Nach Guide Michelin-Wirbel: Anklage gegen Wirt von geschlossenem Sternerestaurant

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Die Verleihung eines Guide Michelin-Sterns an ein seit einem halben Jahr geschlossenes Restaurant in Köngen in Baden-Württemberg, hat in der letzten Woche für Aufsehen gesorgt. (Tageskarte berichtete)Der Restaurantführer veröffentlichte eine Erklärung. Jetzt habe die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Amtsgericht Böblingen Anklage wegen Betrugsvorwürfen gegen Lars Volbrecht erhoben, bestätigt ein Sprecher lokalen Zeitungen. Unterdessen machte sich der Restaurantführer Gusto über die Panne beim Guide Michelin lustig.

Hier zum Artikel über die aktuellen Sterne des Guide Michlin 2019, präsentiert am 26.2.2019 ]
[ Gut und günstig: Hier geht es zu einem Artikel über die Bib Gourmands, die der Guide Michelin vor einer Woche vergeben hat. ]

Allerdings ist Volbrecht scheinbar schwer zu erreichen. Wie berichtet wird, haben die Behörden anscheinend bereits zweimal erfolglos versucht, die Anklage in der Schweiz zuzustellen. Jetzt sei Volbrecht zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben. Ein Punkt in der Anklage betrifft offenbar offene Rechnungen für die Übernahme von Inventar in der „Alten Vogtei“. Unterdessen melden sich immer mehr Gläubiger bei den lokalen Zeitungen, die behaupten, noch offene Rechnungen mit Volbrecht zu haben. Dabei geht es um verärgerte Vermieter, Lieferanten und ehemalige Mitarbeiter. Die Stuttgarter Nachrichten wollen von 80 Gläubigern gehört haben.

Volbrecht ficht das alles nicht an. In E-Mails an die Lokalzeitungen rechtfertigt sich der Koch. Der Esslinger Zeitung schrieb der Volbrecht: „Ich benötige den Stern nicht. Es war für mich eine Ehrung für die Leistung in der Vergangenheit mit dem Team und nicht für den Moment. Hätte ich gewusst, was dies für Ausmaße nun hat, hätte ich den Stern nicht angenommen.“ Auch die Stuttgarter Nachrichten bekamen elektronische Post, in der Volbrecht schreibt, dass er bemüht sei eine saubere Lösung zu finden. Die Rechnungen würden derzeit nach und nach beglichen.

Unterdessen wird die Kritik aus der Branche immer lauter. So fragt der Koch Aaron Turner „Wie kann man sich in Berlin bei der Michelin-Gala dreist hinstellen und einen Stern entgegennehmen, wenn man so viele Leute geprellt hat?“ Sternekoch Benjamin Maerz aus Bietigheim-Bissingen schrieb: „Was ich aber heute erlebt habe, geht für mich in irgendeiner Form zu weit […]. Wenn man dann noch so dreist und kackfrech nach Berlin fährt, sich auf diese Bühne stellt und sich dann auch noch feiern und weitreichend fotografieren lässt. Warum mich das ärgert? Ganz einfach! Weil es ein Schlag ins Gesicht eines jeden Koches ist, der sich in seinem Leben nichts sehnlicher wünscht, als auf dieser Bühne zu stehen.“

Für seinen Ausrutscher, einem geschlossenen Restaurant einen Stern zu verleihen, ist der Guide Michelin reichlich kritisiert worden, und sah sich genötigt, eine Stellungnahme zu veröffentlichen (Tageskarte berichtete). Da ließen Häme und Spott der anderen Restaurantführer nicht lange auf sich warten. Auf Facebook schrieb der Gusto; „Den ganzen Stress und Ärger, den die Kollegen vom Guide Michelin jetzt wegen der Sternevergabe an ein seit vielen Monaten geschlossenes Restaurant an der Backe haben, hätten sie sich bequem sparen können, wenn sie den richtigen Restaurantführer lesen würden...Wir hatten die Alte Vogtei in Köngen nämlich schon am 18.9.2018 als seit Wochen geschlossen gemeldet, die Bewertung gestrichen“.
 

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