DRV-Blitzumfrage: Tourismusbranche stellt Politik schlechtes Zeugnis aus

| Politik Politik

Eine Blitz-Umfrage des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rund um das Thema Restart führt zu schlechten Noten für die Politik. Kritisiert werden insbesondere der zu langsame Impffortschritt, Quarantäne für Reiserückkehrer sowie nicht enden wollende Appelle der Politik, auf das Reisen zu verzichten. Rund 600 Mitgliedsunternehmen – Reisebüros, Reiseveranstalter und touristische Dienstleister – haben an der Umfrage Ende Februar teilgenommen.
 
Mit einem Anlaufen des Geschäfts zu Pfingsten respektive zum Sommer rechnet jeweils etwa ein Drittel aller Unternehmen. Einen Restart zu Ostern sehen nur wenige der teilnehmenden Unternehmen. Zehn Prozent der befragten Reisebüros und knapp neun Prozent der Reiseveranstalter sehen in diesem Jahr überhaupt keine Chance auf ein Anlaufen des Geschäfts.
 
Überwiegende Mehrheit rechnet mit maximal 50 Prozent des Umsatzes vor Corona
 
Rund 90 Prozent der Reisebüros und Reiseveranstalter rechnen in diesem Jahr mit maximal 50 Prozent des Umsatzes aus dem Vor-Corona-Jahr 2019; bei den touristischen Dienstleistern sind dies zwei Drittel. Die meisten Unternehmen erwarten Umsätze zwischen 25 und 50 Prozent im Vergleich zu 2019 – bei den Reisebüros knapp über 49 Prozent, bei den Reiseveranstaltern knapp 45 Prozent und bei den sonstigen 48 Prozent. Nur rund zwei Prozent aller Befragten erwarten für das laufende Jahr mehr als 75 Prozent des Umsatzes von 2019.

Sollen geimpfte Personen uneingeschränkt reisen können?

Die meisten der Befragten begrüßen, dass geimpfte Personen uneingeschränkt reisen können. Bei den Reisebüros, die an der Befragung teilgenommen haben, sind es mit 41 Prozent weniger als bei Reiseveranstaltern (51 Prozent) und den sonstigen Unternehmen (52 Prozent). Immerhin fast 12 Prozent der Reisebüros halten grundsätzlich gar nichts von dieser Idee; bei Reiseveranstaltern (7,2 Prozent) und den sonstigen Unternehmen (6,1 Prozent) sind es deutlich weniger.

Quarantäne nach dem Urlaub schreckt von Buchung ab

Über drei Viertel der Befragten nannten eine mögliche Quarantäne bei der Rückreise nach Deutschland als vorrangigsten Grund, keine Reise zu buchen – bei Reisebüros sogar 82 Prozent. Auch die Quarantäne im Zielgebiet und der insgesamt nicht planbare Verlauf der Pandemie mit immer neuen Wellen oder Virusvarianten und daraus resultierende neue Reisebestimmungen hemmen die Buchungsentscheidung der Kunden. 70 Prozent der befragten Reisebüros sehen die sich wiederholenden Appelle der Politik, auf Reisen zu verzichten, als gravierendes Buchungshemmnis.

Schnellere Impfungen haben größte Bedeutung für den Restart

Die Beschleunigung des Impfens ist für die Mehrheit der Befragten besonders wichtig, wenn es um eine Restart-Strategie des Tourismus geht – sowohl bei Reisebüros als auch bei Reiseveranstaltern und den übrigen Unternehmen der Branche jeweils knapp 80 Prozent der Nennungen. Es folgen in der Bedeutung eine positive Kommunikation der Politik in Sachen Reisen und die Abschaffung der Quarantäne bei Rückreise (außer bei Hochinzidenz- oder Virusvariantengebieten), die mit systematischen Tests von Reiserückkehrern einhergeht.

Zu den Ergebnissen der Blitz-Umfrage äußert sich DRV-Präsident Norbert Fiebig:

„Die Ergebnisse unserer Blitz-Umfrage zeigen, dass im Mittelpunkt der politischen Überlegungen jetzt Strategien stehen müssen, die internationale Mobilität schrittweise wieder zu ermöglichen. Dazu zählt die Beschleunigung des Impfens ebenso wie eine schlüssige Teststrategie. Die Politik muss mit ihren Appellen, auf das Reisen zu verzichten, aufhören. Das ist nicht nur für die Reisewirtschaft wichtig – das ist essentiell für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Nicht nur die gesamte Branche, sondern auch die Menschen brauchen klare und gut planbare Perspektiven. Organisierte Reisen sind nachweislich nicht Treiber der Pandemie – das sagen nicht wir, das sagt das RKI in einer aktuellen Studie. Diesen Erkenntnissen muss in den politischen Entscheidungen angemessen Rechnung getragen werden. Wir müssen überall da zur Normalität zurückkehren können, wo ein nachweislich geringes Infektionsrisiko besteht. Das muss sich jetzt in den politischen Entscheidungen wiederfinden. Der wirtschaftliche Schaden ist ansonsten kaum noch zu reparieren.

Die eingefahrenen Umsatzausfälle der vielen Reisebüros und Reiseveranstalter lassen sich schon jetzt nicht mehr ausgleichen. Daher ist klar, dass weitere Unterstützungshilfen der Bundesregierung über den Juni 2021 hinaus, kommen müssen. Wir verlieren sonst diese bisher noch sehr gut funktionierende, mittelständisch geprägte Infrastruktur der Reisewirtschaft – das darf nicht passieren!“


Zurück

Vielleicht auch interessant

Werden Arbeitnehmer in Deutschland zu oft krankgeschrieben? Ja, befand Kanzler Merz schon am Wochenende. Er bekam dafür auch Kritik zu hören. Doch er bleibt bei seiner Position.

Wegen des hohen Krankenstands in Deutschland nimmt Bundeskanzler Friedrich Merz erneut die telefonische Krankschreibung ins Visier. Darüber müsse man mit dem Koalitionspartner SPD sprechen, sagte der CDU-Chef.

Die Einführung des verpflichtenden staatlichen Tierwohllogos verzögert sich deutlich. Wie Union und SPD im Bundestag beschlossen haben, wird der Start der Kennzeichnungspflicht auf den 1. Januar 2027 verschoben. Diese zusätzliche Zeit soll genutzt werden, um das System grundlegend nachzubessern und bereits ab Mitte 2027 auch auf Restaurants, Kantinen und die allgemeine Gastronomie auszuweiten.

Die Pläne der SPD zur Neugestaltung der Erbschaft- und Schenkungsteuer stoßen bei Wirtschaftsverbänden auf deutliche Ablehnung. Sowohl der DEHOGA Bundesverband als auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände warnen vor massiven Folgen für den deutschen Mittelstand und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

Die erste Tarifrunde im hessischen Gastgewerbe endet ohne Ergebnis. Während die Gewerkschaft NGG das Arbeitgeberangebot als respektlosen Reallohnverlust kritisiert, pocht der DEHOGA auf die notwendige Stabilisierung der Betriebe durch die Mehrwertsteuersenkung.

In Bad Kreuznach sind die Tarifverhandlungen für das rheinland-pfälzische Gastgewerbe vorerst ohne Einigung zu Ende gegangen. Der DEHOGA Rheinland-Pfalz reagierte auf das Scheitern der Gespräche mit deutlicher Kritik an der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Bundesernährungsminister Alois Rainer sieht angesichts der Teuerung bei Nahrungsmitteln keinen Raum für weitere Preisaufschläge etwa für mehr Tierwohl oder auf stark gezuckerte Getränke. «Das kann ich nicht verantworten», sagte Rainer.

Der DEHOGA und die Gewerkschaft NGG haben sich auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag für das baden-württembergische Gastgewerbe geeinigt. Die Übereinkunft umfasst eine Laufzeit bis zum 31. März 2028. Kern der Einigung ist eine schrittweise Erhöhung der Löhne und Gehälter in insgesamt drei Phasen.

Das neue Gesetz zur Modernisierung der Schwarzarbeitsbekämpfung ist in Kraft. Durch digitale Buchprüfungen und automatisierten Datenaustausch will der Zoll illegale Beschäftigung effizienter aufdecken. Während das Gastgewerbe auf weniger Bürokratie hofft, wachsen die Anforderungen an die Dokumentationspflichten der Betriebe.

Der Präsident der Österreichischen Hotelvereinigung übt deutliche Kritik an den Plänen des Finanzministers zur Preisprüfung in der heimischen Gastronomie. Er sieht die Verantwortung für die Inflation bei den hohen Energiekosten sowie staatlichen Abgaben.