DEHOGA Bayern fordert weitere Lockerungen

| Politik Politik

„Seit Mittwoch gilt die reduzierte Mehrwertsteuer. Dies wird unseren Speiselokalen helfen, die Corona bedingt massiven Umsatzeinbußen zumindest ein klein wenig zu kompensieren“, erläutert Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern. In diesem Zusammenhang dankt sie nochmals Ministerpräsident Markus Söder, der dies überhaupt erst ermöglicht hat. „Unternehmerisch überlebensnotwendig und aus Wettbewerbssicht nur fair wäre eine Entfristung der Steuerreduzierung sowie eine Ausdehnung auch auf Getränke“, ergänzt die Präsidentin.

„Gleichzeitig muss man den Betrieben auch Umsatz ermöglichen. Es wäre jetzt enorm wichtig, schnell weitere Erleichterungen für das Gastgewerbe, insbesondere für die getränkegeprägten Betriebe, zu erhalten“, so Inselkammer, die zugleich betont: „Wir nehmen die Pandemie ernst und die Gesundheit der Bevölkerung hat oberste Priorität“, ergänzt sie, „aber die Fallzahlen von Coronainfektionen belegen seit Wochen, dass unsere Hygienekonzepte funktionieren.

Zahlreiche Verbote insbesondere im Gastgewerbe seien weder verhältnismäßig noch nachvollziehbar, wie der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bereits vor zwei Wochen bei seiner Entscheidung zur Aufhebung der Sperrzeiten betont habe. Uns wurde eine „atmende Strategie“ versprochen, stattdessen erleben wir ein „Luft anhalten“.
 

Mit Verwalten statt Gestalten werden viele Betriebe die Krise nicht überleben. Wir verspüren eine gewisse Orientierungslosigkeit: Zu Beginn der Krise wurden politische Entscheidungen klar an RKI-Zahlen gekoppelt, anschließend wurden Erleichterungen getroffen, zwei Wochen beobachtet, ob sie negative Auswirkungen haben und anschließend weitere Erleichterungen getroffen. Im Moment sind die Zahlen jedoch seit Wochen auf niedrigem Niveau stabil und nichts passiert. Man darf nicht übersehen, dass sich die Bevölkerung ja selbst auch wieder nach mehr Freiheiten sehnt, was Ausflüge und Reisen jenseits der weiß-blauen Landesgrenzen eindeutig belegen. Das führt zu enormen Wettbewerbsverzerrungen und lässt die bestehenden Auflagen fragwürdig erscheinen. Dies gilt umso mehr, da die Fallzahlen in Österreich und anderen Ländern trotz Öffnung aller gastgewerblichen Betriebe mitnichten ansteigen.“ Inselkammer: „Wir müssen vorsichtig und wachsam sein, dürfen das Leben und die Wirtschaft aber nicht vergessen.“

Konkret fordert der DEHOGA Bayern Öffnungsperspektiven für alle Betriebe. Auch Schankwirtschaften können das Hygienekonzept der Gastronomie umsetzen und einhalten. Wenn es für Clubs und Diskotheken noch zu früh sein sollte, dann könnte man ihnen zumindest Feiern in geschlossener Gesellschaft oder Konzerte analog zuanderen Bereichen erlauben. Ebenfalls ist nicht nachvollziehbar, warum im privaten Umfeld ohne Personenbegrenzung gefeiert werden kann und in der Gastronomie bei bestehenden Sicherheits- und Hygienekonzepten bei 50 Personen Schluss ist.

Auch das Abstandsgebot von 1,5m zwischen jedem Teilnehmer bei Tagungen und Veranstaltungen ergibt wenig Sinn, wenn in der Kaffeepause die Gäste zu zehnt an einem Stehtisch stehen können. Hier muss es pragmatische, nachvollziehbare Lösungen geben, die auch umsetzbar sind. Das gilt auch für die Maskenpflicht. Während in anderen Bundesländern und Österreich diese teilweise komplett aufgehoben wird, darf bei uns noch nicht einmal eine verbesserte Form des Face- Shields getragen werden. „Virologen haben bereits vor Woche auf das geringe Infektionsrisiko im Außenbereich hingewiesen. Hier muss über den Wegfall der Tragepflicht einer Mund-Nasen-Bedeckung nachgedacht werden. Wir erwarten am kommenden Dienstag beim Ministerrat Antworten“, betont Inselkammer.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Hotelverband Deutschland (IHA) knüpft die Unterstützung für den Digitalen Euro an klare Bedingungen. Für den Erfolg in Hotellerie und Gastronomie fordert der Verband Gebührenfreiheit bei Kleinbeträgen und feste Transaktionsgebühren statt prozentualer Kosten.

Knausern viele Wirte beim Lohn? Der Dehoga Bayern weist Vorwürfe der Gewerkschaft NGG entschieden zurück und betont, dass die Mehrwertsteuersenkung direkt in Lohnsteigerungen und Beschäftigungssicherung fließt.

85 Kilo pro Kopf: Frankreich isst deutlich mehr Fleisch als Deutschland. Jetzt ruft die Regierung zu weniger Konsum auf – aber um die genaue Formulierung gab es Streit.

Die Denkfabrik „Zukunft der Gastwelt“ fordert ein umfassendes Belastungsmoratorium für das Gastgewerbe. In ihrem Schreiben an Bundestagsabgeordnete werden Insolvenzen, wie die der Revo Hospitality Group, als strukturelles Branchenproblem dargestellt. Marc Schnerr beleuchtet in einem Kommentar, warum er diese Argumentation ein wenig einseitig findet.

Die Kommission zur Sozialstaatsreform plant eine Neuausrichtung der Einkommensanrechnung und eine Vereinfachung von Sozialleistungen. Der Branchenverband DEHOGA verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung für geringfügig Beschäftigte im Gastgewerbe und warnt vor möglichen Fehlanreizen für Schwarzarbeit.

In Tübingen und Konstanz kennt man sie bereits - in Freiburg gibt es seit Jahresbeginn die Verpackungssteuer auf Speisen zum Mitnehmen. Aus der Gastronomie kommt Gegenwind - die Stadt äußert sich.

Die GEMA muss die Gebühren für Fernsehnutzung neu berechnen. Gastronomen und Hoteliers mit Bildschirmen bis 65 Zoll könnten von rückwirkenden Erstattungen und angepassten Tarifstrukturen profitieren.

Das Bundesarbeitsgericht setzt der Mitbestimmung bei Lieferdiensten Grenzen: Reine Liefergebiete ohne eigene Leitungsebene dürfen keine eigenen Betriebsräte wählen – auch wenn die Arbeit komplett per App gesteuert wird. Die Gewerkschaft NGG fordert nun gesetzliche Nachbesserungen.

Die Bundesregierung plant eine grundlegende Überarbeitung der Arbeitszeitvorgaben in Deutschland und kündigten das mit Veröffentlichung der Nationalen Tourismusstrategie an. Die Gewerkschaften hingegen befürchten eine zunehmende Belastung der Beschäftigten und drohen mit Arbeitskämpfen.

Die neue Nationale Tourismusstrategie ist beschlossen. Mit dem Ziel, den Tourismusstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, setzt die Bundesregierung auf eine Kombination aus Bürokratieabbau, steuerlichen Erleichterungen und einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.