Inflation: Verbraucherpreise steigen wieder stärker

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Seit Monaten belastet die hohe Inflation die Menschen in Deutschland. Im Juni zog die Teuerung nach drei Rückgängen in Folge vorläufigen Berechnungen zufolge wieder stärker an. Besonders deutlich stiegen erneut die Nahrungsmittelpreise (plus 13,7 Prozent). Die endgültigen Juni-Ergebnisse gibt das Statistische Bundesamt an diesem Dienstag bekannt.

Was ist Inflation und wie wird sie berechnet?

Die Preise für Waren und Dienstleistungen können sich in einer Marktwirtschaft jederzeit ändern - einige steigen, andere fallen. Erhöhen sich Preise allgemein, spricht man von Inflation. Das Statistische Bundesamt berechnet jeden Monat, wie sich Preise in Deutschland im Vergleich zum Monat davor und im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres entwickelt haben. Dazu notieren Mitarbeiter der Statistischen Landesämter und des Bundesamtes in Geschäften, was Obst und Gemüse, Schuhe oder Möbel kosten. Wie hoch ist die Wohnungsmiete, was kostet der Sprit an der Tankstelle? Tausende Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden repräsentativ nach einem stets gleichen Schema erfasst. Ein Teil wird auch im Internet erhoben.

Warum haben sich Lebensmittel stark verteuert?

Das liegt zum großen Teil an den gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten infolge des Ukraine-Krieges. Bauern beklagten höhere Kosten: von Energie über Futter bis zu Stickstoffdünger. «Das höhere Kostenniveau belastet uns nach wie vor, auch wenn wir nicht mehr dieses extreme Niveau haben wie zuvor», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied zu Auswirkungen des Krieges auf Düngemittel und Energie jüngst. Der Handel wies unter anderem auf hohe Energie- und Rohstoffkosten hin. Steigen die Getreide- und Energiepreise, wird es beispielsweise für Bäcker teurer, Brot und Backwaren zu produzieren. Wie stark höhere Kosten an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden können, hängt auch vom Wettbewerb vor Ort ab.

Teilweise kommen steigende Energie- und Rohstoffkosten auch erst mit zeitlicher Verzögerung beim Endkunden an. Das gilt umgekehrt für sinkende Kosten. «So wie sich die Preissteigerungen in der Lebensmittellieferkette erst zeitversetzt in den Verbraucherpreisen bemerkbar gemacht haben, wird sich die Entspannung bei den Erzeugerpreisen erst nach und nach in den Lebensmittelverkaufspreisen sichtbar machen», sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Lebensmittel, Franz-Martin Rausch, unlängst.

Welche Rolle spielen die Lebensmittelkonzerne?

Immer wieder wird auch der Verdacht geäußert, dass große Lebensmittelkonzerne die hohe Inflation zu unangemessenen Preisanhebungen nutzten. Der Chef des Handelsriesen Rewe, Lionel Souque, sieht inzwischen eine leichte Entspannung im Preisstreit des Handels mit der Lebensmittelindustrie. Zwar forderten die Hersteller mittlerweile seltener Preiserhöhungen. Aktuell sei allerdings kaum ein Hersteller bereit, sinkende Rohstoffkosten in Form von Preissenkungen weiterzugeben. «Das geht so nicht, da braucht es noch "Erziehung"», sagte Souque jüngst der «Wirtschaftswoche».

Warum ist die Berechnung der Inflation überhaupt wichtig?

Steigen die Preise auf breiter Front über einen längeren Zeitraum stark, können sich die Menschen immer weniger für ihr Geld leisten und büßen einen Teil ihre Ersparnisse ein. Aber auch dauerhaft niedrige oder sinkende Preise können gefährlich sein. Sie können Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - und das kann die Konjunktur bremsen. Die Notenbanken beobachten daher genau, wie sich die Inflation entwickelt.

Was können Notenbanken tun?

Die Währungshüter steuern notfalls gegen, zum Beispiel mit Zinssenkungen bei schwacher Inflation oder Zinserhöhungen bei starkem Anstieg der Verbraucherpreise. Höhere Zinsen verteuern Kredite. Das kann die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Preisstabilität im Euroraum bei mittelfristig bei einer Teuerungsrate von 2 Prozent gewahrt. Im Juni lag die Inflation im gemeinsamen Währungsraum mit 5,5 Prozent deutlich darüber. «Wir werden noch eine geraume Zeit mit zu hohen Inflationsraten leben müssen, das ist eine harte Wegstrecke», sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel jüngst. «Da muss die Geldpolitik hartnäckig bleiben.» Die EZB hat die Zinsen im Euroraum bislang in einer beispiellosen Serie acht Mal in Folge erhöht.

Warum ist die Inflation im Juni wieder stärker gestiegen?

Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen die Verbraucherpreise im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,4 Prozent. Im Mai lag die Jahresteuerungsrate noch bei 6,1 Prozent. Volkswirte führen das höhere Tempo vor allem auf einen Sondereffekt zurück. Ein Jahr zuvor dämpften das auf drei Monate befristete 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr und der Tankrabatt zeitweise den Preisauftrieb. Dieser Effekt entfällt in diesem Jahr. «Die Juni-Zahlen unterbrechen nur den Abwärtstrend der Inflation, markieren aber noch nicht sein Ende», erläuterte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Mit einer durchgreifenden Entspannung bei den Preisen können die Menschen in Deutschland aus Sicht von Ökonomen in diesem Jahr aber noch nicht rechnen. Sie erwarten eine Teuerungsrate um 2 Prozent im Jahresschnitt hierzulande erst wieder 2024. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Gastronomie und die Hotellerie in Deutschland haben im April 2026 preisbereinigt jeweils 7,4 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahresmonat. Für das Gastgewerbe insgesamt weist das Statistische Bundesamt ein reales Minus von 7,1 Prozent aus.

Deutschland liegt laut einer internationalen Studie beim Einsatz KI-generierter Spesenbelege an der Spitze. Jeder zehnte Beschäftigte nutzt solche Belege regelmäßig, während jeder Fünfte angibt, Ausgaben grundsätzlich falsch darzustellen.

Eine Umfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement zeigt für 2026 ein überwiegend stabiles Geschäftsreiseaufkommen. Gleichzeitig berichten viele Unternehmen von wachsender Unsicherheit durch Preissteigerungen, geopolitische Risiken und Einschränkungen im Luftverkehr.

Urlaub ist in Zeiten der Inflation eine teure Sache. Selbst mit Tarifvertrag bekommen längst nicht alle Beschäftigten einen Zuschuss. Eine Studie zeigt, wer mit Geld für die Reisekasse rechnen kann.

Eine Umfrage zeigt, dass ein Drittel der Deutschen im Alltag durch digitale Technologien überfordert ist. Neben Senioren betrifft dies auch jeden vierten Erwachsenen unter 50 Jahren, weshalb der Ruf nach staatlichen Bildungsangeboten wächst.

Wer sich eine Auszeit nehmen möchte, um Zeit mit seinem Kind zu verbringen, kann Elternzeit beantragen. Gehalt gibt es für die Zeit zwar nicht, doch es greifen währenddessen andere Vorteile – darunter auch ein umfangreicher Kündigungsschutz.

Im März 2026 haben die deutschen Amtsgerichte 2.308 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das 15,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Am stärksten betroffen waren die Bereiche Verkehr, Lagerei und Gastgewerbe.

Hilton hat eine Untersuchung zur Zukunft der Arbeitsplatzkultur veröffentlicht. Demnach bestimmen trotz des technologischen Wandels vor allem menschliche Faktoren die Produktivität und die Zufriedenheit im Beruf.

Die Beschäftigung im Gastgewerbe liegt weiterhin über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Gleichzeitig geht die Zahl der gemeldeten offenen Stellen zurück, während sich die Arbeitsmarktentwicklung in einzelnen Branchenbereichen unterschiedlich zeigt.

Die Thüringer halten in der Konjunkturflaute ihr Geld zusammen und gehen seltener essen oder buchen Hotelübernachtungen. Das macht die Lage im Gastgewerbe nicht leichter.