Sixt sieht drohenden Verlust gelassen

| Tourismus Tourismus

Der Autovermieter Sixt schließt rote Zahlen für das Gesamtjahr nicht mehr aus. Mit einer Verkleinerung der Flotte, Kurzarbeit und Stellenabbau ist das das Unternehmen im dritten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Aber «die Nachfrage geht stetig zurück», sagte Vorstandschef Erich Sixt am Donnerstag in Pullach.

Bei Flug- und Geschäftsreisen herrsche Flaute. Er habe inzwischen die Sorge, dass die staatlichen Corona-Beschränkungen Ende November eher noch verschärft werden. «Einen Verlust kann ich nicht ausschließen», sagte Sixt mit Blick auf die nächsten, «zweifellos anspruchsvollen Monate». Es wäre der erste Jahresverlust in der Firmengeschichte. Mit 1,4 Milliarden Euro Eigenkapital, 500 Millionen Euro Bankguthaben und bei weitem nicht ausgeschöpften Krediten stehe sein Unternehmen - im Gegensatz zur angeschlagenen Konkurrenz - jedoch so solide da, «dass wir noch jahrelang Verluste machen könnten».

Zu Berichten über einen möglichen Einstieg von VW bei der Sixt SE sagte der 76-jährige Firmenpatriarch: «Das Unternehmen ist mein Leben. Das würde ich niemals verkaufen.» Er habe immer Wert darauf gelegt, dass seine Familie die Kontrolle über das Geschäft behalte, und freue sich, dass mit seinen beiden Söhnen im Vorstand «jetzt die vierte Generation erfolgreich tätig ist».

Im dritten, wegen des Urlaubs- und Tourismusgeschäft eigentlich wichtigsten Quartal machte Sixt nur halb so viel Umsatz und Gewinn wie im Vorjahr. Aber ein Gewinn von 66 Millionen Euro vor Steuern «ist nicht nur ein symbolischer Gewinn», sagte Erich Sixt und betonte die Umsatzrendite von 14 Prozent. Von Januar bis Ende September steht damit ein Umsatzrückgang um 38 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro und im fortgeführten Geschäft ein Verlust von 81 Millionen Euro in den Büchern. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Leasing-Beteiligung steht unter dem Strich ein Gewinn von 20 Millionen Euro.

Sixt habe die Autoflotte um ein Viertel verkleinert, die Zahl der Mitarbeiter von 8100 auf 7200 reduziert, sehr viele in Kurzarbeit geschickt und so 400 Millionen Euro eingespart, erklärte Vorstandsmitglied Alexander Sixt. Freie Stellen würden nicht mehr nachbesetzt. Kündigungen habe es nur wenige gegeben.

Auf der anderen Seite bereitetet sich Sixt mit der internationalen Expansion und dem Ausbau der Digitalisierung weiter auf die Zeit nach der Krise vor. In den USA übernahmen die Pullacher zehn Stationen von einem insolventen Autovermieter und haben damit 100 Vermietstationen mit 32 Milliarden Dollar Marktvolumen in den USA - «das ist mehr als der gesamte deutsche Vermietmarkt», sagte Erich Sixt. Das neue Auto-Abo-Angebot sei in Deutschland, Holland und New York sehr gut angelaufen. «Wir haben unsere Hausuafgaben gemacht und sind bestens gerüstet.»

Während Daimler und BMW ihren gemeinsamen Mobilitätsdienst Your Now auf den Prüfstand stellen und mit Uber über den Verkauf ihrer Taxi-Vermittlung Free Now verhandeln, will Sixt sein Carsharing sogar ausbauen. «Wir sind wahrscheinlich die einzige Carsharing-Gesellschaft, die profitabel ist. Weil wir auch Vermieter sind und die Fahrzeuge wechselseitig einsetzen können», sagte der Vorstandschef. An Free Now habe er kein Interesse, weil er diese Angebote schon in der Sixt-App habe und grundsätzlich Gegner großer Übernahmen sei.

Die großen Konkurrenten sind bisher schlechter durch die Krise gekommen: Hertz ist bereits in einem Schutzschirm-Verfahren, Avis-Budget hat von Januar bis Ende September 594 Millionen Dollar Verlust gemacht, Europcar hat 296 Millionen Euro Verlust gemacht.

Zurück

Vielleicht auch interessant

Während die Zahl der mehrtägigen Reisen 2025 insgesamt zurückging, legten die Geschäftsreisen um 10,5 Prozent auf 41 Millionen zu. Auch die Inlandsreisen erreichten mit 169 Millionen einen Rekordwert.

Nur fünf Prozent der Reisenden können echte Destinationsfotos sicher von KI-Bildern unterscheiden. Tennessee reagiert mit einem Echtheitssiegel. Auch für Hotels und Touristiker in Europa ist das Thema relevant: Seit August gelten neue Transparenzpflichten für bestimmte KI-Inhalte.

Früher war kostenloses Essen an Bord auch in der Economy ein Standard. Das gilt längst nicht mehr. Heute ist alles individueller, vieles kostet. Eine Sache aber könnte künftig häufiger gratis sein.

Eine Auswertung von Standortmetadaten weist St. Peter-Ording als meistfotografierten Strand Deutschlands aus. Die Ostsee stellt zwar die Mehrheit der Plätze in den Top 10, die Spitzenränge werden jedoch von Nordseestränden belegt.

Eine Studie der ITB Berlin analysiert Veränderungen bei der Reisesicherheit von LGBTQ-Reisenden. Während Länder wie Kanada und die Niederlande hohe Werte erzielen, verschlechtert sich die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Akzeptanz in den USA.

Großveranstaltungen spielen laut einer US-Umfrage von American Express eine große Rolle bei Geschäftsreisen. Gleichzeitig steigt unter den Befragten die angegebene Nutzung von KI-Werkzeugen; anhand eigener Transaktionsdaten nennt American Express zudem acht Reiseziele mit wachsendem Geschäftsreiseaufkommen.

Immer mehr Touristen aus Südeuropa verbringen ihren Sommerurlaub im Schwarzwald. Die Region punktet mit kühleren Temperaturen - und profitiert von einem Trend.

Eine Analyse untersucht das Suchinteresse an FKK-Themen in 78 deutschen Großstädten und zeigt deutliche Unterschiede zwischen Küstenregionen und Binnenland. Rostock belegt im Gesamtranking den ersten Platz.

TUI hält trotz geopolitischer Belastungen an seiner Jahresprognose fest. Insbesondere der Iran-Krieg und Sonderfaktoren beeinträchtigten die Ergebnisse in den einzelnen Geschäftsfeldern.

Anstatt auf Reiseverzicht zu setzen, bevorzugen Reisende zunehmend nachhaltigere Alternativen innerhalb ihrer Reiseplanung. Die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Angebote wächst, Nachhaltigkeitssiegel gewinnen an Bedeutung.