DEHOGA NRW: Maßnahmen auf den Prüfstand

| Politik Politik

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in den letzten Wochen und Monaten auch in Nordrhein-Westfalen gestiegen, wobei das professionelle Gastgewerbe mit Restaurants, Gaststätten, Cafés und Kneipen aufgrund strenger Coronaschutzvorschriften bis jetzt äußerst wenig zum Infektionsgeschehen beigetragen hat. Nach einer deutschlandweiten Studie des Robert-Koch-Institut waren es von 55.000 untersuchten Covid-19-Fällen zwischen Februar bis Mitte Juli nur 1,6 Prozent, die zurück auf Gastronomie und Hotellerie zurückzuführen waren.

Die Überschreitung der 7-Tages-Inzidenz von 50 in verschiedenen Kommunen und die deshalb getroffenen oder angekündigten Maßnahmen geben aber einen Vorgeschmack auf weitere mögliche „Folgen“ im Gastgewerbe. Beschränkungen von privaten Feiern und „Tischgrößen“, Reisebeschränkungen und Sperrzeiten sind in der Diskussion oder werden bereits umgesetzt. In Brüssel sind gerade alle Restaurants und Bars geschlossen worden.

Der DEHOGA Nordrhein-Westfalen fordert vom Land NRW und den Kommunen weitere Maßnahmen für Gastronomen und Hoteliers genaustens auf deren Verhältnismäßigkeit und Wirksamkeit in Bezug auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens zu überprüfen.

„Für das Gastgewerbe wäre ein zweiter Lockdown mit Sicherheit das schlimmste Szenario. Allerdings gibt es neben einem „rechtlichen“ auch einen „faktischen“. Dann nämlich, wenn die Corona-Regeln einen wirtschaftlichen Lockdown bewirken.  Deshalb muss jede einzelne Maßnahme auf den Prüfstand, ob sie nur Symbol oder wirklich zur Infektionseindämmung führt. Welchen Sinn macht es zum Beispiel, ob fünf oder zehn Menschen an einem Tisch sitzen? Was bringt ein Beherbergungsverbot? Was bringt ein Verbot von Clubs und Diskotheken, wenn junge Menschen zuhause privat feiern? Wir sind existenziell darauf angewiesen, dass mit Blick auf das tatsächliche Infektionsgeschehen in der Branche Entscheidungen getroffen werden. Symbol-Maßnahmen können wir uns schon lange nicht mehr leisten“, betont Bernd Niemeier, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen, vor dem Hintergrund der katastrophalen Lage in Hotels, der Gastronomie, in Clubs- und Diskotheken sowie bei Caterern und Gemeinschaftsverpflegern.

Der DEHOGA in Nordrhein-Westfalen begrüßt die Einladung des Landes, sich konstruktiv in die Weiterentwicklung der CoronaSchVO einzubringen, die in ihrer jetzigen Form bis Ende des Monats Bestand hat. „Wir finden, dass alle Regelungen neu gedacht und hinterfragt werden müssen, gerade vor dem Hintergrund, dass Verbote und Beschränkungen häufig zu „Ausweichbewegungen“ der Gäste ins Private führen, wo keine Coronaschutzregeln eingehalten und überprüft werden. Wir wollen wissen, ob wir die Mindestabstände von 1,5m noch brauchen oder ob ein Meter wie in einem österreichischen Restaurant ausreicht? Was kann die Innovationsklausel zu einer Reduzierung der Mindestabstände beitragen? Inwiefern können zertifizierte Luftreiniger Tanzbetrieben helfen? Ist es noch zeitgemäß, Veranstaltungen zuhause zu privilegieren?“, fragt DEHOGA NRW-Präsident Niemeier.

„Der DEHOGA unterstützt weiterhin den eingeschlagenen Weg von Maß und Mitte. Wir sehen die Herausforderungen für alle politischen Entscheider*innen sowohl auf kommunaler wie auf Landesebene, verhältnismäßige Lösungen zu treffen. Aber wir fordern mehr Einheitlichkeit, Klarheit, Plausibilität und Konzentration auf das Wesentliche. So viel wie nötig, aber nicht mehr. Immer neue unbegründete Verbote sind nicht nur inakzeptabel, sondern auch kontraproduktiv, denn sie reduzieren die Akzeptanz für notwendige Schutzmaßnahmen sowohl bei Gästen wie Unternehmern“, unterstreicht Bernd Niemeier abschließend.

Das Gastgewerbe ist von der Corona-Pandemie äußerst stark betroffen. Die Branche rechnet bis Jahresende mit Umsatzeinbußen von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Über 70 Prozent sehen bei einem weiteren Fortgang der Pandemie ihre Existenz gefährdet. Bestimmte Betriebstypen wie Clubs und Diskotheken dürfen immer noch nicht öffnen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Österreichische Hotelvereinigung wirft der Gewerkschaft vida einen aggressiven Verhandlungsstil in den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen vor. Gleichzeitig verweist die ÖHV auf höhere Löhne, neue Zuschläge und zusätzliche Leistungen für Beschäftigte.

Der Landtag Nordrhein-Westfalen hat einen FDP-Antrag gegen kommunale Verpackungssteuern abgelehnt. Umweltverbände begrüßen die Entscheidung, während der Bundesverband der Systemgastronomie zusätzliche Belastungen für Betriebe befürchtet.

Der DEHOGA Baden-Württemberg bewertet den neuen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU teilweise positiv. Der Verband sieht Fortschritte bei Tourismus, Ausbildung und Bürokratieabbau, kritisiert jedoch fehlende Aussagen zu kommunalen Abgaben und zur Meisterprämie im Gastgewerbe.

Die steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro, die Unternehmen an ihre Beschäftigten zahlen können, kommt vorerst nicht. Der Bundesrat stimmte dem vom Bundestag bereits beschlossenen Gesetzentwurf überraschend nicht zu.

McDonald's Deutschland setzt das Format Burger Dialog fort. In Kooperation mit dem Musiker Eko Fresh und Vertretern aus der Bundespolitik thematisiert das Unternehmen zum Auftakt der neuen Runde das Ehrenamt und gesellschaftliches Engagement.

Die Gewerkschaft NGG droht in Hessen mit den "größten Streiks, die diese Branche in der Bundesrepublik jemals erlebt" habe. Vorabankündigungen wie bei der Bahn werde es laut NGG nicht geben.

Ein Pariser Gericht hat eine Immobiliengesellschaft zu einer Geldstrafe von 585.000 Euro verurteilt, weil ein Gebäude im 9. Arrondissement ohne Genehmigung in Touristenunterkünfte umgewandelt wurde. Wie die Stadt Paris laut Mitteilung erklärte, handelt es sich um die bislang höchste verhängte Strafe in einem solchen Fall.

Die Bundesregierung plant die Einführung einer «Zuckerabgabe». Zur Konsolidierung des Haushalts ist daneben eine Erhöhung der Alkohol- und Tabaksteuer sowie der Abbau von Finanzhilfen geplant, wie es aus Kreisen des Finanzministeriums hieß. 

Mehr Transparenz auf der Speisekarte – oder mehr Bürokratie in der Küche? Die geplante Tierhaltungskennzeichnung spaltet die Branche. Zwischen politischem Anspruch und betrieblicher Realität geht es um mehr als nur ein Label. Ein Kommentar von Marc Schnerr.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Rheinland-Pfalz ist gegen die Einführung einer Bettensteuer. Der Verband plädiert dagegen für einen zweckgebundenen Gästebeitrag.