Corona: Viele Bürger Ischgls waren infiziert

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Eine neue Untersuchung liefert Zündstoff zur Rolle von Ischgl in Österreich bei der Verbreitung des Coronavirus. Nach Angaben der Medizinischen Universität Innsbruck haben 42,4 Prozent der in einer umfassenden Studie getesteten Bürger, hat Antikörper auf das Coronavirus gebildet. Das sei der weltweit höchste bisher publizierte Wert, sagte die Direktorin des Instituts für Virologie, Dorothee von Laer, am Donnerstag in Innsbruck.

Zum Vergleich: In einem der ersten Corona-Hotspots in Deutschland, Gangelt im Kreis Heinsberg, waren laut einer Anfang April durchgeführten Studie gut 15 Prozent der Einwohner infiziert oder hatten eine Infektion bereits hinter sich. Den Angaben aus Innsbruck zufolge wiesen vergleichbare Studien für Gröden in Südtirol Werte von 27 Prozent und für Genf von zehn Prozent auf. Antikörper im Blut gelten als Nachweis für eine durchgemachte Infektion.

Ischgl mit seinen Après-Skibars gilt als Brennpunkt für die Ausbreitung des Coronavirus in Österreich und Teilen Europas. Nach Angaben österreichischer Behörden waren zeitweise 40 Prozent aller Fälle im Inland auf Ischgl zurückzuführen. Auch viele deutsche Touristen haben sich nach ihrer Überzeugung in Ischgl angesteckt.

Eine Kommission im Bundesland Tirol soll nun das stark kritisierte Krisenmanagement unter die Lupe nehmen. Das Paznauntal mit den Orten Ischgl und Galtür wurde am 13. März unter Quarantäne gestellt. Aus Sicht von Kritikern und Betroffenen hätte dieser Schritt früher erfolgen müssen.

Auffällig sei, dass von den positiv auf Antikörper getesteten Personen zuvor nur 15 Prozent die Diagnose erhalten hatten, infiziert zu sein, sagte von Laer. «85 Prozent derjenigen, die die Infektion durchgemacht haben, haben das unbemerkt durchgemacht.» Trotz des hohen Antikörper-Werts sei auch in Ischgl keine Herden-Immunität erreicht. Entscheidend für den Rückgang der Fälle seien die Quarantäne und die soziale Distanz gewesen, hieß es.

Die Studie beweise, dass das Sars-CoV-2 Virus bereits im Februar in Ischgl verbreitet gewesen sein müsse, da es bei den Touristen, aber eben auch bei den Einheimischen zu einer massenhaften Ansteckung gekommen sei, erklärte Peter Kolba vom Verbraucherschutzverein (VSV). Wäre rechtzeitig bei auch unklaren Symptomen getestet worden, hätten die Behörden früher handeln müssen. «Das hätte Tausende Touristen vor einer Infektion mit teils schweren Folgen bewahrt», so Kolba. Bei ihm haben sich mehr als 6.000 Tirol-Urlauber, davon 4.000 Deutsche, als Geschädigte gemeldet. Kolba hatte das Land Tirol wegen des Managements der Corona-Krise angezeigt und strebt eine Klage an.

Da es sich bei Ischgl um eine Gemeinde handele, die aufgrund sogenannter Superspreading-Events überdurchschnittlich von der Pandemie betroffen und durch strikte Quarantänemaßnahmen von der Umwelt abgeschlossen gewesen sei, könnten aus der Studie wichtige Erkenntnisse zu Virus-Ausbreitung und Infektionsverlauf gewonnen werden, so die Universität.

Rund 80 Prozent der Ischgler Bevölkerung nahmen an der Studie teil. 1.473 Probanden waren zwischen 21. und 27. April untersucht worden. (dpa)


 

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