Preise für Tasse Kaffee in Europa teilweise über 10 Euro

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Rund 8,70 Euro für eine Tasse Cappuccino - dieser Preis an einer Raststätte in Österreich sorgte zuletzt für Aufsehen. Doch anderswo in Europa werden vereinzelt zweistellige Preise für Kaffee verlangt. Wie leistbar ist das Getränk in europäischen Ländern? Ein Überblick:

Wien: Steigende Preise, sinkender Pro-Kopf-Umsatz

Der genannte Spitzenpreis in Österreich liegt deutlich über dem üblichen Niveau in dem Alpenland. In Wien, wo Kaffeehäuser zum Kulturgut zählen, kosten der Cappuccino und die traditionellere Wiener Melange vielerorts zwischen 5 und knapp 6 Euro. 

Wer Melange lieber mit Sahne statt Milchschaum trinkt, zahlt in manchen Edel-Kaffeehäusern mehr als 7 Euro. In den vergangenen Jahren seien insbesondere die Gastronomie-Löhne stark gestiegen, erklärt Kaffeehaus-Branchenvertreter Wolfgang Binder das hohe Preisniveau. Die Gäste reagieren: Binder berichtet von gesunkenen Pro-Kopf-Umsätzen.

Kopenhagen: 10,50 Euro für Luxus-Filterkaffee

In Dänemark belegt Kopenhagen in Kaffeepreis-Rankings immer wieder Spitzenplätze innerhalb der EU. Im Durchschnitt kostet ein Cappuccino in der Hauptstadt um die 6 Euro, in exklusiven Lagen oder an sehr touristischen Orten auch schon mal 8 Euro. In der berühmten Kopenhagener Konditorei La Glace gibt es allerdings nur Filterkaffee - zum stolzen Preis von etwa 10,50 Euro. 

Die hohen Preise sind nicht überraschend: Lebensmittel sind in Dänemark generell teuer und mit einer Mehrwertsteuer von 25 Prozent belegt. Und die Dänen verdienen sehr gut: Das bereinigte Monatsgehalt liegt bei durchschnittlich knapp 6.000 Euro.

Auch in der Schweiz: Hohe Löhne, hohe Preise

Umgerechnet gut 7 Euro für einen Cappuccino in der Schweiz - in Zürich und Genf ist das keine Seltenheit. Auch der Schweizer Verdienst ist im Vergleich zu Deutschland ziemlich hoch. Bei Discount-Händlern liegt der Mindestlohn für ungelernte Kräfte bei umgerechnet gut 5.000 Euro im Monat brutto. Allerdings sind auch die Kosten für Mieten und Gesundheit hoch.

Paris: Lokalmieten als Preisfaktor

In Frankreichs Hauptstadt Paris kann man in touristischen Hotspots an den österreichischen Spitzenpreis herankommen, wenn man es auf Cappuccino abgesehen hat. Die Preise reichen von 2 Euro für einen einfachen Kaffee am Tresen des Bistros im Stadtteil bis über 5 Euro für einen Cappuccino im Zentrum. Bei den Preisen spielen die Lokalmieten eine Rolle. Am Rand der Innenstadt wurde vor kurzem ein traditionsreiches Café zwangsgeräumt, weil es die Jahresmiete von 210.000 Euro nicht mehr aufbringen konnte.

Italien: Aufpreis für Sitz-Kaffee

Im Heimatland des Cappuccino gehen die Preise weit auseinander. In Rom bekommt man die Tasse schon für 1,20 Euro - aber wenn man dorthin geht, wo die Touristen sind, kann man auch ein Vielfaches zahlen. Im Süden Italiens ist der Cappuccino billiger als im Norden. 

Es kommt auch darauf an, ob man seinen Kaffee im Stehen trinkt oder im Sitzen: Wer länger bleiben will, zahlt einen Aufpreis. «Coffee to go» hat sich nie durchgesetzt. Die Vorstellung, seinen Kaffee hektischen Schrittes aus einem Pappbecher hinunterzuschlucken, verursacht hier Magenschmerzen. 

Große Preisspanne auch in Spanien

In Madrid bestellt man selten einen Cappuccino. Stattdessen ist der «Cortado», ein Espresso mit einem Schuss Milch, die gängige Wahl. Auf den Balearen kennt man ihn unter dem Namen «Tallat». Kaffee ist in Spanien oft stärker als in Deutschland - und vereinzelt schon für rund 1 Euro zu haben. 

Im Schnitt kostet der «Cortado» in der Hauptstadt aber zwischen 1,50 bis 2,50 Euro. Cappuccino ist etwas teurer. Wer es luxuriös mag, zahlt in Nobelhotels oder Designer-Cafés für einen relativ «normalen» Kaffee schon einmal zweistellige Beträge.

Griechenland und Türkei: Mokka als günstige Alternative

Ein Cappuccino im Zentrum Athens, etwa in Lokalen mit Blick auf die Akropolis, kostet zwischen 4,50 und 6 Euro. In Luxushotels können die Preise noch höher liegen. Wem der Cappuccino zu teuer ist, kann auf den griechischen Mokka ausweichen. Er ist stark, aromatisch, ungefiltert und kostet deutlich weniger – meist nur 2 bis 3 Euro. Außerhalb der touristischen Hotspots sinkt der Preis für einen Cappuccino meist unter 2,50 Euro.

Im Zentrum Istanbuls liegen die Preise für einen Cappuccino bei etwa 4,50 Euro. Auch in der Türkei gibt es einen Mokka, der sehr stark ist und ungewohnt für viele Touristen. Dieser ist für etwa 3 Euro zu haben. Vor allem für Einheimische sind die Preise insgesamt sehr hoch. Der monatliche Mindestlohn liegt umgerechnet bei rund 560 Euro. 

Cappuccino in London bei 5 Euro

Die Briten trinken bekanntlich gerne Tee mit Milch, doch in der morgendlichen Rushhour drängen sich viele auch mit einem Coffee to go durch die U-Bahnen Londons. In beliebten Kaffeehausketten wie Pret A Manger bezahlen die Londoner dafür umgerechnet um die 5 Euro. 

Für einen Cappuccino in einem Restaurant hat die Datenbank Numbeo einen durchschnittlichen Preis von umgerechnet etwa 4,50 Euro ermittelt. In bei Touristen beliebten Gegenden wie Kensington and Chelsea oder Mayfair muss man allerdings auch mal tiefer in die Tasche greifen. 

Touristen-Aufschlag in Budapest und Prag: 11 Euro im Nobel-Café

In der ungarischen Hauptstadt Budapest kostet der Cappuccino in dem von Touristen belagerten Ringstraßen-Café «New York» umgerechnet rund 11 Euro, im mondänen «Gerbeaud» 7 Euro. Im durchschnittlichen Café um die Ecke, das sich die Ortsansässigen leisten, beträgt der Richtwert 3,20 Euro. Noch vor vier Jahren lag er bei 2 Euro. In diesem Zeitraum zog der Cappuccino-Preis doppelt so stark an wie der durchschnittliche Nettolohn.

Die Zeiten, in denen man in Tschechien nur einen «turek», einen Mokka, bestellen konnte, sind vorbei. Die Preise für Cappuccino variieren in Prag stark, je nachdem, ob man sich in einer Touristengegend oder in einem «normalen» Stadtviertel aufhält. Rechnen muss man mit etwa 2,25 bis 3,70 Euro. 

Warschau und Moskau: Teures Vergnügen für Einheimische

In Polen kostet der Cappuccino in der Hauptstadt Warschau bei beliebten Caféketten umgerechnet zwischen 3,80 und 4,80 Euro. In Touristenspots wie der Altstadt können auch 6,50 Euro fällig werden. Das ist viel, gemessen am durchschnittlichen Nettogehalt von 1.450 Euro. Zwar gibt es eine Debatte über die Kaffeepreise, die wie anderswo stark angezogen haben. An die hohen Preise in der Gastronomie haben sich die Polen aber inzwischen gewöhnt.

In Moskau gibt es einen Cappuccino in der russischen Kette Azbuka Vkusa umgerechnet ab rund 3,80 Euro - auch in der Nähe des Roten Platzes. Die bei wohlhabenden Jugendlichen beliebte Kette Coffeemania verlangt gut 6 Euro für eine kleine Tasse. Für viele Russen ist das kein billiges Vergnügen. Wer etwa Vollzeit in einem Supermarkt an der Kasse arbeitet, bekommt umgerechnet nur zwischen 550 und 930 Euro. Das Durchschnittsgehalt in Moskau liegt bei rund 1.900 Euro.

Süd-Nord-Gefälle in Deutschland

In Deutschland betrug der durchschnittliche Preis für einen Cappuccino 2025 nach Angaben von YouGov 3,14 Euro. 2021 waren es noch 2,24 Euro. Das Getränk kostete in Bayern und Baden-Württemberg mit 3,20 Euro etwas mehr als in den nördlichen Bundesländern mit 3,08 Euro. Die Datenbank Numbeo hat für einen mittleren Cappuccino in einem Restaurant in Deutschland einen Durchschnittspreis von 3,57 Euro ermittelt. Auf dem Kaffeemarkt ist derzeit viel Bewegung. Mehrere neue Ketten eröffneten Filialen in deutschen Großstädten. (dpa)


 

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