„Das ist ein Skandal“: Prominente Hoteliers und Gastronomen kritisieren die Querelen im DEHOGA Rheinland-Pfalz

| Politik Politik

In Rheinland-Pfalz klagen 20 DEHOGA-Mitglieder gegen die Wahl des Präsidenten Haumann bis 2029. Den Sprecher der Gruppe, Matthias Ganter, hat der Verband vor die Tür gesetzt. Jetzt meldet sich mit Romantik-Chef Thomas Edelkamp ein Vertreter einer großen Marke zu Wort und spricht von einem Skandal. Sternekoch Harald Rüssel kritisiert, dass Matthias Ganter vom Verband „niedergemetzelt“ worden sei.

Ganter gehört zu einer Gruppe von Gastgebern, die die letztjährige Wahl von Gereon Haumann zum Präsidenten des Verbandes bis 2029 für nichtig erklären lassen will. Der Krach um die Wahl des DEHOGA-Präsidenten in Rheinland-Pfalz schlägt medial seit Monaten hohe Wellen in dem Bundesland. Sogar das Fernsehen berichtete. Hier Hintergründe zu der Angelegenheit bei Tageskarte.

Der DEHOGA in Rheinland-Pfalz hat Ganter aus Traben-Trarbach inzwischen aus dem Verband ausgeschlossen. Wie Medien berichten, wirft der Verband dem bekannten Hotelier, der zwei namhafte Herbergen an der Mosel betreibt, verbandsschädigendes und unehrenhaftes Verhalten vor. Gegen seinen Rausschmiss aus dem Verband will Ganter nun Beschwerde und Rechtsmittel einlegen.

Ganter, so ist es am 12. April in der Rhein-Zeitung zu lesen gewesen, soll in einem privaten Whats-App-Chat geschrieben haben, dass Präsident Haumann den Verband jährlich mit 330.000 Euro Honorarkosten belaste. Daraufhin flatterte dem Hotelier, wie die Zeitung schreibt, eine einstweilige Verfügung ins Haus, die im Wiederholungsfall Strafen von bis zu 250.000 Euro androht oder sechs Monate Ordnungshaft. Diese Chat-Nachricht, so die Rhein-Zeitung, sei das „grob verbandsschädigende“ Verhalten, wegen dem Ganter nun ausgeschlossen worden sei. In der gleichen Zeitung legt der Präsident Haumann gegen Ganter nach: „Die von Herrn Ganter offenkundig in bösartiger Absicht medial verbreiteten Aussagen über den Vergütungsanspruch des Präsidenten, sind der eigentliche Kern des Klageverfahrens, um so Misstrauen bei den unwissenden Mitgliedern und Klägern zu wecken. Dabei sind Herrn Ganter alle Mittel recht, er schürt hier den Anschein von Missgunst, Sozialneid und Intransparenz.“

Gegen die Vorgehensweise des regionalen DEHOGA-Präsidenten gehen jetzt prominente Hoteliers und Gastronomen auf die Barrikaden. So schreibt Thomas Edelkamp, Vorstandsvorsitzender der Romantik Hotels & Restaurants AG, mit über 100 ihrer 200 Hotels in Deutschland vertreten: „Wenn Hoteliers mit Leib und Seele aus dem DEHOGA-Branchenverband  ausgeschlossen werden, dann sollten bei allen Gastgebern die Alarmglocken klingeln! „Maßlosigkeit“ und „Gutsherrenart“ nennt das Mario Zender in seinem Kommentar im Wochenspiegel und Knauth Kurt von der Rhein-Zeitung pointiert richtig, dass Verbandsführung auch eine Frage des Gespürs sei. Das hat der DEHOGA Chef in Rheinland-Pfalz offensichtlich nicht an den Tag gelegt […] Einen Ausschluss, weil ein Mitglied das tut, was ihm an rechtlichem Rahmen gegeben ist? Das ist ein Skandal (!) und dieses Verhalten fügt dem DEHOGA als Branchenverband nachhaltig Schaden zu“, schreibt er in einem Facebook-Post.
 

Viele bekannte Branchenpersönlichkeiten pflichten Edelkamp bei. So schreibt prizeotel-Gründer Marco Nussbaum: „Eine derartige Verhaltensweise eines Präsidenten kann für das Image eines Verbandes und auch unserer Branche nicht förderlich sein und löst in meinen Augen eher Unverständnis und Kopfschütteln aus.“

Ex-Dorint Mann Ulrich Schweizer schreibt „Die Vorgehensweise bei der vorzeitigen Bestellung erinnert mich an eine alte Börsenweisheit: Gier frisst Hirn!“

Der Sternekoch Harald Rüssel hat Gereon Haumann in einem Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund scharf attackiert. Auf den Präsidentenstuhl gehöre jemand, der sich selbst nicht so wichtig nehme und den Verband ehrenamtlich führe, sagte Rüssel im Gespräch mit unserer der Zeitung. In keinem anderen Dehoga-Landesverband bekomme ein Präsident „Zigtausende wie Herr Haumann“. Weiter führt Rüssel aus, dass der Verband wieder „zum Wohl der Mitglieder und nicht überwiegend zum Wohl des Präsidenten“ geführt werden müsse und sagt mit Blick auf das Ausschlussverfahren gegen Hotelier Ganter: „Wenn so jemand derart niedergemetzelt wird, muss man dagegen seine Stimme erheben.“

Der Inhaber der Friends Hotelgruppe und ehemaliger Präsident der HSMA, Haakon Herbst, bezog in sozialen Medien Stellung zu dem Rauswurf von Ganter: „Egal wie man zu was steht...aber dieser Schritt ist eine BANKROTTERKLÄRUNG der Demokratie und ein Frevel für jeden VERBAND. Man muss und SOLL Widersprüche annehmen und sich mit diesen vernünftig auseinandersetzen.“
 

Was Thomas Edelkamp darüber hinaus nachdenklich stimmt, ist das Abtauchen der Ehrenamtsträger in den anderen DEHOGA-Verbänden. Der Romantik-Chef schreibt: „Bedenklich ruhig verhalten sich Verbandskollegen. Bisher habe ich noch keine Distanzierung in der Öffentlichkeit vernommen. Schade! Kein Ehrenamtsträger, ob in Rheinlad-Pfalz oder anderswo, schreitet ein. Niemand ruft stopp. Keiner traut sich aus der Deckung. Bei aller Verbandspolitik und möglichen Abhängigkeiten, wenn Unternehmer den Verband verlassen müssen, weil ein Präsident, wie der Zeitungsredakteur Zender vom Wochenspiegel schreibt, nach Gutsherrenart regieren möchte, dann ist ein gerader Rücken gefordert – von allen.“

Bei Tageskarte hätten wir auch gerne Gereon Haumann zu Wort kommen lassen. Fragen, die die Redaktion an Gereon Haumann gerichtet hatte, blieben aber bis heute unbeantwortet.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Bundesregierung will den Start des Gesetzes zur Tierhaltungskennzeichnung verschieben. Eine Verbändeallianz fordert, die geplante Ausweitung auf die Außer-Haus-Verpflegung und verarbeitete tierische Lebensmittel zu streichen.

Ärgernis Verpackungssteuer: Sie sorgt in Freiburg für Unmut. Teile des Gemeinderates wollen die umstrittenen Regeln eindampfen und die Abgabe neu aufstellen – kommt ihr Antrag durch?

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der Bundesregierung beschlossen. Der Bundestag ist am Zug.

Union und SPD wollen eine Steuer auf stark gezuckerte Getränke einführen. Um die Details wurde lange gerungen. Jetzt gibt es eine Einigung. CDU-Ministerpräsident Boris Rhein aus Hessen spricht von einem falschen Signal.

Sieben Prozent mehr Lohn fordert die NGG im bayerischen Gastgewerbe. Der Dehoga Bayern bietet zwei Erhöhungen bei 30 Monaten Laufzeit an – die Gewerkschaft hat das Angebot nach Angaben des Verbandes abgelehnt.

Kommt die Zuckersteuer noch? Die neun Länder-Agrarminister von CDU und CSU sind dagegen - und schreiben dem Kanzler einen Brief.

Bestimmte Geschäftsreisen sollen nach einer EU-Reform von der vorherigen A1-Meldung ausgenommen werden, berichtet der VDR. Bis die neuen Vorschriften anwendbar sind, müssen Unternehmen die bisherigen Vorgaben beachten.

Erst am Mittwoch hatte Vizekanzler Klingbeil seinen Entwurf an die Ministerien gegeben, nun tritt das Kanzleramt auf die Bremse. Die Zuckersteuer liegt erst einmal auf Eis. Klingbeil rechnet dennoch mit schneller Einigung.

Die geplante Steuer auf zuckerhaltige Getränke soll dem Staat im Jahr rund eine Milliarde Euro einbringen. Das geht aus einem Entwurf des Finanzministeriums hervor, über den zuerst das «Handelsblatt» berichtete. Im Bundestag sind die Pläne der Regierung umstritten.

Ab 1. Oktober dürfte der Kaffee im Wegwerfbecher in Potsdam teurer werden. Die Landeshauptstadt führt im Alleingang eine Verpackungssteuer ein. Massive Kritik kommt aus der Wirtschaft.