Gemeinden im Norden kämpfen gegen illegale Ferienwohnungen

| Tourismus Tourismus

Die in Lübeck jahrelang als Ferienhäuser vermieteten Ganghäuser sind seit Monaten Quell eines Streits zwischen der Stadt und den Eigentümern. Die Stadt hatte die eigentlich unzulässige Vermietung an Touristen jahrelang geduldet. Doch im Sommer 2019 untersagte sie die Vermietung der im Schnitt etwa 35 Quadratmeter großen Häuschen unter anderem mit Verweis auf die Wohnungsknappheit. Auch in anderen touristisch geprägten Gemeinden gibt es ähnliche Probleme. Jede Wohnung, die auf diese Weise dem Wohnungsmarkt entzogen werde, sei eine zuviel, sagt der Kieler Stadtrat Gerwin Stöcken (SPD). Er fordert deshalb für Schleswig-Holstein ein Wohnraumschutzgesetz.

«Für uns stellt sich in der Tat das Problem, dass durch die illegale Ferienwohnungsvermietung Wohnungen der allgemeinen Wohnraumversorgung der Bevölkerung entzogen werden», sagt Christina Bonke vom Fachbereich Tourismus, Bauen, Umwelt und Immobilien der Gemeinde Timmendorfer Strand. Zudem gebe es auch immer wieder Beschwerden der Nachbarn über Lärm und andere Belästigungen, die sich aus der Feriennutzung ergäben.

Von solchen Beschwerden berichtet auch der Bürgermeister des Ostseebades Scharbeutz im Kreis Ostholstein, Volker Owerien (parteilos). «Natürlich fehlen uns diese Wohnungen für die normale Wohnraumversorgung, andererseits sind es aber Wohnungen, die für ein entsprechendes touristisches Angebot an Ferienunterkünften auch erforderlich sind.» In der 11 000-Einwohner-Gemeinde gab es 2018 rund 775 000 Gästeübernachtungen. Wie viele davon in nicht genehmigten Ferienwohnungen stattfanden, ist nicht bekannt.

Rechtlich ist die Ferienvermietung in Wohngebieten unzulässig, wurde aber über Jahrzehnte von den Kommunen geduldet. Jetzt wollen viele Gemeinden die Vermietung unterbinden, denn sie benötigen den Wohnraum für ihre Bürger und auch für Arbeitskräfte. Nicht nur auf der Nordseeinsel Sylt, sondern auch auf der Ostseeinsel Fehmarn müssen Arbeitskräfte aufs Festland pendeln, weil sie auf den Inseln keine bezahlbare Wohnung finden.

Einige Vermieter sagen offen, dass es für sie lukrativer sei, wochenweise an Feriengäste zu vermieten. «Ich habe 300 000 Euro in den Kauf und die Sanierung eines 35 Quadratmeter großen Ganghauses in der Lübecker Altstadt investiert. Wenn ich das für 300 Euro im Monat vermieten würde, wäre das Haus erst nach 83 Jahren abbezahlt», rechnete Karl-Heinz Brenner von der «Interessenvertretung der Ferienwohnungs- und Ferienhausvermieter Lübeck und Travemünde» bereits im Sommer vor.

Brenner gehört zu den 20 Hausbesitzern, die gegen die Stadt Lübeck klagen, weil sie ihnen die Vermietung ihrer Ganghäuser an Feriengäste unter Androhung hoher Geldstrafen untersagt hat. Ihren Eilantrag hat das Gericht inzwischen abgelehnt, ein Termin in der Hauptsache steht noch nicht fest.

Auch Husum im Kreis Nordfriesland hat ein Problem mit immer mehr Ferienwohnungen. «Das verstärkt den ohnehin schon großen Mangel an bezahlbarem Wohnraum und führt auch zu nachteiligen städtebaulichen Folgen», sagt Stadtsprecherin Simone Mommsen. Abhilfe für die Zukunft soll eine vor kurzem beschlossene Erhaltungssatzung für die Innenstadt und die Neustadt schaffen. «Im Rahmen dieser Satzung kann die Stadt die Anzahl der Ferienwohnungen steuern und Ferienwohnungen nur unter bestimmten Rahmenbedingungen genehmigen», sagt Mommsen.

Doch bei der Durchsetzung dieser Bestimmungen sind den Kommunen oft die Hände gebunden. «Auch bei uns gibt es das Problem der ungenehmigten Ferienwohnungen», sagt der Bürgermeister von Sylt, Nikolas Häckel (parteilos). «Aber wir als Gemeinde können nur den rechtlichen Rahmen vorgeben, für die Durchsetzung ist nach dem Landesrecht der Kreis Nordfriesland zuständig.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Schlösser, Natur, zweisprachiges Theater: Polnische Touristen haben Brandenburg als Urlaubsregion entdeckt. Welche Orte besonders gefragt sind und was sie dort anzieht.

Die deutsche Fluggesellschaft Condor ist auf der Suche nach neuen Eigentümern. Ihr Chef kann sich auch einen Verkauf an Airlines vom Golf vorstellen.

Mehr als 29.400 Beschwerden in nur sechs Monaten: Die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr meldet einen Rekord – vor allem Flugreisende fordern Entschädigung nach Ausfällen und Verspätungen.

Trotz inflationsbedingter Belastungen plant die Mehrheit der Hamburger eine Sommerreise, achtet dabei jedoch verstärkt auf Rabatte und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Der klassische Strandurlaub bleibt dabei die beliebteste Urlaubsform.

Mittelgebirge, Städte, Freizeitparks: Sachsen hat im Sommer viel für einen abwechslungsreichen Urlaub zu bieten. Die Tourismusbranche rechnet mit weiteren Buchungen in den kommenden Wochen.

Eine aktuelle Umfrage von SAP Concur zeigt, dass deutsche Geschäftsreisende touristische Hotspots zunehmend meiden. Hohe Kosten, überfüllte Innenstädte und eingeschränkte Verfügbarkeiten beeinflussen demnach die Reiseplanung.

Klinik und Bett statt Strand: Für ein Paar endete der Traumurlaub auf Mauritius schon auf dem Hinflug - mit gebrochenen Wirbeln und Schmerzen. Im Nachgang klagen sie gegen den Reiseveranstalter.

Bayerns Tourismusministerin Michaela Kaniber hat eine neue Initiative zur strategischen Neuausrichtung des Tourismus gestartet. Grundlage der kommenden Beratungen sind die Ergebnisse einer branchenweiten Umfrage mit über 1.100 Teilnehmern.

Zum Start der Sommerferien hat ECPAT Deutschland eine Kampagne gegen Kindesmissbrauch im Tourismus gestartet. Gemeinsam mit Behörden und Reiseveranstaltern sollen Reisende für Zivilcourage sensibilisiert werden.

Eine aktuelle Auswertung von Airbnb identifiziert die beliebtesten deutschen Strandorte für den Sommer 2026. Dabei dominieren vor allem Ziele an der Ostseeküste das Ranking der Suchanfragen.