Maritim kündigt Mietvertrag für geplantes 600-Zimmer-Hotel in Amsterdam – Eigentümer erwägt Verkauf

| Hotellerie Hotellerie

Die Maritim Hotelgesellschaft mbH hat den Mietvertrag für das geplante Maritim Hotel Amsterdam vorzeitig gekündigt. Dies bestätigte Erik van Kessel, Managing Director Operations der Maritim Hotelgesellschaft mbH, in einer Stellungnahme. Nach Angaben des Unternehmens sei dieser Schritt aufgrund andauernder Baumängel und daraus resultierender wiederholter Verzögerungen bei der Übergabe des Gebäudes unvermeidbar geworden.

Der Immobilieneigentümer, das deutsche Vastgoedfonds Union Investment, bereitet laut Medienberichten nun den Verkauf des Luxushotels an der IJ-oever in Amsterdam-Noord vor. Union Investment, dessen Immobilienportfolio rund 50 Milliarden Euro umfasst, sieht den Verkauf nach dem Ausstieg des geplanten Betreibers als die aktuell attraktivste Option an. Die angrenzende Wohnanlage Yvie ist von den Verkaufsplänen nicht betroffen.

Rückschlag trotz intensiver Vorbereitung

Die Entscheidung von Maritim ist die Folge langwieriger Verzögerungen und Bauprobleme. Laut Medienberichten befindet sich ein Generalunternehmer in einem Restrukturierungsprozess. Obwohl das Hotel mit seinen 600 Zimmern nahezu fertiggestellt und eingerichtet ist, konnte es aufgrund der anhaltenden Übergabeprobleme nicht rechtzeitig eröffnet werden. Maritim beendete den Lease-Vertrag aus Unzufriedenheit über die andauernden Mängel, nachdem das Vertrauen in den Generalunternehmer verloren ging.

Die Entscheidung von Maritim kommt überraschend, da das Unternehmen noch im März des Jahres das Projekt als Highlight hervorgehoben und die Eröffnung als unmittelbar bevorstehend betrachtet hatte.

Zu diesem Zeitpunkt zählte das Voreröffnungs-Team bereits 152 Köpfe, die in den Bereichen Reservierung, Frontoffice, Eventmanagement, Service, Küche sowie Wellness & Spa tätig waren. Die Mitarbeiter bereiteten sowohl Gastronomieangebote und Beautytreatments vor als auch die Arbeit mit den neuen Systemen von der Kundenbetreuung bis zur Veranstaltungsplanung. Viele der neuen Mitarbeitenden hatten zur Einarbeitung in unterschiedlichen deutschen Maritim Hotels mitgearbeitet und Einblicke in die Betriebsabläufe erhalten.

Zahlreiche Fristversäumnisse und finanzielle Schäden laut Maritim

Ursprünglich sollte das Hotel spätestens Mitte September 2023 fertiggestellt und an Maritim als Betreiber übergeben werden. Doch auch in den folgenden zwei Jahren seien weitere Übergabetermine erfolglos verstrichen. Das Gebäude sei nach wie vor nicht betriebsbereit.

Erik van Kessel äußerte sich in der Mitteilung: „Es ist richtig, dass wir die Kündigung des Mietvertrags für das geplante Maritim Hotel Amsterdam erklärt haben. Dieser Schritt ist nach vielen Jahren intensiver Arbeit an dem Hotelprojekt äußerst bedauerlich, insbesondere für die vielen Mitarbeiter, die in der Voreröffnungsphase mit großem Engagement und Einsatz vor Ort gearbeitet haben. Dennoch ist diese Entscheidung aufgrund anhaltender Baumängel und der daraus resultierenden wiederholten Verzögerungen bei der Übergabe des Gebäudes leider unvermeidbar geworden.“

Die Konsequenzen der Verzögerungen sind laut Maritim weitreichend. Aufgrund der immer wieder verschobenen Eröffnung mussten bereits eine große Zahl fest gebuchter Großveranstaltungen storniert und zukünftige Geschäfte abgewiesen werden. Dies habe der Hotelgruppe erhebliche finanzielle Schäden verursacht.

Die Baumängel wurden nach Angaben von Maritim durch einen unabhängigen Sachverständigen bestätigt und konnten nicht behoben werden. Dies habe dazu geführt, dass der gewohnte Maritim Standard für Gäste nicht garantiert werden könne. 

Chancen und Risiken beim geplanten Verkauf

Union Investment befindet sich nun im Besitz eines riesigen Hotels ohne Betreiber. Der Investor betrachtet dies allerdings als strategischen Vorteil bei einem Verkauf, da ein neuer Eigentümer das Hotel über eine eigene Kette oder ein eigenes Konzept ohne bestehende vertragliche Verpflichtungen betreiben kann. Auf der Immobilienmesse Expo Real in München seien bereits Gespräche mit interessierten Parteien geführt worden, berichten diverse niederländische Medien. Als potenzielle Käufer gelten große institutionelle Investoren, aber auch Hotelketten, die ihre Präsenz auf dem Amsterdamer Hotelmarkt ausbauen möchten.

Der Zeitpunkt für einen Verkauf wird als günstig erachtet. Das kommunale Bauverbot für neue große Hotelprojekte in Amsterdam schafft eine Marktknappheit, während die touristische Nachfrage stabil bleibt, was bestehende Hotelobjekte für langfristige Investoren attraktiv macht.

Diesen Chancen stehen finanzielle Nachteile für Union Investment gegenüber. Die Gesamtinvestition in das Hotel und das Wohnkomplex Yvie beläuft sich auf rund 500 Millionen Euro, und ein Verkauf des Hotels könnte Medienberichten zufolge voraussichtlich unter Verlust stattfinden.

Konsequenzen für Mitarbeiter und Kunden

Die Maritim Hotelgruppe erklärte, sie könne die Situation angesichts ihres langjährigen internationalen Rufs nicht länger hinnehmen. Für die betroffenen Mitarbeiter am Standort Amsterdam, deren Einarbeitung und Engagement bereits weit fortgeschritten waren, kündigte Maritim an, eine faire und sozialverträgliche Lösung zu finden, und bedankte sich gleichzeitig für deren großes Engagement in der Pre-Opening-Phase.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die irische Hotelmarke The Dean expandiert weiter auf dem deutschen Markt und eröffnet ein neues Haus im Münchner Westend. Das Hotel kombiniert ein vom bayerischen Jugendstil inspiriertes Design mit einem modernen japanischen Gastronomiekonzept.

Das Kölner Hopper Hotel St. Josef wurde neugestaltet, die Zimmer und öffentlichen Bereiche erhielten ein neues Designkonzept. Das Projekt verbindet den Erhalt historischer Bausubstanz mit nachhaltigen Materialien und moderner Ausstattung.

Nach einem Bericht des SWR haben zwei Mainzer Hotels sämtlichen Beschäftigten gekündigt. Die Gewerkschaft NGG vermutet einen Zusammenhang mit einer geplanten Betriebsratsgründung, während die Hotelgruppe von dringenden betrieblichen Erfordernissen spricht.

Der geplante Verkauf des ehemaligen Dorint-Hotels am Stausee Bitburg an die Interspa-Gruppe ist gescheitert. Damit können auch die im Frühjahr 2025 vorgestellten Pläne für ein Familien- und Wellness-Resort vorerst nicht umgesetzt werden.

Scandic und Axfast planen in Stockholm ein unterirdisches Hotel mit 135 fensterlosen Zimmern. Das Haus soll 2027 eröffnen und in einem umgebauten Gebäude unter der Drottninggatan, der bekanntesten Einkaufsstraße Stockholms, entstehen.

Limehome hat im ersten Halbjahr 2026 nach eigenen Angaben neue Partnerschaften geschlossen und seine Expansion in mehreren europäischen Märkten fortgesetzt. Dazu gehören ein erstes Projekt mit Aroundtown in Frankfurt sowie weitere Vorhaben in Deutschland, Großbritannien, Italien, Belgien und den Niederlanden.

Der Badische Hof in Baden-Baden nimmt den Betrieb unter der Marke Leonardo Limited Edition wieder auf. Nach einer ersten Phase im Juli folgt im Herbst das offizielle Grand Opening.

Premier Inn baut ihre barrierefreien Angebote aus und treibt die Zertifizierung ihrer Standorte nach dem Standard Reisen für Alle voran. Zudem investiert das Unternehmen in die Inklusion am Arbeitsplatz.

Die Achat Hotels strukturieren ihr Geschäftsmodell um und setzen künftig verstärkt auf Businessgäste. Zudem erhalten die Hoteldirektoren mehr Eigenverantwortung und die IT-Systeme wurden zentralisiert.

In Köln-Deutz soll auf einer Grünfläche ein bis zu 60 Meter hohes Hotel- und Bürogebäude entstehen. Nach einem Bericht des WDR formieren sich dagegen Anwohner und Teile der Kommunalpolitik.