Mittelstand fordert schnellere Reformen und niedrigere Kosten

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Der deutsche Mittelstand sieht weiterhin keinen wirtschaftlichen Aufschwung und fordert von der Bundesregierung schnellere Strukturreformen und spürbare Entlastungen. Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand (AG Mittelstand) bewertet die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen erneut mit minus 2 auf einer Skala von minus 3 bis plus 3. Damit bleibt die Einschätzung unverändert gegenüber dem Vorjahr.

Der Zusammenschluss von zehn Wirtschaftsverbänden stellte am 3. November 2026 seinen dritten Mittelstandsmonitor (PDF) vor. Die Verbände verweisen auf hohe Arbeits- und Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten und Investitionshemmnisse. Sie verlangen unter anderem eine Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen auf das europäische Mindestmaß, steuerliche Investitionsanreize und einen konsequenteren Bürokratieabbau.

Zugleich kritisiert die AG Mittelstand geplante zusätzliche Belastungen. Dazu zählt sie die vorgesehene Erhöhung der Arbeitgeberabgaben bei Minijobs, neue Anforderungen durch die EU-Verpackungsverordnung und zusätzliche Steuern. Angekündigte Reformen müssten zügig umgesetzt werden und bei den Unternehmen ankommen.

Hohe Arbeitskosten erschweren die Gewinnung neuer Fachkräfte

Bei den Arbeitskosten sieht die Arbeitsgemeinschaft einen wesentlichen Wettbewerbsnachteil. Diese hätten 2025 in Deutschland durchschnittlich 45 Euro je Stunde betragen und damit rund 29 Prozent über dem EU-Durchschnitt gelegen. Als wesentlichen Kostentreiber nennen die Verbände die hohen Sozialversicherungsbeiträge.

Gefordert werden flexiblere Arbeitszeitregelungen, darunter die Einführung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Außerdem solle die duale Berufsausbildung gestärkt, vorhandenes Arbeitskräftepotenzial besser genutzt und die Gewinnung internationaler Fachkräfte erleichtert werden. Auch die Gründungsbereitschaft junger Menschen müsse nach Auffassung der Verbände steigen.

Investitionsstau bei Verkehrswegen belastet Unternehmen und Kommunen

Auch bei der Infrastruktur sieht die AG Mittelstand erheblichen Handlungsbedarf. Der Sanierungsstau bei Straßen, Schienen und Wasserstraßen beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Erste Auswirkungen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität seien zwar sichtbar, reichten aber nicht aus.

Die Verbände fordern, die Mittel konsequent für zusätzliche Investitionen einzusetzen. Dazu gehörten eine langfristig gesicherte Finanzierung, die Modernisierung der Verkehrswege und bessere Verbindungen zwischen Straße, Schiene und Wasserwegen. Zudem müssten Planungs-, Genehmigungs- und Umsetzungsverfahren beschleunigt werden. Mit Sorge verweisen die Wirtschaftsverbände außerdem auf die angespannte Finanzlage der Kommunen.

Steigende Energiekosten führen zu aufgeschobenen Investitionen

Die Energiekosten wirken sich nach Darstellung der Arbeitsgemeinschaft bereits auf die Investitionsentscheidungen der Unternehmen aus. Bei knapp der Hälfte seien die ohnehin hohen Energiekosten weiter gestiegen. Zwei Drittel müssten höhere Wärmekosten verkraften.

Die Folgen beziffern die Verbände ebenfalls: Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebe Investitionen, etwa jedes fünfte prüfe eine Verlagerung von Aktivitäten ins Ausland. Neben einer niedrigeren Stromsteuer verlangen sie eine Begrenzung staatlich verursachter Energiekosten und schnellere Netzanschlüsse.

Darüber hinaus sprechen sich die Verbände dafür aus, Unternehmen vor einseitigen CO₂-Kosten im internationalen Wettbewerb zu schützen. Kostenlose Zertifikate zur Emissionsberechtigung sollten so lange erhalten bleiben, bis die notwendige Infrastruktur für die Dekarbonisierung bereitstehe.

Bürokratie verursacht jährlich Kosten von 65,3 Milliarden Euro

Beim Bürokratieabbau erkennt die AG Mittelstand die bisherigen Bemühungen der Bundesregierung und das geplante Berichtsentlastungsgesetz an. Die Belastung bleibe jedoch hoch: Die jährlichen Bürokratiekosten beziffern die Verbände auf 65,3 Milliarden Euro.

Berichts-, Dokumentations- und Nachweispflichten müssten reduziert, Verwaltungsverfahren digitalisiert und beschleunigt werden. Neue Vorgaben dürften nicht zu zusätzlichen Belastungen führen, ohne dass bestehende Pflichten entfielen. Bei der Umsetzung europäischer Vorgaben wenden sich die Verbände zudem gegen zusätzliche nationale Verschärfungen, das sogenannte Goldplating.

Auch die Bankenregulierung sprechen sie an. Das Proportionalitätsprinzip müsse konsequenter umgesetzt werden, um die Finanzierung des Mittelstands nicht zu gefährden. Ein europäischer Einlagensicherungsmechanismus dürfe nach ihrer Forderung die bestehenden Sicherungssysteme der Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen nicht beeinträchtigen.

Unternehmenssteuerreform soll Belastung auf 25 Prozent begrenzen

Bei der Steuerpolitik verlangen die Wirtschaftsverbände eine grundlegende Reform der Unternehmensbesteuerung. Die Gesamtbelastung auf Gesellschaftsebene solle auf höchstens 25 Prozent sinken. Auch mittelständische Personenunternehmen benötigten spürbare Entlastungen.

Mehr als 75 Prozent der mittelständischen Betriebe seien Personenunternehmen, deren zentrale Unternehmenssteuer die Einkommensteuer sei. Die Verbände kritisieren deshalb die hohe Belastung durch den Spitzensteuersatz und fordern Nachbesserungen bei der Thesaurierungsbegünstigung. Auch die Rechtsformneutralität müsse berücksichtigt werden.

Von den steuerlichen Belastungen seien nach Darstellung der AG Mittelstand unter anderem Freiberufler, Kanzleien, Praxen, Gastronomie und Händler betroffen. Zusätzlich verlangen die Verbände eine regelmäßige automatische Anpassung der Eckwerte des Einkommensteuertarifs an die Inflation, um die sogenannte kalte Progression auszugleichen.

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