Politik und Wirtschaft werben verstärkt für Corona-Impfungen

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Die Bundesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber appellieren verstärkt an alle Bürger, Corona-Impfungen wahrzunehmen - auch zum Schutz vor der ansteckenderen Delta-Virusvariante. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen in Beratungen der CDU-Spitze, man müsse bei der Impfquote Richtung 80 Prozent kommen. Vor allem ungeimpfte Kinder würden im Herbst noch verwundbar sein. Diskutiert wird auch über mehr Angebote und Anreize, Impfwillige zu motivieren. Bußgelder für achtlos «geschwänzte» Termine soll es nicht geben.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: «Impftermine sind wertvoll. Es ist wichtig, dass sie auch genutzt werden.» Wer Termine nicht einhalten könne, solle sie absagen, auch aus Achtsamkeit vor dem Einsatz der Mitarbeiter in Praxen und Impfzentren. Seibert betonte generell: «Nehmen Sie diese Angebote wahr – Sie schützen sich nicht nur selbst vor einer potenziell schweren Krankheit (…), Sie schützen auch uns alle.» Dies gelte ebenso für die wichtigen zweiten Impfungen. Wegen der nun niedrigen Neuinfektionszahlen dürfe man sich nicht der Illusion hingeben, sich als nicht mehr gefährdet zu sehen.

Inzwischen haben laut Bundesgesundheitsministerium knapp 47 Millionen Menschen oder 56,5 Prozent der gesamten Bevölkerung mindestens eine erste Impfung erhalten. Vollständig mit der meist nötigen zweiten Spritze geimpft sind 32,4 Millionen Bürger oder 38,9 Prozent aller Einwohner. Ressortchef Jens Spahn (CDU) erläuterte, von den Erwachsenen seien 68 Prozent mindestens einmal geimpft. Im Vergleich der Länder liegt den Angaben zufolge bei den Erstimpfungen Bremen mit 64,8 Prozent der Einwohner vorn. Unter der 50-Prozent-Marke liegt hierbei mittlerweile nur noch Sachsen mit 48,4 Prozent.

Spahn sagte nach Teilnehmerangaben im CDU-Präsidium, es laufe gut beim Impfen, das Tempo nehme aber ab. In den Impfzentren seien die Termine nicht gleich weg, sondern durchaus eine Weile verfügbar. Er sprach sich dafür aus, Impfangebote auch mit Aktivitäten der Menschen zu verbinden, etwa Stadionbesuchen. Möglichen Bußgeldern für achtlos ungenutzte Termine, über die am Wochenende diskutiert worden war, erteilte das Ministerium eine Absage. Es gelte, Bürger zu motivieren und sie nicht abzuschrecken. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass es sich um ein größeres Phänomen handele, sagte eine Sprecherin.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und DGB-Chef Reiner Hoffmann warben gemeinsam für Schutzimpfungen, die «der Königsweg aus der Pandemie» seien. Wo immer möglich sollten Arbeitgeber ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern betriebliche Impfungen anbieten. «Gleichzeitig appellieren wir an die Beschäftigten, die Impf- und Testangebote anzunehmen.» Dulger und Hoffmann äußerten die Sorge, dass Erreichtes verspielt werde. Sie seien aber zuversichtlich, «dass wir mit einer gemeinsamen Anstrengung der nationalen Impfkampagne zum Erfolg verhelfen und ein hohes Schutzniveau erreichen können». FDP-Chef Christian Lindner sprach sich für «positive Anreize» für Corona-Impfungen wie Gratis-Eintritt in Museen aus.

Mit Blick auf den Schulstart nach den Sommerferien richten sich auch Erwartungen auf mehr Impfungen bei Kindern. SPD-Chefin Saskia Esken sagte der «Rheinischen Post» (Montag), sie hoffe, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) «ihre eingeschränkte Impf-Empfehlung für Jugendliche bald überdenkt». Stiko-Mitglied Martin Terhardt sagte auf dpa-Anfrage, man beobachte die Datenlage täglich und werde «gerade zu diesem Thema sicher schnell reagieren», wenn es deutliche Änderungen gebe. Bisherige Daten lieferten noch keine ausreichenden Beweise für die Sicherheit des Impfstoffs in der Altersgruppe.

Die Stiko hat vorerst keine generelle Impfempfehlung für Kinder ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas. Unabhängig davon sind Impfungen aber als individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärztinnen und Ärzten möglich. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, forderte ein baldiges Ende aller Corona-Maßnahmen für vollständig Geimpfte. Spätestens im September werde für jeden Impfwilligen ein Impfangebot verfügbar sein. «Dann müssen eigentlich nahezu alle Corona-Maßnahmen weg», sagte er der «Bild»-Zeitung. Dies sei auch wichtig, um die Impfmoral hochzuhalten. «Mancher wird sich sonst fragen: Warum sollte ich mich impfen lassen, vielleicht zwei Tage Kopfweh oder andere Impfnebenwirkungen in Kauf nehmen und etwas für die Herdenimmunität tun, wenn ich weiterhin Maske tragen muss, nur weil sich 20 bis 30 Prozent der Leute weigern.» (dpa)


 

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