Altmaier setzt auf baldigen Aufschwung

| Politik Politik

Die Bundesregierung erwartet trotz anhaltender Belastungen in der Corona-Krise bald einen dauerhaften Aufschwung in Deutschland. «Dieses Jahr ist das Jahr, in dem wir die Trendwende endgültig schaffen», sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Dienstag in Berlin. «Wir werden den Wirtschaftseinbruch nicht nur stoppen, sondern wir werden ihn umkehren.» Die Bundesregierung schraubte ihre Konjunkturprognose für 2021 nach oben. Das Zugpferd ist die exportstarke deutsche Industrie.

Die Regierung rechnet nun im laufenden Jahr mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 3,5 Prozent - statt wie bisher von 3,0 Prozent. Allerdings ist die Regierung immer noch pessimistischer als etwa Forschungsinstitute, die in einer Gemeinschaftsdiagnose ein Wachstum von 3,7 Prozent prognostiziert hatten. Im kommenden Jahr erwartet Altmaier ein Plus von 3,6 Prozent.

Im vergangenen Jahr war die Wirtschaftsleistung infolge der Corona-Krise um 4,9 Prozent eingebrochen. Auch die Industrie war massiv betroffen, etwa als im vergangenen Frühjahr weltweit Lieferketten unterbrochen waren und in Fabriken vorübergehend nicht produziert werden konnte.

Die Weltwirtschaft wächst wieder, vor allem die für deutsche Firmen herausragend wichtigen Absatzmärkte in China und den USA. Der «Exportmotor» sei angesprungen, sagte Altmaier. Für 2021 rechnet die Bundesregierung im deutschen Export mit einem Plus von 9,2 Prozent - auch wenn aktuell ein Mangel an Mikrochips Probleme bereitet.

Dagegen lahmt die Binnennachfrage derzeit noch. Das liegt daran, dass Branchen wie das Gastgewerbe, der Einzelhandel und auch der Tourismus von Schließungen und Beschränkungen im Kampf gegen die dritte Welle der Pandemie nach wie vor schwer belastet sind. Dazu kommt, dass die Verbraucher seit Beginn der Krise mehr Geld auf die hohe Kante gelegt haben.

Das Wirtschaftsministerium rechnet auch vor dem Hintergrund zunehmender Impfungen damit, dass die weitreichenden Maßnahmen zur Beschränkung der sozialen Kontakte im Laufe des zweiten Quartals gelockert werden können. Danach wird eine deutliche Erholung der Binnenkonjunktur und der privaten Konsumausgaben erwartet.

Im ersten Quartal 2021 hatte die Corona-Krise die Konjunktur noch ausgebremst. Volkswirte rechnen damit, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland gesunken ist. Danach aber soll es aufwärts gehen. Die Infektionsdynamik habe sich deutlich verlangsamt, sagte Altmaier und verwies auch auf die umstrittene Bundes-Notbremse. Der Minister sagte mit Blick auf den Lockdown etwa im Gastgewerbe, er sei überzeugt, dass es ab dem Sommer schrittweise zu Öffnungen komme.

Spätestens 2022 werde die deutsche Wirtschaft wieder ihr Niveau vor der Krise erreicht haben, sagte Altmaier: «Unsere Wirtschaft ist startklar für den Neustart.» Altmaier betonte auch die Wirkung der milliardenschweren Coronahilfen an Unternehmen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte: «Es geht langsam aufwärts und die Hilfspolitik wirkt.»

Allerdings fordern gerade besonders belastete Branchen nach wie vor Nachbesserungen. «Ohne weitere Unterstützung werden zahlreiche Betriebe kaum durchhalten können», erklärte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Altmaier bekräftigte, dass die Mitte des Jahres auslaufende staatliche Überbrückungshilfe III als zentrales Krisenprogramm bis Jahresende verlängert werden solle. Dazu laufen derzeit Verhandlungen mit dem Finanzministerium.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer kritisierte mit Blick auf die Konjunkturprognose eine «Selbstzufriedenheit» Altmaiers, eine solche sei absolut fehl am Platz. Wie auch Wirtschaftsverbände forderte Theurer einen Stufenplan für Öffnungen, um Gastronomie, Hotellerie, Reisebüros, Einzelhandel oder Kulturschaffenden das ökonomische Überleben zu ermöglichen.

Auf dem Arbeitsmarkt erwartet die Bundesregierung ab dem zweiten Quartal deutlichere Zuwächse bei der Erwerbstätigkeit, vor allem bei Minijobbern. Der Arbeitsmarkt war mit dem milliardenschweren Kurzarbeitergeld gestützt worden. Mit einer Insolvenzwelle bei Firmen rechnet Altmaier nicht, trotz einer Ende April auslaufenden Sonderregelung. Bis dann sind Firmen nicht verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen, wenn sie noch auf die Auszahlung von staatlichen Hilfen warten. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ein Verbändebündnis warnt vor einer Ausweitung der Kennzeichnung der Tierhaltung auf verarbeitete Lebensmittel und die Gastronomie. Die Verbände befürchten steigende Preise für Verbraucher und einen bürokratischen Mehraufwand für die Betriebe.

Der Hotelverband Deutschland plant mit „IHA Inside 2026“ ein Branchentreffen am Nürburgring. Auf dem Programm stehen Fachvorträge, Wettbewerbe und ein begleitendes Rahmenangebot.

Ein Verbändebündnis warnt vor einer Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf verarbeitete Lebensmittel und die Gastronomie. Die Verbände befürchten steigende Preise für Verbraucher und einen bürokratischen Mehraufwand für die Betriebe.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat einen Referentenentwurf zur Änderung des Gesetzes Tierhaltungskennzeichnung vorgelegt. Ziel ist laut Entwurf eine grundlegende Reform und Ausweitung der Kennzeichnungspflichten, insbesondere auf die Außer-Haus-Verpflegung wie Restaurants, Kantinen und Imbisse.

Das lange geplante staatliche Tierhaltungslogo für Fleisch soll nach Plänen des Bundesagrarministeriums im nächsten Jahr mit mehreren Änderungen eingeführt werden - und zwar außer in Supermärkten auch in Restaurants und Kantinen.

Sandra Warden arbeitet seit fast 25 Jahren beim DEHOGA Bundesverband. Dort verantwortet sie als Geschäftsführerin die Bereiche Arbeitsmarkt und Tarifpolitik. In der aktuellen Darstellung der Bundesgeschäftsstelle auf der Website des Verbandes wird sie derzeit nicht aufgeführt. Auf Anfrage von Tageskarte zu den Änderungen reagiert der Verband knapp.

50 Cent extra für Einwegbecher & Co.: Die Verpackungsteuer in Potsdam sorgt für Riesen-Ärger. Verbände warnen vor Unmut beim Verbraucher wegen Preissprüngen und hohem Bürokratie-Aufwand.

Google steht unter Druck: Die von Künstlicher Intelligenz betriebenen Chatbots werden zunehmend zur Konkurrenz. Brüssel will dem Wettbewerb nicht im Weg stehen - im Gegenteil.

Der DEHOGA und weitere Wirtschaftsverbände kritisieren die geplante steuerfreie 1.000-Euro-Prämie. Sie sehen darin eine zusätzliche Belastung für Unternehmen in einer angespannten wirtschaftlichen Lage.

Der Dehoga Niedersachsen warnt vor massiven Schäden für das Gastgewerbe durch angekündigte Streiks im Nah- und Luftverkehr während der Hannover Messe. Verbandspräsident Breuckmann kritisiert den Zeitpunkt der Maßnahmen und fordert eine schnelle Einigung der Tarifparteien.