Nationale Tourismusstrategie - Gewerkschaften kündigen Widerstand gegen Reform des Arbeitszeitgesetzes an

| Politik Politik

Die Bundesregierung plant eine grundlegende Überarbeitung der Arbeitszeitvorgaben in Deutschland und kündigten das mit Veröffentlichung der Nationalen Tourismusstrategie an. Die Gewerkschaften hingegen befürchten eine zunehmende Belastung der Beschäftigten und drohen mit Arbeitskämpfen. Das Bundeswirtschaftsministerium strebt eine Flexibilisierung an, um insbesondere Branchen wie den Tourismus und die Gastronomie zu entlasten. Die Gewerkschaften hingegen befürchten eine zunehmende Belastung der Beschäftigten und drohen mit Arbeitskämpfen.

Umstellung auf wöchentliche Höchstarbeitszeit geplant

Kern der geplanten Neuregelung ist der Übergang von einer täglichen hin zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Laut Christoph Ploß, dem Koordinator für Maritime Wirtschaft und Tourismus, soll dieses Vorhaben noch im laufenden Jahr gesetzlich verankert werden. Die Bundesregierung verspricht sich davon vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen in der Tourismusbranche und im Gastgewerbe Vorteile, da dort unregelmäßige Arbeitszeiten zum Betriebsalltag gehören. Branchenverbände setzen sich bereits seit längerer Zeit für eine solche Lockerung der gesetzlichen Rahmenbedingungen ein.

Umfrage belegt Wunsch nach Flexibilität

Eine aktuelle repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände stützt das Vorhaben der Regierung. Demnach befürwortet eine Mehrheit von 66 Prozent der abhängig Beschäftigten die Abkehr von der starren täglichen Obergrenze. Selbst unter den Gewerkschaftsmitgliedern liegt die Zustimmung bei knapp 59 Prozent. Lediglich 27 Prozent der Befragten sprechen sich für die Beibehaltung der aktuellen Regelung aus. Befürworter sehen in der wöchentlichen Begrenzung vor allem Vorteile bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, da Arbeitszeiten individueller verteilt werden könnten.

Massive Kritik und Streikdrohungen der Arbeitnehmervertreter

Trotz der Umfrageergebnisse kritisieren die Gewerkschaftsführungen das Vorhaben als Gefahr für die Gesundheit. Frank Werneke, Bundesvorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, bezeichnete die Pläne gegenüber der Bild-Zeitung als riskant für die Beschäftigten. Werneke sagte: „Durch die Pläne der Bundesregierung würde den Arbeitgebern gesetzlich ein Freibrief ausgestellt, um aus jetzt schon immer stärker belasteten und überlasteten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern das Letzte rauszuholen, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Beschäftigten.“ Er betonte zudem die Kampfbereitschaft der Gewerkschaft: „Wir sind bereit, für den Erhalt des Arbeitszeitgesetzes zu kämpfen, in den Betrieben und auf der Straße.“

Sorge um soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerschutz

Unterstützung erhält Verdi von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Deren Bundesvorsitzender Robert Feiger warnt vor den Folgen für die soziale Stabilität. Feiger erklärte gegenüber der Bild-Zeitung: „Der Acht-Stunden-Tag ist kein Relikt vergangener Zeiten, sondern ein Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit.“ Wer an diesem System rüttele, riskiere laut Feiger Chaos statt Fortschritt. Er sieht insbesondere Nachteile für jene Beschäftigte, die nicht durch Tarifverträge geschützt sind. „Für sie hieße das: längere Arbeitstage, weniger Erholung, mehr Druck“, so Feiger weiter.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Geräuschlos und ohne Nachtsitzung haben die Koalitionäre den Deckel auf ihr Reformpaket gemacht. An ihm hängt viel - für die Wirtschaft, den Bestand des Regierungsbündnisses und die Stimmung im Land.

Die Koalition will den Krankenstand in der Wirtschaft herunterbringen - mit höheren Anforderungen an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Das bringt nicht nur Ärztevertreter auf die Barrikaden.

Die Umgestaltung der Rente in Deutschland ist zentral bei den Entscheidungen der Koalition. Offen sind aber noch mögliche Änderungen bei Minijobs. Merz kündigte an, über den rentenpolitischen Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen werde im Herbst entschieden. Der DEHOGA Bayern sieht die Minijobs bereits als gesichert.

Die Spitzen von Union und SPD haben sich nach langem Ringen im Koalitionsausschuss auf ein Reformpaket für wirtschaftliches Wachstum und soziale Sicherheit verständigt. 

Mit einem Appell zum Kauf heimischer Weine und einem neuen Förderprogramm reagiert Baden-Württemberg auf die angespannte Lage im Weinbau. Ministerpräsident Cem Özdemir warnt vor den Folgen für Kulturlandschaft und Tourismus, während die Landesregierung zusätzliche Hilfen für die Betriebe auf den Weg bringt.

Nur Barzahlung möglich? Das mögen die Finanzminister von Bund und Ländern gar nicht. Schon bald könnte damit Schluss sein. Das Bundesfinanzministerium will bald neue Gesetze zur Bekämpfung von Steuerbetrug vorlegen.

Die Bundesregierung will statt einer Abgabe nun doch eine Zuckersteuer auf Getränke wie Limonaden und Colas erheben. Grund für den Schwenk sind offenbar verfassungsrechtliche Bedenken.

Über die Renten-Reform besteht weitgehend Einigkeit. Die Bewährungsprobe für die neue Harmonie in der schwarz-roten Regierung steht aber noch bevor - ab Mittwoch im Koalitionsausschuss. Was geplant ist, bei Tageskarte lesen.

Der Bundesverband der Systemgastronomie hat auf seiner Mitgliederversammlung in Berlin Milliardeninvestitionen und Tausende neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Zugleich verband der Verband diese Pläne mit Forderungen nach weniger Bürokratie und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen.

Die Stadt München sieht trotz freiwilliger Vereinbarungen keine spürbare Entlastung im Univiertel. Oberbürgermeister Dominik Krause kündigt an, bei ausbleibender Verbesserung das Verkaufsverbot für Flaschenbier bereits ab 22 Uhr wieder einzuführen.