Bundeskartellamt: Mehr Fusionen von Unternehmen durch Corona

| Politik Politik

Das Bundeskartellamt rechnet mit einer Welle von Firmenfusionen aufgrund der Corona-Krise. «Wir haben bereits erste Anzeichen dafür, dass wir zahlreiche Übernahmen von Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sehen werden», sagte der Präsident der Aufsichtsbehörde, Andreas Mundt, am Mittwoch.

Der Kartellamtschef kündigte gleichzeitig an, dass es keinen Pandemie-Bonus für solche Zusammenschlüsse geben werde. «Wir werden es uns nicht leisten können, die Fusionskontrolle in Zeiten der Corona-Krise zu lockern», betonte Mundt. Denn die verkrusteten Märkte, die dadurch entstehen würden, blieben auch nach der Ende der Corona-Krise erhalten.

Zwar sei die Zahl der angemeldeten Fusionsvorhaben durch die weitreichenden Corona-Schutzmaßnahmen im März und April erst einmal deutlich gesunken. Doch inzwischen steige die Zahl der geplanten Übernahmen bereits wieder an, sagte Mundt.

Im vergangenen Jahr hatten die Wettbewerbshüter rund 1400 angemeldete Übernahmen geprüft. In vier Fällen endete das Verfahren mit einer Untersagung des Zusammenschlusses. In sechs Hauptprüfverfahren zogen die Beteiligten ihr Vorhaben, teils aufgrund von Bedenken des Bundeskartellamtes, zurück. Zu den aktuell größten Prüfungen durch das Kartellamt gehören Pläne von Kaufland und Edeka, Filialen der SB-Warenhauskette Real zu übernehmen.

Insgesamt verhängte das Bundeskartellamt in diesem Jahr bereits rund 158 Millionen Euro Bußgelder gegen Unternehmen und deren Verantwortliche wegen verbotener Wettbewerbsabsprachen. Damit lag das Bußgeldaufkommen allerdings deutlich unter dem Niveau des Vorjahres, als insgesamt 848 Millionen Euro Bußgelder verhängt worden waren.

Allerdings wurden die Ermittlungen der Wettbewerbshüter in diesem Jahr auch durch die Corona-Krise erschwert. In den vergangenen Monaten habe es pandemiebedingt sehr wenig Durchsuchungen gegeben, sagte Mundt. Doch sei er verhalten zuversichtlich, dass die Behörde hier dank neuer Schutzkonzepte bald wieder verstärkt tätig sein könne. «Es kann nicht sein, dass dieser Bereich im Kampf gegen Kartelle brachliegt», sagte Mundt.

Große Aufmerksamkeit widmet die Wettbewerbsbehörde aktuell auch der Digitalwirtschaft. Die Marktmacht der Tech-Giganten wie Amazon oder Facebook sei in der Krise noch einmal gewachsen, betonte Mundt. Die Behörde führe deshalb weiterhin eine Reihe von Verfahren, um die wirtschaftliche Macht der Internetgiganten zu kontrollieren. Wettbewerber, Kunden und Verbraucher müssten von den großen Plattformen fair behandelt werden. «Wir bleiben dran an diesen Themen», sagte Mundt. Zusätzliche Durchgriffsmöglichkeiten erhofft sich die Behörde hier von der geplanten Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Landtag von Baden-Württemberg hat den Weg für die Rückerstattung von Corona-Soforthilfen frei gemacht. Wer vor dem 8. April 2020 Anträge stellte und bereits Geld zurückgezahlt hat, erhält dieses nun inklusive Zinsen zurück – allerdings erst nach einem noch einzurichtenden Antragsverfahren.

Mit Anwälten und Abmahnungen kämpfen die Oktoberfestwirte gegen den illegalen Weiterverkauf von Tischreservierungen. Nachdem erste Urteile gegen horrende Preise gefallen sind, warnen Stadt und Wirte nun gemeinsam: Gültig sind nur Original-Reservierungen.

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will das Verbot der Bettensteuer durch den Freistaat Bayern vor dem Bundesverfassungsgericht prüfen lassen. Zuerst muss aber noch der Stadtrat zustimmen.

Die Idee einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke stößt in der Bevölkerung einer Umfrage zufolge auf große Zustimmung. 60 Prozent der Befragten bewerten eine Steuer positiv, deren Höhe mit dem Zuckergehalt des Getränks steigt.

Während 60,4 Millionen Übernachtungen über Portale den Wohnraum unter Druck setzen, warnt Hotelier Marco Nussbaum vor der Lobby-Macht der Plattformen. Der Hotelverband IHA liefert mit einem neuen Leitfaden die Werkzeuge für Kommunen, um für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

Die Ära der kleinen Kosmetikfläschchen in Hotelzimmern geht zu Ende. Ab 2030 untersagt eine neue EU-Verordnung Einwegverpackungen für Hygieneartikel im Beherbergungssektor. Während Hotels auf nachfüllbare Spendersysteme umstellen, bleibt der Verkauf von Reisegrößen im Einzelhandel vorerst erlaubt.

Die erste Tarifrunde für die Beschäftigten im niedersächsischen Gastgewerbe endete in Hannover ohne Abschluss. Während der Dehoga eine zweistufige Erhöhung um insgesamt 5 Prozent anbot, lehnte die Gewerkschaft NGG die Vorschläge ab. Die Verhandlungen werden im März fortgesetzt.

Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge kritisiert Forderungen nach einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags und warnt vor negativen Folgen für die Gleichstellung von Frauen.

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an.

Der DEHOGA setzt sich mit einer Kampagne für die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit ein. Durch eine Umstellung auf die Wochenarbeitszeit sollen Betriebe sowie deren Beschäftigte von mehr Flexibilität profitieren. Die Bundesregierung braucht der Verband allerdings nicht mehr zu überzeugen. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist längst in Planung.