Eine Reform des Einwanderungsgesetzes haben Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nach den massiven Personalengpässen an deutschen Flughäfen und im Gastgewerbe angekündigt. Nun fordert der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Sören Hartmann von den politischen Akteuren deutlich mehr Tempo und einen breiten Blick auf die Branche.

„Der Personalmangel hat sich in weiten Teilen der deutschen Tourismuswirtschaft bereits zu einem Flächenbrand entwickelt“, mahnt BTW-Präsident Hartmann, „wir brauchen dringend pragmatische, tragfähige und langfristige Maßnahmen zur Mitarbeitergewinnung. Das Thema muss jetzt Chefsache im Bundeskanzleramt werden, sonst verharrt eine für Deutschland relevante Branche mit drei Millionen Beschäftigten weiterhin im Krisenmodus.“

Während der Corona-Pandemie 2020 und 2021 hatte die Politik viele touristische Aktivitäten und Angebote über Monate stark eingeschränkt und teilweise sogar dauerhaft untersagt. Zahllose Mitarbeiter wanderten in dieser Zeit in andere Branchen ab, wie auch eine aktuelle Studie des IW Köln belegt.

Der dringend ersehnte Neustart für die deutsche Tourismuswirtschaft wird nun angesichts des eklatanten Mitarbeitermangels massiv erschwert. „Trotz fortschreitender Digitalisierung ist und bleibt Tourismus eine Dienstleitung von Mensch zu Mensch. Deshalb ist eine bloße Reform-Ankündigung der zuständigen Bundesminister für unsere Unternehmen nicht ausreichend. Wir brauchen stattdessen sofort ein akutes Krisenmanagement, wie es an den Flughäfen angelaufen ist, und einen zügigen Gesetzesbeschluss“, fordert BTW-Präsident Hartmann.

Um die aufgrund des demografischen Wandels fehlenden Fach- und Arbeitskräfte auch aus Drittstaaten einstellen zu können, sei es unverzichtbar, Verfahren zu vereinfachen, die Beschaffung von Visa zu beschleunigen sowie neue rechtliche Möglichkeiten der gezielten Erwerbsmigration zu schaffen. Für die Rekrutierung von Saisonkräften im Gastgewerbe sollten zwischenstaatliche Abkommen mit interessierten Ländern geschlossen werden. Zudem sollte laut Hartmann die Westbalkanregel entfristet und das auf 25.000 Arbeitskräfte begrenzte Kontingent so schnell wie möglich ausgeweitet werden.

Mit Blick auf den Herbst und Winter fordert der BTW-Präsident verlässliche Zusagen der Politik, der Branche keine weiteren Corona-Einschränkungen zuzumuten: „Nur so können wir die kleinen und mittelständischen Unternehmen stärken und eine weitere Fluktuation in andere Branchen verhindern.“


Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Hotelverband Deutschland (IHA) knüpft die Unterstützung für den Digitalen Euro an klare Bedingungen. Für den Erfolg in Hotellerie und Gastronomie fordert der Verband Gebührenfreiheit bei Kleinbeträgen und feste Transaktionsgebühren statt prozentualer Kosten.

Knausern viele Wirte beim Lohn? Der Dehoga Bayern weist Vorwürfe der Gewerkschaft NGG entschieden zurück und betont, dass die Mehrwertsteuersenkung direkt in Lohnsteigerungen und Beschäftigungssicherung fließt.

85 Kilo pro Kopf: Frankreich isst deutlich mehr Fleisch als Deutschland. Jetzt ruft die Regierung zu weniger Konsum auf – aber um die genaue Formulierung gab es Streit.

Die Denkfabrik „Zukunft der Gastwelt“ fordert ein umfassendes Belastungsmoratorium für das Gastgewerbe. In ihrem Schreiben an Bundestagsabgeordnete werden Insolvenzen, wie die der Revo Hospitality Group, als strukturelles Branchenproblem dargestellt. Marc Schnerr beleuchtet in einem Kommentar, warum er diese Argumentation ein wenig einseitig findet.

Die Kommission zur Sozialstaatsreform plant eine Neuausrichtung der Einkommensanrechnung und eine Vereinfachung von Sozialleistungen. Der Branchenverband DEHOGA verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung für geringfügig Beschäftigte im Gastgewerbe und warnt vor möglichen Fehlanreizen für Schwarzarbeit.

In Tübingen und Konstanz kennt man sie bereits - in Freiburg gibt es seit Jahresbeginn die Verpackungssteuer auf Speisen zum Mitnehmen. Aus der Gastronomie kommt Gegenwind - die Stadt äußert sich.

Die GEMA muss die Gebühren für Fernsehnutzung neu berechnen. Gastronomen und Hoteliers mit Bildschirmen bis 65 Zoll könnten von rückwirkenden Erstattungen und angepassten Tarifstrukturen profitieren.

Das Bundesarbeitsgericht setzt der Mitbestimmung bei Lieferdiensten Grenzen: Reine Liefergebiete ohne eigene Leitungsebene dürfen keine eigenen Betriebsräte wählen – auch wenn die Arbeit komplett per App gesteuert wird. Die Gewerkschaft NGG fordert nun gesetzliche Nachbesserungen.

Die Bundesregierung plant eine grundlegende Überarbeitung der Arbeitszeitvorgaben in Deutschland und kündigten das mit Veröffentlichung der Nationalen Tourismusstrategie an. Die Gewerkschaften hingegen befürchten eine zunehmende Belastung der Beschäftigten und drohen mit Arbeitskämpfen.

Die neue Nationale Tourismusstrategie ist beschlossen. Mit dem Ziel, den Tourismusstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, setzt die Bundesregierung auf eine Kombination aus Bürokratieabbau, steuerlichen Erleichterungen und einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.