Klimaneutral fliegen: Easyjet will Kerosinverbrauch ausgleichen

| Tourismus Tourismus

Der Billigflieger Easyjet will künftig den CO2-Ausstoß seiner Flugzeugflotte vollständig mit Klimaschutzprojekten ausgleichen. Man sei von sofort an die weltweit erste große Fluggesellschaft mit netto null Emissionen, sagte Airline-Chef Johan Lundgren am Dienstag bei der Vorstellung der Ergebnisse für das Jahr 2018/2019 in London. Im laufenden Geschäftsjahr werde man für die Kompensation rund 25 Millionen Pfund (29,3 Mio Euro) aufwenden.

Man sei sich dabei bewusst, dass der Ausgleich nur eine Übergangsmaßnahme sei, sagte Lundgren. Easyjet werde daher die Entwicklung innovativer Technologien weiter unterstützen. Mit Airbus habe man eine entsprechende Grundsatzvereinbarung über ein Projekt getroffen, mit dem elektrische und hybride Flugzeuge für die Kurzstrecke ermöglicht werden sollen.

Mit Kompensationszahlungen sollen unter anderem Aufforstungsprojekte in Südamerika und Afrika sowie Photovoltaik-Anlagen etwa im indischen Tamil Nadu gefördert werden. In Uganda und Eritrea werden zerstörte Wasserbohrlöcher erneuert, damit Wasser nicht mehr auf Holzfeuern abgekocht werden muss. Die Maßnahmen entsprechen Easyjet zufolge höchsten internationalen Verifizierungsstandards und werden über verschiedene Dienstleister wie Climate Focus oder First Climate vermittelt.

Wie andere Airline-Chefs zuvor wandte sich Lundgren gegen Luftverkehrssteuern, wie sie Deutschland gerade erhöht hat. Sie machten den Luftverkehrssektor nicht sauberer, sondern verhinderten Investitionen in saubere Flugzeuge. Auch mahnte der Airline-Chef Verbesserungen im europäischen Flugsicherungssystem an.

Das Unternehmen hat in dem Geschäftsjahr bis zum 30. September 2019 vor Steuern einen Gewinn von 427 Millionen britischen Pfund (499 Mio Euro) gemacht und lag damit am oberen Ende der eigenen Prognose, aber auch ein rundes Viertel unter dem Vorjahreswert. Als Gründe für den Rückgang wurden Währungseffekte, teures Kerosin und niedrige Ticketpreise genannt. Unter dem Strich wiesen die Briten einen Gewinn von 349 Millionen Pfund (408 Mio Euro) nach 358 Mio Pfund im Vorjahr aus.

Analysten hoben die positiven Entwicklungen hervor: Gute Ticketpreise des Billigfliegers sprächen für höhere Schätzungen beim Gewinn vor Steuern, schrieb Analyst Damian Brewer vom Analysehaus RBC in einer Studie. Die Schweizer Bank Credit Suisse erwartet, dass Easyjet weiterhin Marktanteile gewinnt.

Der nach Ryanair zweitgrößte Billigflieger Europas mit 331 Flugzeugen hatte unter anderem wegen der Übernahme großer Teile des Air-Berlin-Geschäfts im Geschäftsjahr 2018/2019 seine Kapazität um 10,3 Prozent ausgeweitet. Die Passagierzahlen kletterten um 8,6 Prozent auf 96,1 Millionen, während der Umsatz um 8,3 Prozent auf 6,385 Milliarden britische Pfund anwuchs.

Auf dem deutschen Markt mit Schwerpunkt Berlin wolle man im laufenden Jahr die Kapazität nur im unteren einstelligen Prozentbereich steigern, sagte Deutschland-Chef Stephan Erler der Deutschen Presse-Agentur. Man sehe zum Teil Überkapazitäten im Markt und rechne mit einer konjunkturellen Eintrübung. Neue Inlandsverbindungen seien zunächst nicht geplant. Zur möglichen Übernahme von Teilen der Thomas-Cook-Airline Condor wollte sich der Manager nicht äußern.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Schlösser, Natur, zweisprachiges Theater: Polnische Touristen haben Brandenburg als Urlaubsregion entdeckt. Welche Orte besonders gefragt sind und was sie dort anzieht.

Die deutsche Fluggesellschaft Condor ist auf der Suche nach neuen Eigentümern. Ihr Chef kann sich auch einen Verkauf an Airlines vom Golf vorstellen.

Mehr als 29.400 Beschwerden in nur sechs Monaten: Die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr meldet einen Rekord – vor allem Flugreisende fordern Entschädigung nach Ausfällen und Verspätungen.

Trotz inflationsbedingter Belastungen plant die Mehrheit der Hamburger eine Sommerreise, achtet dabei jedoch verstärkt auf Rabatte und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Der klassische Strandurlaub bleibt dabei die beliebteste Urlaubsform.

Mittelgebirge, Städte, Freizeitparks: Sachsen hat im Sommer viel für einen abwechslungsreichen Urlaub zu bieten. Die Tourismusbranche rechnet mit weiteren Buchungen in den kommenden Wochen.

Eine aktuelle Umfrage von SAP Concur zeigt, dass deutsche Geschäftsreisende touristische Hotspots zunehmend meiden. Hohe Kosten, überfüllte Innenstädte und eingeschränkte Verfügbarkeiten beeinflussen demnach die Reiseplanung.

Klinik und Bett statt Strand: Für ein Paar endete der Traumurlaub auf Mauritius schon auf dem Hinflug - mit gebrochenen Wirbeln und Schmerzen. Im Nachgang klagen sie gegen den Reiseveranstalter.

Bayerns Tourismusministerin Michaela Kaniber hat eine neue Initiative zur strategischen Neuausrichtung des Tourismus gestartet. Grundlage der kommenden Beratungen sind die Ergebnisse einer branchenweiten Umfrage mit über 1.100 Teilnehmern.

Zum Start der Sommerferien hat ECPAT Deutschland eine Kampagne gegen Kindesmissbrauch im Tourismus gestartet. Gemeinsam mit Behörden und Reiseveranstaltern sollen Reisende für Zivilcourage sensibilisiert werden.

Eine aktuelle Auswertung von Airbnb identifiziert die beliebtesten deutschen Strandorte für den Sommer 2026. Dabei dominieren vor allem Ziele an der Ostseeküste das Ranking der Suchanfragen.