Reiseverband DRV: Deutsche wollen trotz Unsicherheiten 2023 reisen

| Politik Politik

Die Reisewirtschaft ist auf Erholungskurs – aber noch nicht über den Berg – so lässt sich die aktuelle Situation der Reisewirtschaft zusammenfassen. Auf dem Hauptstadtkongress des Deutschen Reiseverbandes (DRV) mahnt der Präsident Norbert Fiebig einen verlässlichen Kurs der Politik an: „Die Reiselust der Deutschen ist da – der Sommer und auch der Herbst laufen. Aber Inflation und explodierende Energiepreise sind Gift – für die Volkswirtschaft und für uns als Reisewirtschaft. Die Bundesregierung muss dafür Sorge tragen, dass Energie und Mobilität auch für Durchschnittsverdiener bezahlbar bleibt, sonst rutschen wir von der einen in die nächste Krise.“

Zuversichtlich zeigt sich Fiebig dennoch, was das kommende Jahr betrifft: „Ich bin sicher, wenn Geld da ist, wird auch gereist werden und die Deutschen werden auch 2023 ihre Urlaubspläne verwirklichen.“ Von der Politik fordert er zusätzliche Maßnahmen zur Stimulierung der Konsumnachfrage: „Der Wille zu Reisen ist da – die Politik darf die Nachfrage nicht abwürgen.“ Aber auch die Reisewirtschaft dürfe die Augen nicht vor den aktuellen Entwicklungen verschließen: „Steigende Kosten werden trotz aller Bemühungen der Reiseveranstalter teilweise zu steigenden Preisen führen, da geht perspektivisch kein Weg dran vorbei.“

Reisewirtschaft bekennt sich zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit

In Sachen Klimaschutz sieht der DRV-Präsident die Reisewirtschaft in der Pflicht und auf einem guten Weg. Die immer schneller voranschreitende Erderwärmung müsse zusätzlicher Ansporn sein. „Der Wettbewerb der Zukunft wird der Wettbewerb um das Vertrauen der Kunden sein – und dabei spielt der Klimaschutz eine immer gewichtigere Rolle“, so Fiebig. „Die Reisewirtschaft hat die Weichen hin zu mehr Klimaschutz gestellt. Jetzt müssen wir die Reisenden noch stärker mitnehmen und sensibilisieren.“ Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes sehen 80 Prozent der Reisebüros und Reiseveranstalter bisher nach wie vor keine pro-aktive Nachfrage nach klimaschonenden, nachhaltigen Reisen.

„Aber“, betont der Verbandspräsident, „Klimaschutz geht nur mit unseren Kundinnen und Kunden. Ihnen müssen wir Instrumente an die Hand geben, um ihre Reisen im Sinne des Klimaschutzes zu buchen.“ Daher arbeite die Branche an einem einheitlichen Standard, der Transparenz in Sachen klimaschädlicher Emissionen schaffe: „Die einheitliche Kennzeichnung des Klimafußabdrucks von Reisen wird bei der Beratung und bei der Erstellung von Reiseangeboten hilfreich sein, um klimaschädliche Emissionen weiter zu reduzieren.“ Klar sei aber auch, ohne die schrittweise Reduzierung und final den Verzicht auf fossile Brennstoffe ist das Ziel der CO2-neutralen Mobilität nicht erreichbar. „Und dazu braucht es starke politische und auch finanzielle Commitments, faire Rahmenbedingungen ebenso wie internationale Schulterschlüsse“, so Fiebig.

Gleichzeitig stellt der DRV-Präsident die Rolle der Reisewirtschaft in Sachen Nachhaltigkeit und die soziale Verantwortung der Industrie heraus – auch in Richtung Politik: „Wir sind der mit Abstand schlag- und finanzkräftigste ‚Entwicklungshelfer‘. Tourismus ist der Jobmotor in Schwellen- und Entwicklungsländer.“ Der wirtschaftliche Effekt des Tourismusgeschäfts liege weit über den von allen Staaten der westlichen Welt bereitgestellten Entwicklungshilfegeldern. „Damit sind wir ein sehr starker Partner der Politik und das ist ein gutes Fundament – auch für die zuständigen politischen Entscheidungsträger.“ In diesem Zusammenhang mahnt Fiebig einen engeren Schulterschluss zwischen Wirtschafts- und Entwicklungsministerium an, denn gemeinsam mit der Reisewirtschaft könne man noch weit mehr erreichen.

Fachkräftemangel – Stellen können nicht besetzt werden

„Akut wie nie, ist der Arbeits- und Fachkräftemangel“, so der Verbandspräsident. Laut aktueller DRV-Umfrage haben über 70 Prozent der befragten Unternehmen der Reisewirtschaft Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. „Das ist umso dramatischer, als engagierte Fachkräfte der entscheidende Erfolgsfaktor unseres Geschäftes sind. Das entscheidet über unsere Zukunft.“ Wichtig sei zum einen die Abwanderung in andere Branchen umzukehren und zum anderen möglichst viele der aus demografischen Gründen immer geringer werdenden Anzahl junger Talente für die Reisewirtschaft zu gewinnen. Hierzu startet der DRV als Kooperationspartner die speziell für den Tourismus konzipierte Recruiting- und Employer-Branding-Lösung „easyboarding“, die gezielt Unternehmen und Arbeitskräfte der Reisewirtschaft zusammenbringen will.

„Wir haben es in der Hand und wir müssen neue Wege gehen – offensiv und progressiv. Der Tourismus ist und bleibt weltweit eine der stärksten Branchen – mit viel Wachstumspotenzial.“ Darüber hinaus weist DRV-Präsident Fiebig nachdrücklich darauf hin, dass die Branche ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln müsse. „Der Erfolg aller Player im Markt hängt immer stärker auch von deren Innovationskraft ab. Dies insbesondere in Hinblick auf die konsequente Nutzung aller digitalen Möglichkeiten, die den Geschäftserfolg sinnvoll absichern und stärken. Und nur als moderne und innovative Arbeitgeber erreichen wir auch die Jugend.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat einen Referentenentwurf zur Änderung des Gesetzes Tierhaltungskennzeichnung vorgelegt. Ziel ist laut Entwurf eine grundlegende Reform und Ausweitung der Kennzeichnungspflichten, insbesondere auf die Außer-Haus-Verpflegung wie Restaurants, Kantinen und Imbisse.

Das lange geplante staatliche Tierhaltungslogo für Fleisch soll nach Plänen des Bundesagrarministeriums im nächsten Jahr mit mehreren Änderungen eingeführt werden - und zwar außer in Supermärkten auch in Restaurants und Kantinen.

Sandra Warden arbeitet seit fast 25 Jahren beim DEHOGA Bundesverband. Dort verantwortet sie als Geschäftsführerin die Bereiche Arbeitsmarkt und Tarifpolitik. In der aktuellen Darstellung der Bundesgeschäftsstelle auf der Website des Verbandes wird sie derzeit nicht aufgeführt. Auf Anfrage von Tageskarte zu den Änderungen reagiert der Verband knapp.

50 Cent extra für Einwegbecher & Co.: Die Verpackungsteuer in Potsdam sorgt für Riesen-Ärger. Verbände warnen vor Unmut beim Verbraucher wegen Preissprüngen und hohem Bürokratie-Aufwand.

Google steht unter Druck: Die von Künstlicher Intelligenz betriebenen Chatbots werden zunehmend zur Konkurrenz. Brüssel will dem Wettbewerb nicht im Weg stehen - im Gegenteil.

Der DEHOGA und weitere Wirtschaftsverbände kritisieren die geplante steuerfreie 1.000-Euro-Prämie. Sie sehen darin eine zusätzliche Belastung für Unternehmen in einer angespannten wirtschaftlichen Lage.

Der Dehoga Niedersachsen warnt vor massiven Schäden für das Gastgewerbe durch angekündigte Streiks im Nah- und Luftverkehr während der Hannover Messe. Verbandspräsident Breuckmann kritisiert den Zeitpunkt der Maßnahmen und fordert eine schnelle Einigung der Tarifparteien.

Die schwarz-rote Koalition reagiert auf gestiegene Preise. Eine Maßnahme: die sogenannte Entlastungsprämie von 1.000 Euro. Doch Unternehmensvertreter reagieren genervt.

Die NGG wirft dem DEHOGA Rheinland-Pfalz vor, Tarifverhandlungen einseitig für gescheitert erklärt zu haben. Beide Seiten stellen unterschiedliche Positionen zu Angebot und Forderungen dar.

Die schwarz-rote Koalition reagiert auf gestiegene Preise. Eine Maßnahme: die sogenannte Entlastungsprämie. Doch wie viele Arbeitnehmer sie am Ende bekommen, bleibt abzuwarten.