Fußball-EM 2024: Handel erwartet Boom - Hotels und Gaststätten noch verhalten

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Weniger als vier Wochen vor dem Beginn der Fußball-EM in Deutschland, blicken Branchenverbände mit gemischten Erwartungen auf das Großereignis. Während vor allem der Handel einen positiven Schub erwartet, zeigt sich bei Hotels und Gaststätten teils noch Zurückhaltung. 

Die Einzelhändler rechnen mit zusätzlichen Umsätzen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Schätzung stützt sich auf eine repräsentative Umfrage von HDE und dem Marktforschungsunternehmen Appinio.

Umsatzentwicklung vom Turnierverlauf abhängig

Besonders gefragt sind demnach neben Lebensmitteln Fanartikel. Fast jeder Dritte interessiert sich für Fanartikel wie Schals, Fahnen und Dekoartikel. Beliebt sind auch Sportartikel sowie Produkte aus dem Bereich Wohnen und Garten, Spielwaren und Elektronik. 60 Prozent planen Einkäufe in Höhe von 51 bis 200 Euro, jeder Fünfte mehr. Die Fußball-EM findet vom 14. Juni bis 14. Juli statt.

«Im Einzelhandel sorgen große Sportereignisse immer wieder für Umsatzimpulse. Die diesjährige Heim-EM könnte den Konsum in einzelnen Branchen und Warengruppen ankurbeln», sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Entwicklung der Umsätze hänge auch mit dem Turnierverlauf und dem Abschneiden der deutschen Elf zusammen. 

Gemischtes Bild bei Hotel und Gaststätten

Unabhängig vom Erfolg der deutschen Mannschaft blicken Hotels und Gaststätten im Land vor der EM vor allem auf ihre Buchungslage. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) zeige sich mit Blick auf die Zahlen bisher allerdings ein eher gemischtes Bild, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. 

Während 29,4 Prozent der Betriebe in den Ausrichterstädten einen besseren Buchungsstand im EM-Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen, meldeten 34,6 Prozent eine Verschlechterung. Bei 36 Prozent sei der Buchungsstand konstant. «Auch wenn nicht alle Gastgeber unmittelbar von einem sportlichen Mega-Ereignis wie der EM profitieren, sind die möglichen positiven Effekte für eine Stimmungsaufhellung im Land sowie für die Stärkung des Tourismusstandortes Deutschland nicht zu unterschätzen», so Hartges. 

Viele Suchanfragen bei Airbnb

Der Plattformbetreiber Airbnb verzeichnet nach eigenen Angaben bei der Suche nach Unterkünften an den Austragungsorten im EM-Zeitraum einen deutlichen Anstieg. Die Suchanfragen nach Airbnb-Unterkünften in diesen Städten während der Turniermonate seien im Vergleich zum Sommer 2023 um über 100 Prozent gestiegen.

Eine Unterkunft koste während der EM durchschnittlich 178 Euro pro Nacht, Airbnb-Privatzimmer lägen bei 88 Euro, teilte das Portal mit. Die durchschnittliche Übernachtungsdauer liege bei drei Tagen. Die meisten Übernachtungen seien in Berlin (42 Prozent) und München (14 Prozent) gebucht worden. Nach Buchungen von Gästen aus Deutschland folgen das Vereinigte Königreich sowie die USA und Frankreich.

Viele Buchungen aus Vereinigtem Königreich

Auch beim Buchungsportal Booking.com stehen Reisende aus Deutschland bei den Buchungen an erster Stelle, gefolgt vom Vereinigten Königreich, Spanien, den USA und den Niederlanden. Bei Reisenden aus dem Vereinigten Königreich habe sich die Unterkunftssuchen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (+ 140 Prozent), teilt das Portal mit. 

Laut eigens erhobenen Daten sind Berlin, München, Hamburg, Köln und Frankfurt die meistgesuchten Austragungsorte für einen Aufenthalt während der EM. Von den zehn Austragungsorten haben Düsseldorf (+ 50 Prozent) und Gelsenkirchen (+ 32 Prozent) demnach den höchsten Anstieg der Suchanfragen von Reisenden im Vergleich zum Vorjahr.

«Langfristig haben Großveranstaltungen wie Fußballturniere positive Auswirkungen auf den deutschen Tourismussektor, die Beherbergungsbetriebe und die Verbraucher», hieß es von Booking.com. Das führe nicht nur im Beherbergungsgewerbe, sondern in der gesamten Tourismusbranche zu einem Anstieg der Ausgaben.  (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Struktureller Wandel bei der dfv Mediengruppe: Die eigenständige redaktionelle Arbeit der Fachmedien tw tagungswirtschaft und m+a report wird zum 31. März 2026 eingestellt. Die Marken werden in die veranstaltungsorientierte dfv Conference Group überführt.

Ferienzeit, alle wollen weg – aber wer darf zuerst? Arbeitgebende müssen bei der Urlaubsplanung soziale Aspekte berücksichtigen. Das kann bedeuten, dass Eltern Vortritt haben, muss es aber nicht.

Rund 8,70 Euro für eine Tasse Cappuccino - dieser Preis an einer Raststätte in Österreich sorgte zuletzt für Aufsehen. Doch anderswo in Europa werden vereinzelt zweistellige Preise für Kaffee verlangt. Wie leistbar ist das Getränk in europäischen Ländern? Ein Überblick

Die erweiterte Verdienstungleichheit in Deutschland stagniert. Laut aktuellem Bericht des Statistischen Bundesamtes liegt der Gender Gap Arbeitsmarkt weiterhin bei 37 Prozent, wobei erhebliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen bleiben.

Das deutsche Gastgewerbe kämpft weiterhin mit den Folgen der Krise. Im Jahr 2025 lagen die realen Umsätze fast 15 Prozent unter dem Niveau von 2019. Steigende Kosten und eine schwache Konsumstimmung belasten die Betriebe trotz nominaler Zuwächse.

Die aktuelle Dehoga-Umfrage zum Jahresauftakt 2026 belegt eine anhaltende Flaute im Gastgewerbe. Hohe Personalkosten und bürokratische Hürden belasten die Betriebe nach dem sechsten Verlustjahr in Folge massiv.

Die neue DIN 33463 definiert erstmals bundesweite Mindeststandards für Tagungspauschalen. Die Norm soll für mehr Transparenz im MICE-Markt sorgen und die Vergleichbarkeit von Hotelangeboten bei Veranstaltungen signifikant erleichtern.

Zwei Krankschreibungen ohne Unterbrechung – gibt das erneut für sechs Wochen Lohnfortzahlung? Ein Gericht stellt klar: Nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Die Generation Z leidet laut einer aktuellen Swiss-Life-Studie doppelt so häufig unter Stress wie die Babyboomer. Während 82 Prozent der Deutschen über stressbedingte Beschwerden klagen, offenbaren sich bei der Akzeptanz von Homeoffice und flexibler Arbeit tiefe Gräben zwischen den Generationen und Defizite in der betrieblichen Vorsorge.

Der Zoll zieht Bilanz: Im Jahr 2025 führt das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe die Statistik der eingeleiteten Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren an. Mit einer Gesamtschadenssumme von 675 Millionen Euro und neuen digitalen Befugnissen verschärft die Finanzkontrolle Schwarzarbeit ihr Vorgehen gegen illegale Beschäftigungsstrukturen.