Neue Reiseformate verändern Planung von Geschäftsreisen

| Tourismus Tourismus

Geschäftsreisen in Europa werden laut dem GBTA Business Travel Index Outlook im Jahr 2026 voraussichtlich ein Volumen von rund 389,9 Milliarden Euro erreichen. Das entspreche einem Wachstum von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig verändern sich nach Angaben der Initiative Chefsache Business Travel die Anforderungen an Dienstreisen deutlich. Kürzere Reisen, regionale Treffen und hybride Veranstaltungsformate gewännen zunehmend an Bedeutung.

„Geschäftsreisen werden heute vor allem ermöglicht, wenn sie Wirkung erzeugen – sowohl wirtschaftlich von Unternehmensseite als auch aus Sicht der Mitarbeitenden“, erklärt Markus Orth, Geschäftsführer von Lufthansa City Center und Mitglied der Initiative Chefsache Business Travel, laut Mitteilung. Der Fokus verschiebe sich „weg von Standardprozessen hin zu intelligenten, bedarfsgerechten Reiseformaten“.

Unternehmen bündeln Reisen zunehmend für konkrete geschäftliche Anlässe

Nach Angaben der Initiative ersetzen Unternehmen klassische Kurzreisen zunehmend durch gezielt geplante und gebündelte Termine. Hintergrund seien steigende Kosten sowie höhere Anforderungen an Nachhaltigkeit und Effizienz. Statt vieler einzelner Reisen würden Meetings häufiger zusammengelegt und Reiseanlässe strategischer geplant.

Die VDR-Geschäftsreiseanalyse 2026 zeigt laut Vorlage, dass 34 Prozent aller Geschäftsreisen maximal einen Tag dauern. Weitere 38 Prozent entfallen demnach auf Reisen mit einer Dauer von zwei bis drei Tagen. Insgesamt machten kurze Reiseformate damit 72 Prozent aller Geschäftsreisen aus. Besonders sogenannte Zero-Day-Trips, also Reisen ohne Übernachtung, nähmen dort zu, wo Termine innerhalb eines Tages organisiert werden könnten.

Orth erklärt dazu: „Die zentrale Frage lautet heute nicht mehr: Wie reisen wir am besten? Sondern: Welche Form des Austauschs ist für dieses Ziel wirklich die richtige?“

Hybride Messeformate verändern Reisen zu Kongressen und Veranstaltungen

Auch im Bereich Meetings und Veranstaltungen beobachtet die Initiative einen Wandel. Hybride Formate blieben relevant, würden jedoch gezielter eingesetzt. Laut dem in der Mitteilung genannten MICE Report 2026 der Event Inc Group planen 60 Prozent der Unternehmen mit stabilen Veranstaltungsbudgets. Dadurch würden Formate stärker nach ihrem konkreten Nutzen ausgewählt.

Geschäftsreisen zu Messen und Kongressen würden dadurch selektiver geplant. Unternehmen konzentrierten sich laut Vorlage stärker auf persönliche Gespräche, Netzwerkpflege und klar definierte Ziele einzelner Reisen. Gleichzeitig steige der organisatorische Aufwand für Planung und Steuerung.

Die Vorlage beschreibt zudem eine stärkere Nutzung regionaler Treffen und sogenannter Mikro-Meetings. Diese kleineren Formate sollen Reisezeiten und Hotelkosten reduzieren sowie flexiblere Abläufe ermöglichen. Digitale Werkzeuge würden dabei vor allem zur Vor- und Nachbereitung eingesetzt.

Unternehmen berücksichtigen stärker Bedürfnisse der reisenden Mitarbeiter

Nach Angaben der Initiative gewinnt neben der Effizienz auch die Mitarbeiterorientierung an Bedeutung. Dienstreisen würden zunehmend unter dem Gesichtspunkt der Belastung, der Arbeitsorganisation und der Vereinbarkeit mit privaten Interessen betrachtet. Dabei spielten auch sogenannte Bleisure-Reisen, also die Verbindung von Geschäfts- und Freizeitreisen, eine größere Rolle.

Die Vorlage nennt unter anderem flexible Reiserichtlinien, klare Regelungen zur Kostentrennung sowie individuelle Bedürfnisse von Mitarbeitern als Themen, die Unternehmen künftig stärker berücksichtigen müssten. Gleichzeitig bleibe der persönliche Austausch trotz wachsender Digitalisierung ein wichtiger Faktor. Laut dem GBTA Business Travel Index Outlook 2025 halten 83 Prozent der europäischen Geschäftsreisenden Dienstreisen für wichtig, um Geschäftsziele zu erreichen.

Initiative sieht Geschäftsreisen zunehmend als strategische Managementaufgabe

Die Initiative Chefsache Business Travel bewertet Geschäftsreisen laut Mitteilung zunehmend als strategische Aufgabe. Entscheidend sei nicht mehr allein die Organisation einzelner Reisen, sondern die Frage, welches Reiseformat für einen bestimmten Anlass den größten Nutzen biete.


Zurück

Vielleicht auch interessant

In Österreich entfielen 2024 rund 36 Prozent aller Übernachtungen auf Gäste aus Deutschland – der höchste Anteil innerhalb der EU. Bei den absoluten Übernachtungszahlen deutscher Reisender lag dagegen Italien an der Spitze.

Während die Zahl der mehrtägigen Reisen 2025 insgesamt zurückging, legten die Geschäftsreisen um 10,5 Prozent auf 41 Millionen zu. Auch die Inlandsreisen erreichten mit 169 Millionen einen Rekordwert.

Nur fünf Prozent der Reisenden können echte Destinationsfotos sicher von KI-Bildern unterscheiden. Tennessee reagiert mit einem Echtheitssiegel. Auch für Hotels und Touristiker in Europa ist das Thema relevant: Seit August gelten neue Transparenzpflichten für bestimmte KI-Inhalte.

Früher war kostenloses Essen an Bord auch in der Economy ein Standard. Das gilt längst nicht mehr. Heute ist alles individueller, vieles kostet. Eine Sache aber könnte künftig häufiger gratis sein.

Eine Auswertung von Standortmetadaten weist St. Peter-Ording als meistfotografierten Strand Deutschlands aus. Die Ostsee stellt zwar die Mehrheit der Plätze in den Top 10, die Spitzenränge werden jedoch von Nordseestränden belegt.

Eine Studie der ITB Berlin analysiert Veränderungen bei der Reisesicherheit von LGBTQ-Reisenden. Während Länder wie Kanada und die Niederlande hohe Werte erzielen, verschlechtert sich die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Akzeptanz in den USA.

Großveranstaltungen spielen laut einer US-Umfrage von American Express eine große Rolle bei Geschäftsreisen. Gleichzeitig steigt unter den Befragten die angegebene Nutzung von KI-Werkzeugen; anhand eigener Transaktionsdaten nennt American Express zudem acht Reiseziele mit wachsendem Geschäftsreiseaufkommen.

Immer mehr Touristen aus Südeuropa verbringen ihren Sommerurlaub im Schwarzwald. Die Region punktet mit kühleren Temperaturen - und profitiert von einem Trend.

Eine Analyse untersucht das Suchinteresse an FKK-Themen in 78 deutschen Großstädten und zeigt deutliche Unterschiede zwischen Küstenregionen und Binnenland. Rostock belegt im Gesamtranking den ersten Platz.

TUI hält trotz geopolitischer Belastungen an seiner Jahresprognose fest. Insbesondere der Iran-Krieg und Sonderfaktoren beeinträchtigten die Ergebnisse in den einzelnen Geschäftsfeldern.