Feinschmecker kürt Koch des Jahres und Restaurant des Jahres

| Gastronomie Gastronomie

Das Magazin "Der Feinschmecker" aus dem Hamburger Jahreszeiten Verlag zeichnet in seiner Oktoberausgabe wieder die Besten der Branche aus: Die Gastro-Awards werden 2022 gleich achtmal vergeben.

„Es war eindrucksvoll mitzuerleben, mit wieviel Elan und Kreativität die Gastro-Branche den Herausforderungen der vergangenen zwei Jahre die Stirn geboten hat“, sagt Chefredakteurin Deborah Middelhoff. „In dieser Situation möchten wir unterstützen und motivieren. Deshalb freut es uns diesmal besonders, Gastronomen und Köche auszuzeichnen, die Deutschlands kulinarische Szene durch ihr Engagement voranbringen und sich in besonderer Weise um ihre Gäste bemühen.“ Vor diesem Hintergrund vergibt die Redaktion auch die Auszeichnungen „Vorbildlicher Arbeitgeber“ und „Social Award“.

Die Preisträger der Feinschmecker Gastro Awards 2022

Köchin des Jahres:

Sigi Schelling, „Werneckhof Sigi Schelling“, München

Es ist nicht ihre Art, Wirbel um die eigene Person zu machen – und doch war Sigi Schellings erstes eigenes Restaurant von Anfang an ausgebucht, Kollegen voller Hochachtung, die Kritiker unisono begeistert. Das Erfolgsgeheimnis von Hans Haas‘ langjähriger Souschefin? Ganz einfach: In einer Branche, die immer mehr von Äußerlichkeiten diktiert wird, besinnt sich eine Vollblut-Gastronomin auf das Wesentliche: Sie kocht einfach gut. Und zwar herausragend gut, mit hohem kulinarischem Anspruch und zunehmend eigener, aromatisch feingliedriger Handschrift. Sie versteht sich auf punktgenaues Abschmecken, ihre schnörkellose Produktküche ist frei von modischen Effekten, setzt nur auf den Wohlgeschmack. „Ich möchte ein gutes Gasthaus führen“, sagt die Chefin. Und das meint sie im Wortsinn: „Es soll sich alles um den Gast drehen.“  

Restaurant des Jahres:

Rutz“, Berlin

Nach dem kompletten Neudesign im cool-urbanen Look und immer konsequenterer Ausrichtung der Küche etabliert sich das Team um Küchenchef Marco Müller endgültig in der Vordenkerrolle für zeitgemäße Hauptstadtküche. Die im Zentrum des Raumes inszenierten Weckgläser stehen symbolisch für das kulinarische Leitmotiv: das Reifen von Lebensmitteln, die weitgehend aus dem Umland stammen. Fermentieren, Einlegen und -kochen prägen die Stilistik des Hauses, inspiriert von Motiven der Nordic Cuisine. Zugewandter Service und der eindrucksvolle Weinkeller komplettieren ein Rundumpaket 2.0, das in dieser Konsequenz und Klasse deutschlandweit seinesgleichen sucht.  

Die Aufsteigerin des Jahres:

Virginie Protat, „Tantris DNA“, München

Seit Oktober 2021 beweist die gebürtige Französin im „Tantris DNA“, wie zeitgemäß man die große Klassik zelebrieren kann, wenn man 31 Jahre jung ist, bestes Handwerk gelernt und keine Scheren im Kopf hat. Ausgebildet im renommierten Institut Paul Bocuse in Lyon, geprägt von Stationen in der französischen Spitzengastronomie und in Neuseeland, überzeugt Protat mit souveränem Produktverständnis, eindrucksvoller Saucenkunst und konzentrierter Süffigkeit, die doch überraschend leichtfüßig daherkommt.

„Virginie Protat überzeugt mit erstaunlicher kulinarischer Virtuosität in so jungen Jahren“, sagt Chefredakteurin Deborah Middelhoff. „Mit ihrer optisch eleganten Stilistik und großem Produkt-Knowhow beweist sie, wie kreativ man auch die französische Klassik interpretieren kann.“ Auf Basis eines großangelegten Leservotums kürt die Redaktion jedes Jahr den „Aufsteiger des Jahres“ – insgesamt sechs Köchinnen und Köche standen diesmal zur Wahl. Dabei gilt: Die KandidatInnen sind maximal Anfang 30 und haben zuletzt durch eine positive Entwicklung auf sich aufmerksam gemacht – entweder durch erste Auszeichnungen, eine Selbstständigkeit oder ähnliche Erfolge.

Die weiteren Gastro-Awards 2022:


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

16 Köche kämpfen in der Münchener Allianz Arena um den Einzug in das Finale des „Koch des Jahres“. Der Wettbewerb setzt 2026 auf ein neues Konzept rund um Kindheitserinnerungen und internationale Vielfalt.

Mit der Eröffnung im Mandarin Oriental Conservatorium bringt Yotam Ottolenghi sein Gastronomiekonzept erstmals nach Amsterdam. Das Restaurant setzt auf regionale Produkte, ein pflanzenfokussiertes Menü und ein Design des langjährigen Partners Alex Meitlis.

Wegen Sanierungen im Nassauer Hof zieht das Wiesbadener Sternerestaurant Ente ab März 2026 vorübergehend in das Kloster Eberbach um. Das bewährte Team um Küchenchef Michael Kammermeier bleibt erhalten und setzt künftig verstärkt auf regionale Produkte im historischen Pfortenhaus.

Das Hamburger Start-up goodBytz liefert mit SAM eine vollautomatische Containerküche an die U.S. Army nach Südkorea. Das System ermöglicht die frische Zubereitung von bis zu 30 Mahlzeiten in wenigen Minuten – und das unabhängig von lokaler Kücheninfrastruktur.

Das Noma in Kopenhagen gilt als eines der besten Restaurants der Welt. Doch Ex-Mitarbeiter werfen Chefkoch Redzepi laut «New York Times» Gewalt und Demütigungen vor. Jetzt zieht der Däne Konsequenzen.

Eine Woche vor der offiziellen Vorstellung der vollständigen Restaurantselektion 2026, hat der Guide Michelin die diesjährigen Preisträger des Bib Gourmand für Österreich bekannt gegeben. Wie die Organisation mitteilt, erhalten in diesem Jahr 26 Restaurants die Auszeichnung neu.

Kurz vor der Veröffentlichung des Guide Michelin Frankreich 2026 sorgen prominente Abwertungen für Aufsehen: Das Pariser Traditionsrestaurant L’Ambroisie verliert nach Jahrzehnten seinen dritten Stern, während auch renommierte Häuser in der Provinz Federn lassen müssen.

Sternekoch Heston Blumenthal kündigt die Schließung seines Zwei-Sterne-Restaurants Dinner by Heston für Januar 2027 an. Neben auslaufenden Pachtverträgen führt der Gastronom steigende Warenkosten und gesundheitliche Gründe für diesen Schritt an.

Feinkost Käfer übernimmt nach einer europaweiten Ausschreibung das Catering in den Lounges des BER und festigt damit seine Präsenz am Berliner Markt sowie im Segment der gehobenen Flughafengastronomie.

Billy Wagner analysiert die strukturelle Ausbeutung in der Sternegastronomie und fordert nach den Noma-Enthüllungen eine ehrliche Debatte über Preise und Arbeitsbedingungen. Der Inhaber des Berliner Sternerestaurants Nobelhart & Schmutzig thematisiert damit ein tief verwurzeltes Systemproblem der gesamten Branche.