Jahreskontingent für Westbalkanregelung 2025 erschöpft: Kritik an geplanter Halbierung

| Politik Politik

Das jährliche Kontingent für die sogenannte Westbalkanregelung für das Jahr 2025 ist ausgeschöpft. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) informierte Arbeitgeber über die Überschreitung des aktuell geltenden Kontingents von 50.000 Zustimmungen. Arbeitgeber, deren Anträge bis zum Erreichen der Obergrenze keine Zustimmung erhalten haben, erhalten nun Ablehnungen.

Aktuelle Kontingentsausschöpfung und neues Antragsverfahren

Die BA teilte mit, dass die Ausschöpfung des Jahreskontingents voraussichtlich Ende November 2025 erreicht wurde. Dies zieht Ablehnungen für noch offene Anträge nach sich, da aus rechtlichen Gründen keine weiteren Zustimmungen mehr erteilt werden dürfen.

Die Westbalkanregelung ermöglicht Staatsangehörigen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien die Beantragung eines Visums oder Aufenthaltstitels. Ziel der Regelung ist die Arbeitsaufnahme in Deutschland. Seit dem 1. Juni 2024 gilt das erhöhte Jahreskontingent von 50.000 Zustimmungen. Gleichzeitig wurde das Verfahren umgestellt: Arbeitgeber beantragen eine Vorabzustimmung bei der Bundesagentur für Arbeit, welche Antragsteller beim Visatermin in der deutschen Auslandsvertretung vorlegen müssen.

Die Anträge werden in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet. Aufgrund der hohen Nachfrage kommt es seit geraumer Zeit regelmäßig zur Ausschöpfung der monatlichen Kontingente, was bereits zu teils sehr langen Wartezeiten führt. Die Höhe der monatlichen Kontingente richtet sich nach der Zahl der verfügbaren Visatermine bei der Auslandsvertretung, um eine zeitnahe Terminwahrnehmung zu gewährleisten.

Folgen für abgelehnte Anträge und Ausblick auf 2026

Abgelehnte Anträge werden nicht automatisch in das Kontingent für das nächste Jahr übernommen. Arbeitgeber, die ihr Beschäftigungsvorhaben weiterverfolgen wollen, müssen eine neue Vorabzustimmungsanfrage stellen.

Eine neue Anfrage kann bereits im Dezember gestellt werden. Die Bearbeitung dieser Anträge findet jedoch frühestens ab dem 1. Januar 2026 statt, da das Kontingent erst dann wieder geöffnet wird.

Kritik an der geplanten Kontingent-Begrenzung

Das Gastgewerbe äußerte Bedenken hinsichtlich der politischen Pläne zur Begrenzung der Zustimmungen. Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD ist vereinbart, das jährliche Kontingent auf 25.000 Zustimmungen zu begrenzen.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hält diese geplante Halbierung angesichts der hohen Nachfrage von Unternehmen in Deutschland für nicht sachgerecht. Aus Sicht des DEHOGA sollte das Kontingent mindestens beibehalten, besser noch erhöht werden.

Der Verband argumentiert, dass die Regelung auf andere Herkunftsländer übertragen werden sollte. Im Gastgewerbe bestehe weiterhin ein Bedarf an motivierten Arbeitskräften, auch solchen ohne formale Qualifikation. Da Einreise und Verbleib nach der Westbalkanregelung einen existenzsichernden Arbeitsvertrag voraussetzen, seien Sorgen vor Zuwanderung in die Sozialsysteme unbegründet und wissenschaftlich widerlegt.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge kritisiert Forderungen nach einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags und warnt vor negativen Folgen für die Gleichstellung von Frauen.

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an.

Der DEHOGA setzt sich mit einer Kampagne für die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit ein. Durch eine Umstellung auf die Wochenarbeitszeit sollen Betriebe sowie deren Beschäftigte von mehr Flexibilität profitieren. Die Bundesregierung braucht der Verband allerdings nicht mehr zu überzeugen. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist längst in Planung.

Der CDU-Parteitag hat eine Steuer auf gezuckerte Getränke abgelehnt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will aber noch nicht aufgeben und hat jetzt andere Pläne.

Mehrkosten fürs Mitnehmen? Potsdam will dem Beispiel Tübingen folgen und eine Verpackungssteuer einführen. Die Wirtschaft befürchtet, dass es am Ende der Kunde zu spüren bekommt.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) knüpft die Unterstützung für den Digitalen Euro an klare Bedingungen. Für den Erfolg in Hotellerie und Gastronomie fordert der Verband Gebührenfreiheit bei Kleinbeträgen und feste Transaktionsgebühren statt prozentualer Kosten.

Knausern viele Wirte beim Lohn? Der Dehoga Bayern weist Vorwürfe der Gewerkschaft NGG entschieden zurück und betont, dass die Mehrwertsteuersenkung direkt in Lohnsteigerungen und Beschäftigungssicherung fließt.

85 Kilo pro Kopf: Frankreich isst deutlich mehr Fleisch als Deutschland. Jetzt ruft die Regierung zu weniger Konsum auf – aber um die genaue Formulierung gab es Streit.

Die Denkfabrik „Zukunft der Gastwelt“ fordert ein umfassendes Belastungsmoratorium für das Gastgewerbe. In ihrem Schreiben an Bundestagsabgeordnete werden Insolvenzen, wie die der Revo Hospitality Group, als strukturelles Branchenproblem dargestellt. Marc Schnerr beleuchtet in einem Kommentar, warum er diese Argumentation ein wenig einseitig findet.

Die Kommission zur Sozialstaatsreform plant eine Neuausrichtung der Einkommensanrechnung und eine Vereinfachung von Sozialleistungen. Der Branchenverband DEHOGA verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung für geringfügig Beschäftigte im Gastgewerbe und warnt vor möglichen Fehlanreizen für Schwarzarbeit.