Weihnachtsmärkte in Pandemiezeiten - Kommunen müssen bald entscheiden

| Politik Politik

Die großen Städte in Hessen haben die Hoffnungen auf Weihnachtsmärkte trotz der Corona-Pandemie nicht aufgegeben. So wollen viele erst im September entscheiden, ob es die Märkte geben wird, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt. Hinter den Kulissen arbeiten Organisatoren schon an Konzepten für die weihnachtlichen Großveranstaltungen unter Pandemie-Bedingungen.

«Es ist noch keine Entscheidung über die Ausrichtung gefallen», sagt Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main. Bis Mitte September müsse dies wegen der für einen Weihnachtsmarkt nötigen Verträge und Logistik erfolgen. Viel hänge auch von den weiteren Entscheidungen der Politik ab. Dass der Frankfurter Weihnachtsmarkt wie in den vergangenen Jahr sein wird, sei so gut wie ausgeschlossen: «Ich sehe den originären Weihnachtsmarkt nicht als realistisch an, wenn sich die Situation so weiter entwickelt», erklärt Feda. Denkbar sei eine Alternative: Andere Abstände, eine Trennung von Gastronomie mit Erfassung der Gäste und ein Bereich fürs Kunsthandwerk ohne Gästelisten. Eine Frage werde dabei aber sein: «Findet man genug Schausteller und Standbetreiber dafür?»

Auch Fulda wartet ab. «Es ist vorgesehen, dass in der ersten Septemberhälfte die Rahmenbedingungen für den Weihnachtsmarkt 2020 festgelegt werden», erklärt Sprecherin Monika Kowoll-Ferger. Aktuell plane man, für den gesamten Weihnachtsmarktzeitraum ein adventliches Marktangebot zu präsentieren, auch wenn es nicht der «ganz normale» Weihnachtsmarkt sein sollte. «Grundsätzlich müssen wir uns aber immer nach der aktuellen Lage richten, die sich angesichts der durchaus dynamischen Entwicklung jederzeit ändern kann.» Für einen kompletten Ausfall gebe es aktuell aber nur eine geringe Wahrscheinlichkeit.

In Kassel sind die Überlegungen etwas konkreter. «Es ist das Ziel, den Märchenweihnachtsmarkt - coronabedingt in einem etwas anderen Format und unter Auflagen - in Kassel stattfinden zu lassen», erklärt Birgit Kuchenreiter von der Kassel Marketing GmbH. Die arbeite für die Stadt an einem entsprechenden Konzept. «Ein wichtiger Bestandteil könnte dabei eine einheitliche Laufrichtung sein.» Um größere Aufeinandertreffen so zu vermeiden, könnten in einer Art Einbahnstraßensystem die Besucher durch die Budengassen geführt werden.

Aktuell ist noch keine finale Entscheidung bezüglich der Ausrichtung des Sternschnuppenmarkts in Wiesbaden getroffen worden», teilt das Dezernat des Bürgermeister der Landeshauptstadt mit. Aufgrund der Vorläufe für die Planung müsse die Entscheidung bis Ende August abgeschlossen werden. Weil die Verordnung des Landes zur Beschränkung der Corona-Pandemie verlängert worden sei, «haben sich die Voraussetzungen für die Durchführung eines regulären Sternschnuppenmarkts signifikant verschlechtert». Die Wiesbaden Congress & Marketing GmbH arbeite gemeinsam mit den Behörden aber an einem Konzept, die Hygiene-Vorgaben einzuhalten.

«Szenarien, wie ein Weihnachtsmarkt unter Pandemiebedingungen eventuell stattfinden könnte, sind angedacht und werden gerade planungstechnisch überprüft», erklärt Frank Hölscheidt, Geschäftsführer der Giessen Marketing GmbH. Man beobachte zurzeit sehr genau die Entwicklung im Bereich der Vorgaben für derartige öffentliche Veranstaltungen. Ein für den Weihnachtsmarkt notwendiges Sicherheitskonzept werde vorbereitet. Damit liegt eine Basis vor, um auf veränderte Vorgaben der Behörden schnell zu reagieren. Wie wahrscheinlich ein Weihnachtsmarkt in Gießen ist, will Hölscheidt nicht abschätzen: «Nach unserer Ansicht spielen die Entwicklungen der Infektionszahlen eine entscheidende Rolle, ob Weihnachtsmärkte stattfinden.»

«Wir appellieren als Verband an die Veranstalter, an der Planung für 2020 so lange es nur geht festzuhalten und die Absage von Weihnachtsmärkten nur als Ultima Ratio zu verstehen», sagt Roger Simak, Geschäftsführer des Landesverbands für Markthandel und Schausteller Hessen. Ein Ausfall habe schwere Konsequenzen: «Damit blieben unsere Mitglieder am Ende seit einem ganzen Geschäftsjahr ohne Einnahmen, von den nur 10.000 EUR Soforthilfe einmal abgesehen, die in der Tat anfangs der Krise sehr rasch und unkompliziert als Unterstützung geflossen ist.»

Der Verband vertritt 400 klassische Schaustellerbetriebe und weitere 200, die auf Mittelaltermärkten aktiv sind. Die Schausteller kritisieren eine Ungleichbehandlung: Es sei niemandem zu vermitteln, dass stationäre Freizeitparks mit teilweise den baugleichen Karussells längst wieder geöffnet seien, ebenso Badeseen und Schwimmbäder, aber ein Kinderkarussell oder ein Autoskooter weiterhin praktisch als No-Go betrachtet würden.

Man habe gerade zu den Möglichkeiten für eine Wiederöffnung der hessischen Volksfeste mit großem Aufwand ein wissenschaftliches Fachgutachten erstellen lassen: «Auf fast 40 Seiten wird damit ein Leitfaden mit konkreten Handlungsempfehlungen als Konzept für eine effektive Infektionsvermeidung bei solchen Veranstaltungen dargeboten.» Die Expertise nehme ebenso bereits Bezug auf die wirtschaftlich für die Verbandsmitglieder so wichtigen Weihnachtsmärkte. Wenn Absagen, beispielsweise durch die weitere Entwicklung nicht vermeidbar seien, dann solle der Staat in letzter Konsequenz der Branche ebenso beistehen, wie er in der jüngeren Vergangenheit zum Beispiel der Lufthansa beigestanden habe. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Tarifgespräche im Gastgewerbe von Rheinland-Pfalz sind ohne Einigung beendet. Der DEHOGA erklärt die Verhandlungen mit der NGG für gescheitert und empfiehlt den Betrieben eine freiwillige Lohnerhöhung von 3,5 Prozent.

Potsdam plant eine Verpackungssteuer gegen Müllberge noch in diesem Jahr. Andere Städte in Brandenburg zweifeln an der Abgabe: zu hoher Aufwand, zu wenig Wirkung.

Das Europäische Parlament hat neue Regeln für Pauschalreisen beschlossen. Während der Deutsche Reiseverband die Sachlage im Vorfeld überwiegend positiv bewertet, sieht die Hotellerie noch offene Fragen bei einzelnen Vorgaben der Richtlinie.

Weniger Bürokratie, längere Öffnungszeiten: Ein neues Gesetz soll Berlins Gastronomie entlasten und den Service für Gäste verbessern. Was sich für Betreiber und Besucher ändern könnte.

Berliner Restaurants, Cafés und Kneipen sollen ihre Gäste in Zukunft länger auch vor der Türe bedienen dürfen. Das steht im Entwurf eines Gaststättengesetzes, den der Senat auf den Weg brachte.

Fernsehen, Spitzenküche - und jetzt auch noch Kommunalpolitik für Alexander Herrmann? Die Wählerinnen und Wähler im oberfränkischen Landkreis Kulmbach haben entschieden.

Das neue Tariftreuegesetz trifft die Hotellerie im Kern: Zimmerkontingente und Tagungen für den Bund hängen künftig an strikten Tarifvorgaben. Der Dehoga warnt trotz Nachbesserungen vor einem enormen Prüfaufwand für die Betriebe.

Unter welchen Namen dürfen Burger und Schnitzel ohne Fleisch in der EU verkauft werden? Nach viel Wirbel gibt es eine Einigung. Komplett glücklich ist der deutsche Minister damit nicht.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger spricht sich für einen Karenztag bei Krankheit aus. Lohn soll es dann erst ab dem zweiten Krankheitstag geben. Was er sich davon verspricht.

Eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden fordert in einem Brandbrief den Stopp der Potsdamer Verpackungssteuer. Sie warnen vor Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent und bezweifeln den ökologischen Nutzen der Abgabe.