Zu spät am Flughafen - kein Anspruch auf Flug

| Tourismus Tourismus

Wer am Flughafen zu spät zum Gate kommt, hat keinen Anspruch mehr auf den Flug - auch wenn das Flugzeug noch da steht und verspätet abhebt. Das hat das Amtsgericht München in einem am Freitag veröffentlichten Urteil entschieden. Es wies die Klage einer Urlauberin gegen einen Münchner Reiseveranstalter ab. Die Frau und ihr Lebensgefährte hatten im März 2019 vom Frankfurter Flughafen aus zu einer Pauschalreise nach Ägypten aufbrechen wollen.

Allerdings wurde ihnen der Einstieg in das Flugzeug am Gate mit der Begründung verweigert, das Boarding sei bereits beendet. Auf den Flugtickets waren die Boarding-Time nach Gerichtsangaben mit 16.55 Uhr und die Abflugzeit mit 17.25 Uhr angegeben.

Tatsächlich verließ das Flugzeug das Gate erst um 17.39 Uhr - weil das Gepäck der Reisenden ausgeladen werden musste, das sich schon im Flugzeug befand. Die Klägerin buchte daraufhin einen neuen Flug - und forderte die Kosten dafür vom Reiseunternehmen zurück. Sie meint, die Fluggesellschaft hätte sie am Gate nicht zurückweisen dürfen.

Zu spät am Flughafen

Durfte sie aber, entschied die Richterin (Az. 275 C 17530/19). Die Reisenden waren nach Gerichtsauffassung um 17.14 Uhr und damit weniger als 12 Minuten vor dem planmäßigen Abflug am Gate erschienen. «Eine Ankunft 18 Minuten nach angegebener Boarding-Time» sei «nicht mehr rechtzeitig».

«Die Reisenden wussten, das Boarding-Time um 16.55 Uhr war, eine Mindestboarding Time ist dabei nicht geschuldet», urteilte die Richterin. «Es steht der jeweiligen Airline frei, den Schluss des Boardings entsprechend ihren Abläufen und den noch zu tätigenden Vorbereitungsmaßnahmen selbst zu bestimmen.» Darum müsse ein Zusteigen bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Flugzeug das Gate verlässt, nicht gewährleistet sein.

Ausnahme bestätigt die Regel

«Dass es in Ausnahmefällen auch nach Schließung der Flugzeugtüren noch zur Aufnahme von Fluggästen kommt, steht dem nicht entgegen», hieß es in dem rechtskräftigen Urteil. Da bestätige die Ausnahme die Regel: «Würde ein genereller Anspruch bestehen, wäre eine erhebliche Störung des Flugverkehrs zu erwarten.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Früher war der Sommerurlaub immer auch eine Selbstvergewisserung - im Ausland lief vieles nicht so gut wie zu Hause. Heute ist das oft anders. Ein Experte sieht sogar eine Gefahr für die Demokratie.

Im aktuellen PiNCAMP-Ranking für 2026 rücken deutsche Campingplätze stärker in den Fokus der Nutzer. Mit 39 Anlagen in den Top 100 stellt Deutschland die meisten Standorte im europäischen Vergleich.

Während der Branchenverband bundesweit von sinkenden Umsätzen berichtet, ziehen Freizeit- und Erlebnisparks im Norden eine positivere Zwischenbilanz des Sommers. Sie nennen dafür auch Gründe.

Urlaub kann manchmal hektisch werden. Deshalb setzen viele Reisende inzwischen auf Slow Travel. Das bedeutet, dass du weniger Orte bereist, aber dafür mehr Zeit an jedem einzelnen verbringst. Wir stellen dir das Konzept im Folgenden vor.

Die Zahl der Gäste und der Übernachtungen in Rheinland-Pfalz war im ersten Halbjahr so hoch wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. Wirtschaftsminister Michael Ebling sieht sogar einen Boom.

Dänemark erlebt einen Urlauber-Ansturm: Im ersten Halbjahr gab es einen neuen Übernachtungsrekord. Besonders Deutsche zieht es ins Nachbarland – 7,5 Millionen Übernachtungen gingen auf ihr Konto.

Reisende sind der Tourismusbranche beim Einsatz Künstlicher Intelligenz nach Darstellung einer neuen Studie zwei Jahre voraus. Während 54 Prozent der befragten US-Reisenden KI bereits für die Reiseplanung genutzt haben, bieten 22 Prozent der befragten Destination Marketing Organizations entsprechende Funktionen auf ihren Internetseiten an.

Der dritte European Travel Trend Report der Dertour Group belegt das wachsende Interesse an Slow Travel, digitalen Auszeiten und Solo-Reisen. Besonders in Deutschland gewinnen entschleunigte Reiseformen und Alleinreisen stark an Bedeutung.

Manche sehen in der belgischen Stadt eine Stadt der Verlierer, doch Künstler machen aus der Not eine Tugend: Sie führen zu Lost Places und erschließen Kohlehalden als Wanderreviere.

In Österreich entfielen 2024 rund 36 Prozent aller Übernachtungen auf Gäste aus Deutschland – der höchste Anteil innerhalb der EU. Bei den absoluten Übernachtungszahlen deutscher Reisender lag dagegen Italien an der Spitze.