Deutschlandticket soll ab 2026 63 Euro kosten

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Nur ein Jahr nach der jüngsten Preiserhöhung soll das Deutschlandticket im Nahverkehr wieder teurer werden. Die Verkehrsminister der Länder einigten sich bei einer Sonderkonferenz in München einstimmig auf eine Anhebung auf 63 Euro im Monat ab 2026. Erst zu Jahresbeginn war der Preis von 49 Euro auf 58 Euro gestiegen. Das Ticket gibt es seit Mai 2023.

«Die Nutzerinnen und Nutzer können sich darauf verlassen, alle haben jetzt Klarheit, wie das weitergeht», sagte der Vorsitzende der Konferenz, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) in München. Bund und Länder hätten sich in nicht einfachen Verhandlungen aufeinander zubewegt und darauf verständigt, bis 2030 jeweils 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte in Berlin, er sei froh, dass es nun Sicherheit und Verlässlichkeit gebe. «Durch die langfristige Absicherung bis 2030 eröffnen sich große Chancen.» Dies gelte etwa auch für mehr vergünstigte Jobticket-Angebote für Beschäftigte in Unternehmen.

Preisindex soll zähe politische Debatten künftig verhindern

Von 2027 an soll der Preis des bundesweit gültigen Deutschlandtickets nach einem festen Mechanismus gebildet werden - die meist zähen Verhandlungen von Bund und Ländern würden damit der Vergangenheit angehören. «Da gibt es jetzt keine großen Sprünge mehr», sagte Bernreiter. Es könne auch sein, dass der Preis wegen einer Deflation mal zurückgehe. «Wir wollen, dass das ein Automatismus wird, der dann mit klaren Kennzahlen zu berechnen ist.» 

Auch der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Stefan Schnorr, betonte, dass es zur Finanzierung nun keine Hängepartie mehr gebe. Das von Bund und Ländern kräftig subventionierte Ticket sorgt seit seiner Einführung für Einnahmeausfälle bei Verkehrsunternehmen, weil frühere Abos teurer waren. Das Ticket wird nach Branchenangaben von rund 14 Millionen Menschen genutzt und ermöglicht bundesweit Fahrten im Regional- und Nahverkehr. 

Finanzstreit zwischen Bund und Ländern

Hintergrund der erneuten Preiserhöhung zum 1. Januar 2026 ist ein Finanzstreit zwischen Bund und Ländern. Knackpunkt war, wie erwartete Mehrkosten bei Verkehrsunternehmen ausgeglichen werden können. Da beide Seiten darauf beharrten, nicht mehr geben zu können, blieb am Ende die Preiserhöhung. 

Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) würde ohne «Dynamisierung» bereits 2026 eine massive Finanzierungslücke von prognostizierten 800 Millionen drohen. «Die Preiserhöhung im Rahmen der Kostenentwicklung schließt allein die Finanzierungslücke für 2026 nicht», sagte Präsident Ingo Wortmann. Mit der Planungssicherheit für die Branche müsse nun verstärkt auf die Werbung, den Vertrieb des Tickets und weitere Tarifvereinfachungen im ÖPNV reagiert werden. Durch mehr Verkäufe auch bei Job-Tickets müsse die Finanzierungslücke geschlossen werden.

Kritik an Bund wegen Koalitionsvertrag 

Vor der Konferenz hatten Länderminister dem Bund Schuld an einer Preiserhöhung gegeben - auch ein Bruch des Koalitionsvertrages wurde Union und SPD vorgeworfen. Schnorr betonte dagegen, er sehe im Kompromiss eine «klare Umsetzung des Koalitionsvertrages», da das Ticket erhalten bleibe und es mehr Planungssicherheit gebe. In dem unter Finanzierungsvorbehalt stehenden Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD heißt es, der Preis solle erst ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht werden.

Die für Mobilität im Saarland zuständige Ministerin Petra Berg (SPD) sprach trotz der Erhöhung von einem «Meilenstein»: «Mit dieser moderaten Preissteigerung bleibt die Attraktivität des Tickets erhalten.» Sie sehe ein «großes Potenzial für weitere Kunden». Dagegen fürchtete ihr Parteifreund, Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrick Tonne, dass Menschen mit knappem Budget das D-Ticket nun hinterfragen würden. 

Das Fazit von Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) fiel dagegen kritischer aus: «Enttäuschend ist, dass die Bundesregierung von ihrer Zusage aus dem Koalitionsvertrag abgerückt ist, den Preis bis 2029 stabil zu halten.» Thüringens Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) betonte zudem: «Jede andere Entscheidung als dieser Kompromiss wäre ein politischer Offenbarungseid gewesen.»

Kritik an Milliarden für die Pendlerpauschale

Von der Allianz Pro Schiene hieß es, die Preiserhöhung werde viele Menschen vor den Kopf stoßen und kaum zu steigenden Abozahlen führen. «Es ist bedauerlich, dass Bund und Länder darauf beharren, ihren Anteil nicht zu erhöhen.» Es sei schwer zu vermitteln, warum der Bund zusätzliche Milliarden für eine Erhöhung der Pendlerpauschale bereitstelle – aber die Lücke beim Deutschlandticket nicht schließen wolle. Die Verbraucherzentralen sprachen von einem gebrochenen Versprechen und einer Enttäuschung für die Nutzer.

DTV begrüßt Sicherung des Deutschlandtickets – Präsident Meyer: „Touristische Nachfrage liefert Grundlage für den Ausbau des ÖPNV“

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) begrüßt die Fortführung des Deutschlandtickets für das Jahr 2026. „Es ist gut, dass die viel zu lang andauernde Unsicherheit für das nächste Jahr ein Ende gefunden hat“, sagt DTV-Präsident Reinhard Meyer. Allerdings fehle weiterhin die langfristige Planungssicherheit. „Die Bundesregierung hatte einen stabilen Preis bis 2029 zugesagt, was nun durch die erneute Preiserhöhung bereits Geschichte ist.“

Mit Blick auf die Preisgestaltung dürfe es bei der mittel- bis langfristigen Planung über das kommende Jahr hinaus keine Unsicherheiten geben. „Viele Menschen müssen sehr genau auf ihre Ausgaben achten, das darf nicht zulasten der Mobilität gehen.“ Ein weiterer Preisanstieg könne Akzeptanz und Nachfrage für das Deutschlandticket und damit seine Zukunft ernsthaft gefährden. (mit dpa)


 

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