Rheinland-Pfalz macht mit Stufenplan Gastro- und Hotelaufenthalte möglich

| Politik Politik

Die Corona-Regeln in Rheinland-Pfalz werden in drei Schritten gelockert. Die entscheidenden Daten dafür sind Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam. Ab Juni können Hotels wieder komplett öffnen, auch Innengastronomie steht auf dem Plan.

Langsam, aber stabil sinkende Infektionszahlen und immer mehr Impfungen: Rheinland-Pfalz lockert die Corona-Einschränkungen nach und nach - in drei Stufen. Voraussetzung ist: Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen muss fünf Tage hintereinander unter 100 liegen - also unter der Grenze zur Bundes-Notbremse. Für einige Lockerungen muss die Inzidenz sogar stabil unter 50 liegen. Und umgekehrt gilt: Werden diese Grenzen drei Tage lang hintereinander überschritten, greifen wieder strengere Regeln, ab 100 die der Bundes-Notbremse. Der Stufenplan:

Was geht von diesem Mittwoch an in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz unter 100?

Die Geschäfte können wie der Lebensmittelhandel wieder öffnen. Auch kontaktarmer Urlaub und kontaktfreier Sport sind wieder möglich, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag in Mainz ankündigte. Für die Außengastronomie gelte die Öffnungsmöglichkeit bereits. Das Alkoholverbot im sonstigen öffentlichen Raum gelte aber weiter.

Kontaktarmer Urlaub umfasst Übernachtungen in Ferienwohnungen, Wohnmobilen und Wohnwagen mit eigenen sanitären Anlagen sowie in Hotels, mit Frühstück auf dem Zimmer und eigenem Bad. Für die Anreise und alle 48 Stunden danach sind Tests notwendig.

Kontaktfreier Sport gilt für alle Sportarten bei denen Abstand gehalten kann, inklusive Fußball. «Also mehr ein sich zu kicken oder auf das Tor schießen», sagte Dreyer. Hallensport ist unter Einhaltung der Kontaktbeschränkungen unter 100 wieder möglich, wenn der Abstand eingehalten und die Begrenzung von einer Person auf 40 Quadratmetern nicht überschritten wird. Bei Kindern gilt: Maximal 20 Jungen und Mädchen dürfen Sport auch ohne Abstand machen.

Was ist in der Öffnungsstufe 2 ab dem 21. Mai möglich?

Kulturelle Veranstaltungen und Zuschauer im Freien mit Test sind wieder erlaubt. Bis maximal 100 Menschen mit festen Sitzplätzen können zusammen kommen, dabei müssen die Abstandsregeln eingehalten werden. Maximal fünf Menschen aus fünf verschiedenen Haushalten dürfen sich draußen - mit oder ohne Trainer - natürlich mit Abstand wieder zum Gruppensport treffen. Fällt die Inzidenz fünf Tage unter 50 sind Innengastronomie und Kultur innen wieder möglich - mit Abstand, Test und Maske.

Was sieht der Perspektivplan zu Fronleichnam (ab 2. Juni) vor?

Die Hotels können wieder ganz öffnen - Voraussetzung für die Gäste ist ein negativer Test. Auch Freibäder dürfen aufmachen. Mit einem negativen Test geht es auch wieder in die Innengastronomie, ins Theater, Kino und Museum. Jugendfreizeiten mit Übernachtung sind wieder möglich. Für Sportvereine und Fitnesscenter gilt: Training innen und außen ja, aber nur eine Person auf 20 Quadratmetern. Erwachsene können auch in Gruppen zu fünft mit Abstand Sport treiben. Fällt die Inzidenz stabil unter 50 ist Gruppensport draußen auch mit maximal 20 Erwachsenen auf Abstand erlaubt.

Dehoga-Präsident Gereon Haumann: „Wir freuen uns, dass wir bereits ab morgen und damit noch vor Christi Himmelfahrt unsere Hotels schrittweise öffnen dürfen. Damit ist endlich der wichtige Startschuss zu einem „goldenen Sommer in Rheinland-Pfalz“ erfolgt! Das ist ein wichtiges Signal für unsere Gastgeber, das Balsam für die Seelen bedeutet und nach langer Durststrecke viele hundert Familienexistenzen retten kann. Ich fordere alle Rheinland-Pfälzer auf, ihre Pfingstferien im eigenen Lande zu verbringen. Die geplagte Branche hat nach mehr als 6 Monaten Lockdown die Solidarität der Bevölkerung mehr als verdient!“

 

Was wird aus den geplanten Modellkommunen?

Geplant waren ab einer stabilen Inzidenz von unter 50 sogenannte Modellkommunen mit vorsichtigen Öffnungsschritten. Die ersten Bewerbungen dafür waren bereits in der Staatskanzlei eingegangen, die umstrittene Luca-Kontaktverfolgungsapp galt als Voraussetzung, die Modelle sollten wissenschaftlich begleitet werden. Gespräche unter anderem mit den Kommunalen Spitzenverbänden hätten jedoch ergeben, dass diese mit der Bundes-Notbremse und dem neuen Perspektivplan keinen Sinn mehr ergeben, sagte Dreyer. «Das Konzept hat sich erübrigt.»

Welche anderen Modellprojekte sind jetzt geplant?

Mit wissenschaftlicher Begleitung sind jetzt Modellprojekte für Breitensport, Laienmusik und Theater vorgesehen. Das Sport-Projekt in Trier habe bereits begonnen, der Theaterbetrieb solle im Landestheater in Mainz auf die Probe gestellt werden. Für das Thema Laienmusik und Chorgesang am Testort Nürburgring würden noch Partner gesucht.

Wie schätzt die Ministerpräsidentin die Lage ein?

Die landesweite Inzidenz sei glücklicherweise bereits auf 93,3 gefallen und keine Kommune überschreite mehr den kritischen Wert von 165, der nach der Bundes-Notbremse Schulschließungen notwendig macht, sagte Dreyer. Die Inzidenzzahlen seien ähnlich wie im November 2020, alle hätten Sehnsucht nach Öffnungen und die ersten Pfingstferien im Land stünden vor der Tür. «Aber die Krankenhäuser sind noch voll», mahnte die Ministerpräsidentin. Die an Covid-19 erkrankten Menschen seien länger im Krankenhaus und auf der Intensivstation. Die Impfungen gingen zwar voran. Noch immer ist aber nicht einmal jeder dritte Rheinland-Pfälzer gegen das Coronavirus zumindest einmal geimpft.

Was sagt die Opposition?

Es sei gut, dass es weitere Öffnungsschritte gebe, meint der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf. «Ob diese aber tatsächlich die für den Gesamtbereich Tourismus notwendige Perspektive bringen, ist eher zu bezweifeln.» Für Hotels und Gastronomie, Campingplätze und Freizeitparks sei mehr möglich und notwendig. «Und sicherlich auch für Kinos, Theater und für Laien- und Amateurensembles. Denn gerade in den zurückliegenden Wochen hat sich gezeigt, dass sich die Menschen verantwortungsbewusst verhalten.» Mit detaillierten Hygienekonzepten inklusive Personenobergrenzen und Terminbuchungen sowie Masken-, Test- und Abstandspflichten seien weitergehende Öffnungsschritte verantwortbar, betont Baldauf. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Idee einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke stößt in der Bevölkerung einer Umfrage zufolge auf große Zustimmung. 60 Prozent der Befragten bewerten eine Steuer positiv, deren Höhe mit dem Zuckergehalt des Getränks steigt.

Während 60,4 Millionen Übernachtungen über Portale den Wohnraum unter Druck setzen, warnt Hotelier Marco Nussbaum vor der Lobby-Macht der Plattformen. Der Hotelverband IHA liefert mit einem neuen Leitfaden die Werkzeuge für Kommunen, um für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

Die Ära der kleinen Kosmetikfläschchen in Hotelzimmern geht zu Ende. Ab 2030 untersagt eine neue EU-Verordnung Einwegverpackungen für Hygieneartikel im Beherbergungssektor. Während Hotels auf nachfüllbare Spendersysteme umstellen, bleibt der Verkauf von Reisegrößen im Einzelhandel vorerst erlaubt.

Die erste Tarifrunde für die Beschäftigten im niedersächsischen Gastgewerbe endete in Hannover ohne Abschluss. Während der Dehoga eine zweistufige Erhöhung um insgesamt 5 Prozent anbot, lehnte die Gewerkschaft NGG die Vorschläge ab. Die Verhandlungen werden im März fortgesetzt.

Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge kritisiert Forderungen nach einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags und warnt vor negativen Folgen für die Gleichstellung von Frauen.

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an.

Der DEHOGA setzt sich mit einer Kampagne für die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit ein. Durch eine Umstellung auf die Wochenarbeitszeit sollen Betriebe sowie deren Beschäftigte von mehr Flexibilität profitieren. Die Bundesregierung braucht der Verband allerdings nicht mehr zu überzeugen. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist längst in Planung.

Der CDU-Parteitag hat eine Steuer auf gezuckerte Getränke abgelehnt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will aber noch nicht aufgeben und hat jetzt andere Pläne.

Mehrkosten fürs Mitnehmen? Potsdam will dem Beispiel Tübingen folgen und eine Verpackungssteuer einführen. Die Wirtschaft befürchtet, dass es am Ende der Kunde zu spüren bekommt.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) knüpft die Unterstützung für den Digitalen Euro an klare Bedingungen. Für den Erfolg in Hotellerie und Gastronomie fordert der Verband Gebührenfreiheit bei Kleinbeträgen und feste Transaktionsgebühren statt prozentualer Kosten.