Lockdown-Lockerungen ohne Thüringen?

| Politik Politik

Bei den Corona-Beratungen von Bund und Ländern sind Lockerungen für Regionen im Gespräch, in denen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 100 stabil unterschritten wird. Das geht aus einem aktualisierten Beschlussentwurf für die Gespräche der Länder-Regierungschefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch hervor. Das könnte bedeuten, dass sich die Thüringer wegen der nach wie vor hohen Infektionszahlen noch in Geduld üben müsste.

Mit 124,5 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tage wies der Freistaat auch am Mittwoch die bundesweit höchste Inzidenz auf. Thüringen ist damit das einzige Bundesland mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100. Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz und ihre Konsequenzen für Thüringen würden in einer Kabinettssitzung voraussichtlich am Donnerstag beraten, hieß es von Mitgliedern der Landesregierung.

Die derzeitige Corona-Verordnung gilt bis 14. März. Sie schreibt den Lockdown fort, hat aber Öffnungen an Schulen, von Friseursalons, Fahrschulen sowie Blumenläden, Gartencentern und Gärtnereien ermöglicht. Ob die Landesregierung an ihrem bisherigen Zeitplan festhält und eine neue Verordnung erst am 14. März in Kraft setzt, werde in den nächsten Tagen geklärt, hieß es.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte vor der Bund-Länder-Videokonferenz die Erwartung geäußert, dass sich die nächsten bundesweiten Schritte in der Corona-Pandemie nicht allein an Infektionswerten orientieren. «Ich möchte nicht nur über die Sieben-Tage-Inzidenz reden, über 35 oder 50 als entscheidende Größe», sagte Ramelow der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt.

Ramelow plädiert dafür, bei Entscheidungen auch Impfquoten, verstärkte Testmöglichkeiten sowie Krankenhauskapazitäten zur Versorgung von Infizierten zu berücksichtigen. Thüringen habe einen solchen Orientierungsrahmen bereits vor einigen Wochen vorgelegt, sagte er. Wirtschaft und Kultur hoffen darauf, dass Perspektiven aufgezeigt werden, wie es in den kommenden Wochen weitergeht.

CDU-Fraktionschef Mario Voigt erklärte, Impfungen und Schnelltests würden Spielraum für Öffnungen geben. «Dieser Spielraum muss nun genutzt werden - auch von der Thüringer Landesregierung.» Ihr warf Voigt erneut vor, bei der Pandemie-Bekämpfung versagt zu haben.

Nach dem Papier, das bei der Konferenz beraten wurde, könnte es eingeschränkte Öffnungen schon in Regionen geben, die stabil unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 liegen. Neben Termin-Shopping-Angeboten könnten dann Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten «für Besucher mit vorheriger Terminbuchung» geöffnet werden. Ebenso könnte dort «Individualsport alleine oder zu zweit und Sport in Gruppen von bis zu zehn Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich» erlaubt werden.

Kammern und Wirtschaftsverbände erwarteten nach dem wochenlangen Corona-Lockdown Erleichterungen. «Wir brauchen einen Kurswechsel mit einer schrittweisen branchenübergreifenden Öffnungsstrategie», erklärte der Präsident des Verbandes der Wirtschaft, Hartmut Koch. In einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammern unter 1100 Unternehmen bezeichneten 38 Prozent ihr Geschäft als schlecht - 32 Prozent waren es im Herbst 2020. Als besonders prekär gilt die Lage im Gastgewerbe und Einzelhandel. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigt die Pläne der schwarz-roten Koalition, die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Es sei zwar das Ende der telefonischen Krankschreibung vereinbart, nicht aber die Möglichkeit eines Attests per Video. 

Die Stadt Bamberg will die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen in weiten Teilen des Stadtgebiets künftig verhindern. Neue Bebauungspläne und Veränderungssperren sollen den Wohnungsmarkt langfristig schützen.

Mit den Worten „Die Minijobs bleiben“ hat sich CSU-Chef Markus Söder klar gegen eine Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung ausgesprochen. Seine Aussage erfolgt wenige Tage nach einem Brandbrief von Wirtschaftsverbänden und vor der für den Herbst angekündigten Entscheidung der Bundesregierung.

Eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden, darunter der DEHOGA, hat die Bundesregierung eindringlich davor gewarnt, Minijobs im Zuge der geplanten Sozial- und Rentenreformen faktisch abzuschaffen oder deutlich zu verteuern. In einem Brandbrief fordern sie den Erhalt der Minijobs in ihrer heutigen Form. 

Für die rund 80.000 Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe im Norden beginnen die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft NGG hat mit Forderungen nach einem Lohnplus von fast 6 Prozent vorgelegt.

Die staatlichen Wirtschaftshilfen während der Corona-Pandemie haben nach einer ZEW-Analyse zahlreiche Arbeitsplätze gesichert. Die zunächst befristete Mehrwertsteuersenkung für Speisen in der Gastronomie kam hingegen nicht so gut an bei den Forschern.

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen bald teurer werden – durch einen Aufschlag bei der Steuer. Das soll nicht nur dazu beitragen, den Haushalt zu sanieren.

Die Bundesärztekammer begrüßt die Pläne der Bundesregierung Alkohol, Tabak und gesüßte Getränke stärker zu besteuern - fordert aber noch weitergehende Schritte: Bei Alkohol greife die Beschränkung auf einzelne Produktgruppen wie Spirituosen oder Schaumwein zu kurz.

Mehr Ausgaben und höhere Schulden: Das sind Kernpunkte des Bundeshaushalts 2027. Finanzminister Lars Klingbeil schließt Milliardenlücken, muss dazu aber in eine Rücklage greifen. Zur Konsolidierung des Haushalts plant die Regierung zudem den Abbau von Finanzhilfen.

Branchenverbände sehen in den Koalitionsbeschlüssen ein Signal für den Fortbestand der Minijobs. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte die Entscheidung über den rentenpolitischen Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen jedoch erst für den Herbst an.