Neues Weingesetz soll mehr Klarheit auf die Flasche bringen

| Politik Politik

Die deutschen Winzer machen es Weintrinkern nicht einfach, die Qualität eines guten Tropfens richtig einschätzen zu können. Unterschiedliche Traditionen und Marketing-Konzepte haben auf den Etiketten ein heilloses Durcheinander von Bezeichnungen und Informationen verursacht. «Das Problem ist, dass praktisch jeder nach seinem eigenen Regelwerk arbeitet», sagt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). «Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern führt das zur Verwirrung.» Mehr Klarheit soll ein neues Weingesetz bringen, das Klöckner Anfang kommenden Jahres dem Kabinett vorlegen will.

Das deutsche Weinrecht stellte bislang die Angabe der Rebsorten in den Mittelpunkt, oft verbunden mit Jahrgang und dem Namen der Weinbergslage. In Frankreich, Italien oder Spanien steht hingegen die Herkunftsangabe im Zentrum - für Weine mit höherem Qualitätsanspruch wird die genaue Lage genannt, für Landweine wird allenfalls die Region genannt. Das Weinrecht der EU orientiert sich am romanischen Weinrecht, das Herkunftsangaben mit einem Qualitätsversprechen verbindet.

«Herkunft ist weit mehr als eine geografische Angabe», betont Bundesministerin Klöckner. «Herkunft im Sinne einer geschützten Herkunft ist ein Gesamtpaket aus Boden, Klima, Umwelt, Anbaumethode, Rebsorte, Weinbereitungs- und -ausbauverfahren sowie vielem mehr. All diese Faktoren machen den jeweiligen Wein aus, verleihen ihm seinen Charakter und Geschmack.»

Je enger die Herkunftsangabe, desto höher die Qualität - das ist die Grundidee der Reform. Das als «Terroir» bezeichnete Prinzip der Herkunft in Verbindung mit Qualitätsanforderungen ist bereits Grundlage für die Einstufung von Weinen im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), dem rund 200 der insgesamt mehr als 15 000 Betriebe angehören. Bisherige Prädikate wie Spätlese oder Eiswein sollen als «traditionelle Begriffe» weiterhin erhalten bleiben.

«Für uns ist der Lagenwein das Herzstück», sagt Ingo Steitz, Präsident des Weinbauverbands in Rheinhessen, dem größten der 13 deutschen Anbaugebiete. «Das soll das Top-Produkt sein, von der Menge her eher gering, aber mit hohem Anspruch.»

Winzer mit größeren Flächen oder Genossenschaften sehen die Zuspitzung auf Lagenweine allerdings kritisch. Der Fokus auf die 2600 Einzellagen in Deutschland orientiere sich zu sehr auf eine kleine Gruppe kaufkräftiger und überdurchschnittlich informierter Weintrinker, sagt der Geschäftsführer der Weinbiet Manufaktur in Neustadt an der Weinstraße, Bastian Klohr. «Die Kaufentscheidung ist sehr stark preisgetrieben», erklärt der Winzer, der sich in seiner Promotionsarbeit mit Kaufentscheidungen beim Wein beschäftigt hat. «Danach folgen Rebsorte, Geschmacksangabe und Anbaugebiet.»

Bei der Neufassung des Gesetzes gehe es ihr auch darum, neue Vermarktungsperspektiven für die Winzer in Deutschland zu eröffnen und die Marktanteile für deutsche Weine auszubauen, erklärt Klöckner.

Daher müsse die Umsetzung der Reform von entsprechenden Marketing-Maßnahmen begleitet werden.

Das Deutsche Weininstitut hat bereits eine neue Werbekampagne gestartet, die das Herkunftsprinzip und das damit vorhandene Qualitätsversprechen aufgreift. Damit solle «die geplante Profilierung der Regionen, die von der EU als geschützte Ursprungsbezeichnungen anerkannt sind, von Beginn an unterstützt» werden, erklärt ein Sprecher des Weininstituts. «Am Ende wird eine möglichst einheitliche und für den Verbraucher verständliche Umsetzung des neu geschaffenen Rechtsrahmens entscheidend sein.»

In Vino Veritas? Von wegen. «Es gibt verschiedene Wahrheiten in diesem Markt», sagt Klohr. «Ich bin aber guter Dinge, dass die Ministerin im neuen Weingesetz alle Positionen berücksichtigen wird.» Ministerin Klöckner will, «dass alle Erzeugergruppen gleichermaßen von der Überarbeitung des Weingesetzes profitieren - ob Fassweinerzeuger, Selbstvermarkter, Genossenschaften oder Kellereien. Dafür ist ein einheitlicher Rechtsrahmen entscheidend.»

(dpa)

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Europäische Parlament hat neue Regeln für Pauschalreisen beschlossen. Während der Deutsche Reiseverband die Sachlage im Vorfeld überwiegend positiv bewertet, sieht die Hotellerie noch offene Fragen bei einzelnen Vorgaben der Richtlinie.

Weniger Bürokratie, längere Öffnungszeiten: Ein neues Gesetz soll Berlins Gastronomie entlasten und den Service für Gäste verbessern. Was sich für Betreiber und Besucher ändern könnte.

Berliner Restaurants, Cafés und Kneipen sollen ihre Gäste in Zukunft länger auch vor der Türe bedienen dürfen. Das steht im Entwurf eines Gaststättengesetzes, den der Senat auf den Weg brachte.

Fernsehen, Spitzenküche - und jetzt auch noch Kommunalpolitik für Alexander Herrmann? Die Wählerinnen und Wähler im oberfränkischen Landkreis Kulmbach haben entschieden.

Das neue Tariftreuegesetz trifft die Hotellerie im Kern: Zimmerkontingente und Tagungen für den Bund hängen künftig an strikten Tarifvorgaben. Der Dehoga warnt trotz Nachbesserungen vor einem enormen Prüfaufwand für die Betriebe.

Unter welchen Namen dürfen Burger und Schnitzel ohne Fleisch in der EU verkauft werden? Nach viel Wirbel gibt es eine Einigung. Komplett glücklich ist der deutsche Minister damit nicht.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger spricht sich für einen Karenztag bei Krankheit aus. Lohn soll es dann erst ab dem zweiten Krankheitstag geben. Was er sich davon verspricht.

Eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden fordert in einem Brandbrief den Stopp der Potsdamer Verpackungssteuer. Sie warnen vor Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent und bezweifeln den ökologischen Nutzen der Abgabe.

Der Landtag von Baden-Württemberg hat den Weg für die Rückerstattung von Corona-Soforthilfen frei gemacht. Wer vor dem 8. April 2020 Anträge stellte und bereits Geld zurückgezahlt hat, erhält dieses nun inklusive Zinsen zurück – allerdings erst nach einem noch einzurichtenden Antragsverfahren.

Mit Anwälten und Abmahnungen kämpfen die Oktoberfestwirte gegen den illegalen Weiterverkauf von Tischreservierungen. Nachdem erste Urteile gegen horrende Preise gefallen sind, warnen Stadt und Wirte nun gemeinsam: Gültig sind nur Original-Reservierungen.