Tourismus in Schleswig-Holstein auf Rekordkurs

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Der Tourismus in Schleswig-Holstein bleibt bei gebremstem Wachstum auf Rekordkurs. Im ersten Halbjahr kamen gut 4,276 Millionen Gäste in das nördlichste Bundesland, das war ein Zuwachs von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und ein Bestwert. Bei den Übernachtungen fiel das Plus von Januar bis Juni mit 0,4 Prozent auf gut 15,821 Millionen weniger deutlich aus.

Die Zahlen des Statistikamts Nord bestätigen den Trend zu kürzeren Reisen, wie Tourismusminister Claus Ruhe Madsen (CDU) bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz sagte. Der Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH), Stefan Borgmann, sagte, man beobachte seit Jahren auch den Trend zu spontaneren Buchungen. Zum Teil werde erst während der Fahrt in den Urlaub gebucht. «Das macht unseren Betrieben zu schaffen, denn die Planbarkeit sinkt.»

Ostsee und Binnenland wachsen

Im ersten Halbjahr schnitten die Ziele an der Ostsee und im Binnenland mit einem leichten Zuwachs besser ab als die Nordseeküste, an der es insgesamt leicht negative Zahlen gab. Übernachtungen auf Campingplätzen blieben stabil. Der Trend zu weniger, aber größeren Betrieben setzte sich fort. Im Juni waren 3.401 Beherbergungsbetriebe mit mehr als 339.000 Betten geöffnet. 2025 waren es noch 3.446 Unternehmen mit gut 334.000 Betten.

Für Urlauberinnen und Urlauber werde der Erlebnischarakter einer Destination zunehmend wichtiger, sagte Madsen. Außerdem müssten Preis und Leistung in einem angemessenen Verhältnis stehen. Daran müsse man in Schleswig-Holstein weiter arbeiten. «Wir setzen uns immer wieder für den Qualitätstourismus ein. Wir müssen jeden Tag ein bisschen besser werden.»

Der Minister erinnerte an die große Bedeutung des Tourismus für Schleswig-Holstein. Dieser erwirtschafte mehr als 10 Milliarden Euro. Es seien rechnerisch mehr als 160.000 Menschen im Tourismus des Landes beschäftigt. «Es ist eine wahnsinnig wichtige Branche für uns», so Madsen.

An der Spitze der Tourismusorte in Schleswig-Holstein liegt Sylt. Die Gemeinde auf Deutschlands nördlichster Insel erreichte einen Zuwachs von 1,3 Prozent auf mehr als 1,41 Millionen Übernachtungen. Lübeck mit fast 993.000 Übernachtungen musste einen Rückgang von 3,0 Prozent hinnehmen.

Rückgänge gab es unter anderem auch auf Fehmarn (- 2,9 Prozent), St. Peter-Ording (- 3,6 Prozent) und Wyk auf Föhr (- 6,3 Prozent). Wachsen konnten dagegen beispielsweise Timmendorfer Strand (+ 1,8 Prozent), Grömitz (+4,6 Prozent) und Kappeln (+6,5 Prozent).

Nur 4,9 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland nach Schleswig-Holstein. Das traditionell stärkste Herkunftsland Dänemark schwächelt dabei seit einigen Jahren. In den ersten sechs Monaten kamen knapp 215.000 Dänen und damit 8,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Mehr Gäste reisten dagegen aus der Schweiz an. Gut 75.000 waren eine Steigerung um 3,2 Prozent.

Nach Borgmanns Angaben kommt ein wachsender Teil der Schleswig-Holstein-Urlauber aus dem eigenen Land. Ein Grund könnten die hohen Kraftstoffpreise sein. Die im Vergleich meisten Gäste kommen aus Nordrhein-Westfalen.

Anpassung an Trend zu kürzerem Urlaub

Einer Tourismusstudie zufolge müsste Schleswig-Holstein bis 2035 ohne Anpassung allein wegen des Trends zu kürzeren Reisen mit einem leichten Rückgang der Übernachtungszahlen rechnen, sagte Borgmann. «Dem müssen wir begegnen.» Man müsse die Potenziale im Ausland und im Inland in den Blick nehmen. So könnten neben den Hauptherkunftsländern Dänemark, Schweden, Niederlande, Schweiz, Österreich und Polen noch Norwegen, Großbritannien und Belgien stärker werden.

In Deutschland böten vor allem Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin weiteres Potenzial. Angesichts begrenzter finanzieller Mittel müsse man sich entscheiden, sagte der Geschäftsführer. «Wo bringen wir am besten unsere Werbemaßnahmen an, damit wir den größten Effekt haben?»

In den Zahlen des Statistikamts sind Zahlen von Betrieben mit mindestens zehn Betten berücksichtigt. (dpa)


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