Ötztaler Schaftrieb ist Immaterielles Kulturerbe der Menschheit

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Die UNESCO hat die sogenannte „Transhumanz“, also den Schaftrieb von Südtirol auf die Ötztaler Weiden und wieder zurück auf die Internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Österreich, Italien und Griechenland haben den Antrag zur Aufnahme dieser besonderen Art der Alm- und Weidebewirtschaftung gemeinsam eingereicht, das UNESCO-Komitee hat die Aufnahme im Zuge seiner Tagung in Bogota (Kolumbien) nun beschlossen.

2011 wurde die Transhumanz in den Ötztaler Alpen auf die Nationale Liste der UNESCO in Österreich aufgenommen. Seither hat sich der österreichische Kulturverein Pro Vita Alpina mit dem Kulturverein Schnals, in Kooperation mit anderen Ländern und vor allem mit Hilfe der UNESCO Kommission für immaterielles Kulturerbe bemüht, die Tradition der Wanderschäferei auf die Internationale Liste zu bringen. "Es hat geklappt! Wir hoffen, dass diese internationale Auszeichnung auch die direkt beteiligten Schafbauern, Schäfer und TreiberInnen motiviert, ihre uralte Tradition weiterzuführen", freut sich Florentine Prantl von Pro Vita Alpina.

Schauspiel mit Naturnutzen

Blaue Schürzen, lange Bergstöcke aus Holz, das typische „höörla leck leck leck“ und ganz viel weiße Wolle: Es ist jedes Jahr wieder ein Spektakel, wenn rund 5.000 bis 5.500 Schafe begleitet von den Treibern und Treiberinnen im Frühsommer vom Schnalstal in Südtirol ins hintere Ötztal getrieben und im Herbst wieder zurückgetrieben werden. Die Wanderungen sind nichts für Konditionsschwache. Drei Gipfel müssen die Treiberinnen und Treiber samt ihren Schafherden bewältigen: das Timmelsjoch (2494m), das Hochjoch (2885m) und das Niederjoch (3017m).

„Transhumanz“ oder „Wanderweidewirtschaft“ lauten die Fachbegriffe für diese Tradition. Darunter versteht man eine Form der Fernweidewirtschaft, bei der die Tiere über längere Zeit über verschiedene Weidegebiete getrieben werden. Dieses Schauspiel sorgt nicht nur für beeindruckende Bilder, durch die sachgerechte Beweidung leisten die Schäfer und Schäferinnen bis heute einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts.

Einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen

Dazu sind im Frühjahr insgesamt 70 bis 80 meist junge Männer und Frauen aus dem Schnalstal und Vinschgau im Einsatz. Beim Übertrieb vom Timmelsjoch ins Passeiertal sind es vorwiegend Männer aus Obergurgl, die diese Tätigkeit ausüben. Sie leben jährlich drei Monate lang in alten Schäferhütten im Ötztal. Durch die Transhumanz haben sich über viele Generationen hinweg verwandtschaftliche, soziale und kulturelle Beziehungen zwischen den Menschen dies- und jenseits des „Timmels“ entwickelt. "Das ist wirklich eine einzigartige Geschichte im Alpenbogen, diese gemeinsame grenzüberschreitende Weidewirtschaft. Dass es dieses Kulturerbe unserer Väter jetzt auf die internationale UNESCO-Liste geschafft hat, freut uns natürlich unheimlich", zeigt sich der Söldener Bürgermeister, Ernst Schöpf, stolz.

Transhumanz findet in vielen Ländern und Teilen der Erde statt, der Schaftrieb im Ötztal weist aber gleich mehrere Besonderheiten auf: Er gilt als einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen und führt zudem noch über die Gletscher. Und das schon mindestens seit 6.000 Jahren, wie aus der ur- und frühgeschichtlichen Forschung herausgeht. Juli 2009 hat Österreich das entsprechende Übereinkommen unterzeichnet.


 

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