Große Öffnungsphase in Corona-Krise startet im Norden am 18. Mai

| Tourismus Tourismus

Schleswig-Holstein kurbelt das öffentliche Leben in der Corona-Krise zum 18. Mai in vielen Bereichen wieder kräftig an. Hotels, Restaurants, Ferienwohnungen, Fahrschulen und Fitnessclubs dürfen dann unter Auflagen wieder öffnen, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Donnerstag im Landtag verkündete. Das Einreiseverbot für touristische und Freizeitzwecke entfällt ebenso wie das Betretungsverbot für Inseln und Halligen.

Günther sprach von einem großen zweiten Öffnungsschritt nach den ersten Lockerungen zum 20. April. «Wir halten das für verantwortbar.» Seit den ersten Lockerungen habe sich das Infektionsgeschehen kaum verändert. Bis eine halbe Stunde nach Mitternacht hatte die Jamaika-Koalition sechs Stunden lang den Öffnungsfahrplan beraten.

Hygiene- und Abstandsregeln entscheidend

Entscheidend sei die Wahrung der Hygiene- und Abstandsregeln, betonte Günther. «Das wird die Leitschnur ab jetzt für alles sein.» Demzufolge sind bei den Öffnungen der genannten Einrichtungen auch keine Kapazitätsgrenzen geplant. Günther verwies auf den Beschluss von Bund und Ländern, dass in Kreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt werden muss. Von diesen Zahlen ist Schleswig-Holstein derzeit weit entfernt.

Man dürfe jetzt nicht unvernünftig sein, sagte Günther. Die Regierung gehe sorgsam und mit Augenmaß vor. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass Infektionszahlen auch wieder hochgehen werden», sagte Günther im Blick auf die Lockerungen. Aber: «Unsere Gesundheitsbehörden sind extrem gut aufgestellt.»

Auch zum 18. Mai wird die Kita-Auslastung auf etwa 30 Prozent erweitert. Vorschulkinder und solche mit Förderbedarf dürfen wieder in die Kitas, wo es bisher nur Notbetreuungen gibt. Die maximale Gruppengröße steigt von fünf auf zehn Kinder. Vom 1. Juni an soll ein eingeschränkter Regelbetrieb gelten, womit laut Günther die Auslastung auf 55 Prozent steigen kann.

Nach zweimonatiger Flaute und komplettem Ausfall des Ostergeschäfts fährt Schleswig-Holstein mit den aktuellen Beschlüssen den Tourismus und die Gastronomie damit vor Pfingsten wieder an. Laut CDU-Fraktionschef Tobias Koch dürfen auch Spielhallen und Kinos mit deutlich reduzierten Besucherzahlen wieder öffnen. Hygienekonzepte müssten vorliegen, 1,5 Meter Abstand gewahrt werden.

Auch Veranstaltungen erlaubt bis 50 Sitzplätze

Veranstaltungen werden bis 50 Sitzplätzen wieder gestattet. Die Besucher müssten sich vorher registrieren, sagte Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben. Bis zu den Sommerferien sollen alle Schüler die Möglichkeit bekommen, zumindest eingeschränkt an Präsenzunterricht teilzunehmen, sagte Günther. Das gelte besonders für Kinder mit Förderbedarf.

Der Gesundheitsschutz müsse weiterhin an erster Stelle stehen, sagte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. «Abstand ist die wahre Nähe.» Die Infektionszahlen zeigten, dass das Land auf dem richtigen Weg sei. Aber die Situation bleibe ernst. Günthers Ankündigungen erschienen weitgehend vernünftig, das Land sei im Großen und Ganzen auf einem guten Weg - «über die Grenzen von Regierung und demokratischer Opposition hinweg».

Grünen-Fraktionschefin von Kalben sprach von einem Paradigmenwechsel: «Wir schauen jetzt was geht, was kann erlaubt werden und nicht mehr: was wird verboten. Alles ist erlaubt, wenn Regeln eingehalten werden können». Die Öffnungsschritte gäben Hoffnung und Perspektiven. «Lassen Sie uns alle bitte besonnen bleiben!», bat von Kalben. Auch FDP-Fraktionschef Christopher Vogt appellierte an die Verantwortung eines jeden, die Regeln einzuhalten. «Wir haben es mit einer – für viele Menschen – gefährlichen Krankheit zu tun.» Es komme jetzt darauf an, das Virus unter Kontrolle zu behalten und gleichzeitig die Grundrechtseingriffe schrittweise zurücknehmen und die gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Folgen bestmöglich zu minimieren.

Einschränkende Maßnahmen müssten regional begrenzt werden, forderte AfD-Fraktionschef Jörg Nobis. Bestimmungen müssten für jeden Kreis, jede Stadt und jede Gemeinde gelten. Jede einschränkende Maßnahme müsse immer wieder überprüft und begründet werden. Es sei an der Zeit, die Einschränkung von Grundrechten mit der gebotenen Vorsicht zurückzufahren.

Die Gastronomie sei zu 99 Prozent auf Kurzarbeit, das Vermietungsgewerbe zu 95 Prozent, sagte SSW-Fraktionschef Lars Harms. Aus seiner Sicht kommt der Neustart am 18. Mai zu spät. Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen hätten schneller gehandelt. «Warum müssen unsere Gastronomen noch eine Woche länger warten?», fragte Harms. Die Landesregierung hätte schon Ende April einen Ausstiegsplan vorlegen müssen.

(dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine Untersuchung von Urlaubstracker zeigt große regionale Unterschiede bei kostenfreien Attraktionen auf europäischen Inseln. Während Malta die höchste Gesamtdichte an kostenlosen Angeboten aufweist, punkten andere Destinationen mit umfangreichen Strand- oder Wanderwegenetzen.

Four Seasons hat die Flugrouten der Private Jet Experience für das Jahr 2028 vorgestellt. Die Reisen kombinieren Langstreckenflüge im Privatjet mit Aufenthalten in neuen und bestehenden Hotels von Four Seasons.

Fit Reisen hat europäische Urlaubsorte auf ihre Gräserpollen-Belastung untersucht. Während Tórshavn auf den Färöern und nordische Regionen nahezu pollenfrei sind, verzeichnen das portugiesische Alentejo und Standorte in der Schweiz die höchsten Werte.

Der Deutschland-Tourismus verzeichnete im Winter 2025/2026 mit 117,2 Millionen Übernachtungen das zweitstärkste Ergebnis seiner Geschichte. Trotz steigender Auslastung in der Hotellerie leidet das Gastgewerbe unter einem deutlichen Zuwachs bei den Insolvenzen, während die Konsumzurückhaltung auch den Tagestourismus bremst.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass persönliche Interessen und Empfehlungen aus dem Umfeld die Urlaubsplanung in Deutschland dominieren. Nur fünf Prozent der Befragten lassen sich bei der Auswahl ihrer Reiseziele von Trends aus sozialen Netzwerken leiten.

Die Zahl der Passagiere, die von deutschen Häfen aus eine Hochseekreuzfahrt antreten, ist im Jahr 2025 auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Auch im EU-weiten Vergleich gab es deutliche Zuwächse, wobei Italien und Spanien die Liste anführen.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass drei Viertel der Österreicher ihre Urlaubsplanung an die gestiegenen Mobilitätskosten anpassen. Während viele auf nähere Ziele oder das Auto ausweichen, verzichten zwölf Prozent vollständig auf eine Reise.

Sachsen hat unter dem Slogan „Alles auf einen Augenblick“ eine neue Ganzjahreskampagne gestartet. Die Marketingmaßnahmen konzentrieren sich auf die UNESCO-Welterbestätten des Freistaates und umfassen neben dem deutschsprachigen Raum auch internationale Zielmärkte.

Spanien und Griechenland statt östliches Mittelmeer: Der Iran-Krieg verändert das Reiseverhalten vieler Urlauber. Beim Reisekonzern Tui wird die Sommerreise kurzfristiger gebucht.

99,99 Euro für fünf Personen – hin und zurück, egal wohin im Land. Was hinter dem neuen Familienangebot der Bahn steckt. Und wie sich generell beim Reisen auf der Schiene sparen lässt.