Rund 1.700 Kommentare: DEHOGA Sachsen-Anhalt löst mit politischem Appell heftige Debatte aus

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Ein politischer Appell des DEHOGA Sachsen-Anhalt, im Nachgang der Landtagswahlen, sorgt auf Facebook für eine außergewöhnlich heftige Resonanz. Rund 1.700 Kommentare (10.9.2026, 9 Uhr) haben sich unter der Stellungnahme gesammelt. Während einige Nutzer ankündigen, das Bundesland als Reiseziel zu meiden, werfen andere dem Branchenverband vor, selbst dem Tourismus zu schaden. Kritik gibt es auch daran, dass der DEHOGA zwar deutliche politische Aussagen trifft, aber offenlässt, wen er konkret meint.

Mit einer politischen Stellungnahme hat der DEHOGA Sachsen-Anhalt eine heftige Diskussion ausgelöst. Unter einem am 9. September veröffentlichten Facebook-Beitrag haben sich rund 1.700 Kommentare gesammelt. Die Reaktionen reichen von Zustimmung über angekündigten Reiseverzicht bis zu massiver Kritik am Verband.

Ausgangspunkt ist ein Appell des DEHOGA an die nicht näher bezeichnete „Spitze des Bundeslandes Sachsen-Anhalt“. Diese müsse sich „der derzeitigen Situation stellen“, schreibt der Verband.

Zur Begründung verweist der DEHOGA auf Gästeanfragen, die zeigten, „dass man das Bundesland Sachsen-Anhalt zwar bereisen, aber aus Angst lieber meiden würde“. Gleichzeitig müssten sich Unternehmer diesen Ängsten stellen. Sachsen-Anhalt habe zudem derzeit keine „handlungsfähige Regierung“, heißt es in der Erklärung.

DEHOGA fordert Weltoffenheit

Der Verband fordert eine „offene, ehrliche und zukunftsorientierte Landesregierung“, die eine „offene Willkommenskultur für Gäste aus aller Welt“ zeige. Die Branche stehe für Weltoffenheit, auch mit Blick auf Fach- und Arbeitskräfte.

Weiter heißt es, die Bedenken entstünden „derzeit vor allem in der unklaren Aufstellung der Landespolitik“. Diese müsse sich zur Fach- und Arbeitskräftepolitik klar positionieren. Ohne entsprechende Arbeitskräfte werde die Branche weitere Betriebe verlieren.

Am Ende richtet der DEHOGA seinen Appell ausdrücklich an den „zukünftigen Ministerpräsidenten“. Dieser solle mit demokratischen Gremien, Wirtschaftsverbänden und Unternehmern in den Austausch treten. Der Verband fordert „Vertrauen, Stabilität, Ehrlichkeit und Sicherheit“.

Welche Parteien oder politischen Akteure der DEHOGA für die von ihm beschriebene Situation verantwortlich macht, lässt die Erklärung allerdings offen. Die AfD wird in dem gesamten Statement nicht genannt.

Kritik: Schadet der DEHOGA dem eigenen Reiseland?

Genau diese Stellungnahme stößt in der Kommentarspalte auf erheblichen Widerspruch. Dabei kommt die Kritik nicht nur von Nutzern, die die politische Stoßrichtung des Verbandes ablehnen. Einige stellen grundsätzlich infrage, ob ein Tourismus- und Gastgewerbeverband sein eigenes Bundesland auf diese Weise öffentlich darstellen sollte.

Ein Kommentator wirft dem DEHOGA vor, mit dem Beitrag „mehr Schaden“ anzurichten, als er Gastronomie und Hotellerie des Landes nütze. Die Erklärung trage dazu bei, Menschen weiter zu spalten und bestehende Gräben zu vertiefen.

Noch deutlicher fällt ein längerer Beitrag aus, der sich aus der Perspektive von „Akteuren und Unterstützern der Tourismus- und Gastgeberbranche“ äußert. Überschrieben ist er mit „Wirtschaftsschädigende Panikmache statt starker Interessenvertretung“. Darin wird dem Verband vorgeworfen, durch seine eigene Kommunikation das Image Sachsen-Anhalts zu beschädigen und potentielle Gäste abzuschrecken.

Die Verfasser fordern stattdessen eine positive Kommunikation über Sachsen-Anhalt als Reiseziel und konstruktive Verhandlungen mit der Politik. Besonders scharf ist die Aussage: „Wir zahlen keine Verbandsbeiträge dafür, dass das eigene Land und damit die eigenen Betriebe öffentlich schlechtgeredet werden.“ In dem Beitrag wird sogar dazu aufgerufen, über einen Austritt aus dem Verband nachzudenken, sollte dieser seinen Kurs nicht ändern.

Ob die Verfasser tatsächlich DEHOGA-Mitglieder oder Unternehmer aus dem Gastgewerbe sind, lässt sich anhand der Facebook-Kommentare allerdings nicht verifizieren.

Andere verlangen noch deutlichere Positionierung

Die Kritik kommt zugleich aus der entgegengesetzten Richtung. Einigen Kommentatoren geht die Stellungnahme des DEHOGA nicht weit genug.

So fordert ein Nutzer vom Verband „Klare Kante für Demokratie und Weltoffenheit, Minderheitenschutz und Inklusion“. Die Formulierungen des DEHOGA seien aus seiner Sicht zu halbherzig.

Damit gerät der Verband zwischen zwei Lager: Während die einen ihm vorwerfen, sich überhaupt in dieser Form politisch zu äußern und damit dem Tourismus zu schaden, verlangen andere eine wesentlich eindeutigere politische Positionierung.

Nutzer berichten von Reiseverzicht und Stornierung

Gleichzeitig zeigen einzelne Kommentare, dass die vom DEHOGA angesprochene Sorge um das Image Sachsen-Anhalts nicht völlig abstrakt ist.

Eine Nutzerin berichtet, sie suche derzeit nach einem Spa-Hotel für Oktober und werde Sachsen-Anhalt bei der Suche ausdrücklich ausschließen.

Ein anderer Nutzer schreibt, Sachsen-Anhalt künftig definitiv zu meiden. Er begründet dies mit persönlichen Sicherheitsbedenken und weist darauf hin, dass er sein Urlaubsgeld deshalb künftig anderswo ausgebe.

Besonders konkret ist ein weiterer Kommentar: „Tatsächlich haben wir vorgestern unsere Reise für Thale storniert.“ Der Nutzer betont zugleich, dass Thale, Quedlinburg und die Rappbodetalsperre schöne Reiseziele seien. Seine Absage begründet er ausdrücklich mit der politischen Situation.

Auch solche Aussagen sind zunächst nicht überprüfte Selbstauskünfte einzelner Facebook-Nutzer. Sie belegen weder einen allgemeinen Buchungsrückgang noch einen messbaren wirtschaftlichen Schaden für das Gastgewerbe.

Widerspruch auch von Gästen

Andere Kommentatoren zeichnen ein völlig anderes Bild. Eine Nutzerin verweist darauf, dass ihr bevorzugter Ferienpark in Hasselfelde während der Oktoberferien komplett ausgebucht sei. Sie fühle sich dort wohl, begegne freundlichen Menschen und wolle auch im kommenden Jahr wiederkommen.

Ein anderer Nutzer schreibt, dass er als Ausländer weiterhin gerne nach Sachsen-Anhalt reise.

Auch diese Aussagen sind individuelle Erfahrungsberichte und keine belastbaren Daten zur touristischen Nachfrage.

Außergewöhnliche Resonanz auf einen Branchenverband

Unabhängig davon, welche Position die Kommentatoren vertreten, ist die Dimension der Reaktion bemerkenswert. Rund 1.700 Kommentare auf eine Stellungnahme eines DEHOGA-Landesverbandes zeigen, wie stark der Beitrag polarisiert.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um Hotellerie und Gastronomie. In der Kommentarspalte wird über Parteien, Wähler, Demokratie, Migration, Sicherheit und die gesellschaftliche Situation Sachsen-Anhalts gestritten. Teilweise ist der Ton scharf und persönlich.

Für den DEHOGA entsteht dadurch eine schwierige Situation. Der Verband wollte nach eigener Darstellung auf Sorgen von Gästen und Betrieben aufmerksam machen und Vertrauen, Weltoffenheit und politische Stabilität einfordern. Die Reaktion zeigt jedoch, dass die Erklärung selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung geworden ist.

Offen bleibt zudem die entscheidende wirtschaftliche Frage: Wie groß ist das Problem tatsächlich? Der DEHOGA spricht von Gästeanfragen, nennt bislang aber weder deren Zahl noch konkrete Auswirkungen auf Buchungen oder Stornierungen.

Die Facebook-Debatte liefert dafür einzelne Beispiele – aber noch keinen Beleg für einen größeren Trend. Sie zeigt dafür umso deutlicher, wie explosiv die Verbindung von Politik, Tourismus und Standortimage inzwischen geworden ist.


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