Lockerungen für Gastronomie und Hotels: Druck auf Berliner Senat steigt

| Politik Politik

Kurz vor einer wichtigen Sitzung am Dienstag wächst der Druck auf den Berliner Senat, nach monatelangen Corona-Beschränkungen Lockerungen auf breiter Front zu ermöglichen. Grund: Der Trend bei der Sieben-Tage-Inzidenz ist weiter rückläufig. Am Sonntag gab das Robert Koch-Institut (RKI) die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche mit 32,8 an. Zudem mehren sich schon seit Wochen Forderungen, schneller als bislang geplant mehr zu erlauben - nicht zuletzt aus der Wirtschaft.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur diskutierte der Senat bei einer Schalte am Freitag darüber, bei Fortsetzung des Trends ursprünglich für den 18. Juni geplante Öffnungen der Hotels sowie der Innenbereiche von Gaststätten um einige Tage vorzuziehen. Im Gespräch sind der 11. und 14. Juni, aber auch andere Termine.

Eine konkrete Vorlage dazu sollen die Staatssekretäre bis zur Senatssitzung am kommenden Dienstag vorlegen. Welche Öffnungsschritte zu welchen Terminen dann endgültig beschlossen werden, ist offen.

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja forderte den rot-rot-grünen Senat am Sonntag auf, rasche und weitgehende Öffnungen nicht zuletzt in der Gastronomie oder der Hotellerie zu erlauben. Es könne nicht sein, dass der rot-rot-grüne Senat den «Exit aus dem Lockdown» verschleppe, sagte Czaja der Deutschen Presse-Agentur.

«In einer derart angespannten gesellschaftlichen Stimmung, in der unzählige Menschen um ihre Existenz bangen und Angst und Verunsicherung den Alltag bestimmen, ist es fahrlässig, die Menschen im Ungewissen darüber zu lassen, wie es nun weitergeht», so Czaja. «Wir fordern den Senat auf, bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 umfassende Öffnungsschritte vorzunehmen.»

Konkret verlangt die FDP unter anderem, die Testpflicht bei der Außengastronomie abzuschaffen und auch die Innengastronomie zu öffnen - hier mit tagesaktuellem Test, Abstands- und Hygienekonzept sowie Kontaktdatenerhebung. Hotels sollen nach dem Willen der Liberalen ebenso in den Regelbetrieb zurückkehren dürfen wie Schulen oder Museen, Theater, Konzerthäuser. Außerdem fordern sie deutliche Lockerungen bei Veranstaltungen.

Der Senat berät an diesem Dienstag über Öffnungsschritte. Mitte Mai hatte er sich auf einen Stufenplan verständigt, der schrittweise Lockerungen im Sport-, Kultur- und Freizeitbereich, in der Gastronomie und Hotellerie, in Hochschulen und im Handel vorsieht. Angedacht waren Öffnungsschritte am 4. und dann am 18. Juni.

Touristische Übernachtungen in Hotels sollen demnach erst ab 18. Juni möglich sein - bei einer Belegung von maximal 50 Prozent. Zum gleichen Termin könnte die Gastronomie dem Plan zufolge ihre Innenräume öffnen, mit Personenbegrenzung, Reservierungs- und Testpflicht. Zuletzt deutete sich aber an, dass gerade diese Öffnungsschritte vorgezogen werden könnten.

Unterdessen lief ein Pilotprojekt zur Öffnung der Innengastronomie im Bezirk Mitte am Wochenende eher ernüchternd für beteiligte Wirte an. «Es ist noch Luft nach oben», sagte Jörn Peter Brinkmann von der «Ständigen Vertretung», einem der beteiligten acht Lokale, am Sonntag der dpa. Am Samstag habe er im Innenbereich gerade mal drei reservierte Tische gehabt. (Tageskarte berichtete)

«Das Problem: Das Projekt ist sehr kurzfristig gestartet. Erst am Freitagabend gab's grünes Licht», so Brinkmann. Um am Sonntag wollten bei blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein wohl viele Gäste eher draußen sitzen als drinnen, sagte er. Womöglich sei auch das Anmeldeprozedere zu kompliziert für manche Gäste.

Mit Hilfe des Pilotprojekts soll nach den Worten von Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) eine Perspektive für die flächendeckende Öffnung der Innengastronomie während der Pandemie entwickelt werden. Es soll bis 18. Juni laufen und danach wissenschaftlich ausgewertet werden.

Gäste, die mitmachen wollen, müssen einen Schnelltest kaufen und einen Tisch beim Restaurant ihrer Wahl reservieren. Von dort erhalten sie einen kostenlosen Registrierungscode für die Handy-App des Coronatest-Portals Homedx.de. Dann müssen sie ihren Personalausweis sowie den Ablauf des Tests filmen und hochladen. Fachleute prüfen anschließend Identität und ordnungsgemäße Durchführung des Tests. Fällt er negativ aus, wird ein fälschungssicheres Zertifikat auf das Handy geschickt - als Eintrittskarte ins Restaurant.

Freiluftgastronomie ist seit gut einer Woche wieder möglich. Laut einer Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sind die meisten Berliner Wirte enttäuscht über den Start zu Pfingsten. Rund 68 Prozent der befragten Gastronomen berichteten, ihre Erwartungen seien nicht erfüllt worden. Etwa ein Drittel (30,9 Prozent) hatte die neuen Möglichkeiten erst gar nicht genutzt: Weil es ihnen nicht kostendeckend erschien oder sie die Kontrolle der für einen Besuch notwendigen negativen Corona-Tests nicht organisieren konnten. Trotz der ersten Enttäuschung wolle eine große Mehrheit (91,8 Prozent) der Wirte in Zukunft Außenbereiche öffnen, so die Dehoga.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Sekt oder Bier bei der Konfirmationsfeier oder der Jugendweihe: Das war seit Generationen üblich. Doch die Gefahren durch Alkohol werden inzwischen viel ernster genommen. Der Gesetzgeber reagiert.

Seit dem 12. August gelten erste Vorgaben der europäischen Verpackungsverordnung PPWR verbindlich. Für Hotels und Gastronomiebetriebe kann die eigene Marke auf Verpackungen zusätzliche Verantwortlichkeiten auslösen.

Deutschlands Arbeitgeber pochen auf eine Arbeitszeit-Reform. Sie wollen - aus ihrer Sicht endlich - eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Der DGB warnt vor einem Rückfall ins 19. Jahrhundert.

Höhere Steuern und damit höhere Preise für Brot, Butter und Obst: Darauf zielt ein Vorschlag von Ökonom Clemens Fuest. Er will Einheitlichkeit bei der Mehrwertsteuer und im Gegenzug manche entlasten.

Ab 2027 plant Duisburg die Einführung einer Bettensteuer von drei Euro pro Nacht. Während die Stadt mit Einnahmen zur Haushaltskonsolidierung rechnet, kritisiert die Hotelbranche den zusätzlichen Aufwand und warnt vor Abwanderungseffekten.

Die Europäische Kommission will Mitgliedstaaten und Kommunen mit dem geplanten Affordable Housing Act zusätzliche Instrumente gegen Wohnungsdruck an die Hand geben. Ein Schwerpunkt des Vorhabens sind Maßnahmen im Zusammenhang mit Kurzzeitvermietungen wie Airbnb.

Die geplante stärkere Besteuerung alkoholischer Getränke stößt einer Umfrage zufolge bei einer großen Mehrheit der Bürger auf Zustimmung. Knapp zwei Drittel gaben in der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa an, dass sie diesen Vorstoß der Bundesregierung für sinnvoll halten.

Die Bundesregierung plant, die Mittel für die Tourismusförderung im Bundeshaushalt 2027 um 449.000 Euro zu reduzieren. Die Grünen kritisieren die Kürzung und fordern Änderungen im weiteren Haushaltsverfahren.

Was steht oben, wenn Nutzer WM-Spiele, Hotels oder Routen googeln? Zu oft nur Googles eigene Angebote, urteilt Brüssel. Die Millionenstrafe könnte US-Präsident Donald Trump verärgern. Der Hotelverband freut sich, dass die Kommission Zähne zeige.

Die EU hat den Weg für die Destillation von Rot- und Roséweinen freigemacht. Damit kann aus Wein Industriealkohol werden. Der wird unter anderem für Reinigungsmittel verwendet.