Österreichische Hotelvereinigung kritisiert Pläne zur Preisprüfung

| Politik Politik

Die angekündigte Untersuchung der Preissteigerungen in der österreichischen Hotellerie und Gastronomie durch das Finanzministerium stößt bei der Branchenvertretung auf scharfe Ablehnung. Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), bezeichnete das Vorhaben als Ablenkungsmanöver. Statt die Symptome der Teuerung in der heimischen Dienstleistungsbranche zu prüfen, müsse die Bundesregierung die eigentlichen Ursachen im Land, wie österreichische Energiekosten, Lohnnebenkosten und die hohe nationale Steuerbelastung, angehen.

Systemische Gründe für Preissteigerungen am Standort Österreich

Nach Ansicht der ÖHV resultieren die höheren Preise in der Gastwirtschaft aus der engen Verflechtung mit dem österreichischen Binnenmarkt. Da die Hotels und Gaststätten ihre Waren und Dienstleistungen fast ausschließlich innerhalb Österreichs beziehen, seien sie direkt von der hiesigen Kostenstruktur betroffen. Veit betont, dass hohe Lohnnebenkosten, teurer Strom und Steuern sowohl die Betriebe selbst als auch deren Zulieferer in Österreich belasten. Wer in Österreich einkauft, zahle laut Veit derzeit aufgrund der enormen Abgabenlast doppelt und dreifach drauf. Um eine Normalisierung der Preise zu erreichen, sei eine Bekämpfung dieser Ursachen am Standort unumgänglich.

Besonders kritisch sieht der Verband die Rolle der landesnahen Energieversorger in Österreich. Diese würden trotz gleichbleibender Produktionsbedingungen bei heimischer Wasserkraft und Sonnenenergie hohe Gewinne erzielen. Laut Veit werden die Energiepreise und Steuern in Österreich absichtlich hochgehalten, was die gesamte Wirtschaft und die im Land arbeitenden Menschen belaste. Er fordert daher, direkt bei den österreichischen Energieproduzenten anzusetzen, die auf Kosten der Allgemeinheit Rekordgewinne erwirtschaften.

Forderung nach einer transparenten Analyse der österreichischen Kostentreiber

Die ÖHV sieht in einer Untersuchung der Teuerung durchaus eine Chance, sofern diese fair und umfassend geführt wird. Dabei müssten wesentliche Preistreiber in Österreich wie Löhne, Lebensmittelkosten, Zinsen, Baukosten sowie der allgemeine Anteil von Steuern und Abgaben an der Unternehmensbilanz gewichtet werden. Veit ist überzeugt, dass eine solche Analyse die österreichische öffentliche Hand als Hauptprofiteur der Teuerung entlarven würde.

Als aktuelle Beispiele für zusätzliche Belastungen innerhalb Österreichs nennt der Verband die Erhöhung der Ortstaxen sowie die Anpassung der österreichischen Trinkgeld-Pauschale. Zudem warnt die ÖHV vor einer drohenden Erhöhung der Grundsteuer in den Gemeinden. Während die Hotellerie in den vergangenen Jahren Prozesse verschlankt und Ausgaben gekürzt habe, agiere der österreichische Staat primär über die Erhöhung seiner Einnahmen.

Maßnahmenpaket zur Entlastung der heimischen Branche

Um die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandorts Österreich zu sichern und die Inflation nachhaltig zu senken, schlägt die ÖHV konkrete wirtschaftspolitische Maßnahmen vor. Dazu gehört eine spürbare Entlastung des Faktors Arbeit in Österreich sowie die vom WIFO vorgeschlagene Reduktion des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 10 Prozent auf 5 Prozent. Dies würde sowohl die Konsumenten in Österreich entlasten als auch die Betriebe stärken.

Zudem fordert der Verband einen strikten Verzicht auf neue Steuern oder Abgabenerhöhungen durch den Bund. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Umsetzung radikaler Entbürokratisierungsmaßnahmen, um die Verwaltungskosten für Unternehmen in Österreich signifikant zu senken.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Bundesrat hat am 19. Dezember 2025 dem Steueränderungsgesetz zugestimmt und damit den Weg für eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen frei gemacht. Ab dem 1. Januar 2026 gilt für den Verzehr von Speisen in Restaurants und Cafés unbefristet der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent.

Mit einem neuen Onlineportal will die Regierung erfahren, wo Bürger und Unternehmen im Alltag auf Hürden stoßen – und setzt dabei auch auf Künstliche Intelligenz.

Die Gastronomie bekommt dauerhaft den Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, um die wirtschaftliche Existenz der Betriebe zu sichern. Da massiv gestiegene Kosten für Personal und Lebensmittel die Margen unter Druck setzen, planen die meisten Unternehmen keine Preissenkungen, sondern nutzen die steuerliche Entlastung zur Stabilisierung ihrer Geschäfte.

Mit der Rückkehr zu 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen zum 1. Januar 2026, kommen neue administrative Herausforderungen auf Gastronomen zu. Ein aktuelles Merkblatt des DEHOGA gibt nun wichtige Hinweise zur steuerlichen Behandlung von Silvesterveranstaltungen, Pauschalangeboten und Anzahlungen.

Mit Kurzarbeit können Unternehmen Flauten überbrücken, ohne Beschäftigte entlassen zu müssen. Derzeit läuft die Wirtschaft nicht wie erhofft. Die Regierung zieht Konsequenzen.

Die Institutionen der Europäischen Union haben sich im Trilog-Verfahren auf eine vorläufige Einigung zur neuen Zahlungsdiensteverordnung verständigt. Die Verordnung definiert die Rahmenbedingungen für Zahlungsdienste und Kartenzahlungen innerhalb der EU neu.

Der europäische Dachverband der Hotels, Restaurants und Cafés, Hotrec, hat, mit einer breiten Allianz europäischer Wirtschaftsvertreter an das Europäische Parlament appelliert, auf neue Vorgaben für Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz zu verzichten. Statt neuer Gesetze wird ein zukunftsorientierter Ansatz gefordert.

Die geplante Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie steht vor der finalen Abstimmung im Bundesrat. Das Land Niedersachsen knüpft seine Zustimmung an die Bedingung, dass eine Pflicht zur digitalen Bezahlung eingeführt wird.

Die Gewerkschaft NGG und der DEHOGA Rheinland-Pfalz stecken in festgefahrenen Tarifverhandlungen. Der DEHOGA wirft der NGG vor, Lohnsteigerungen für 100.000 Beschäftigte mit realitätsfernen Forderungen zu blockieren und die schwierige Wirtschaftslage der Betriebe zu missachten. Der Branchenverband fordert eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Der Nationale Normenkontrollrat hat sein Maßnahmenpaket zum Bürokratieabbau aktualisiert. Mehrere der 77 konkreten Vorschläge entsprechen langjährigen Forderungen des Gastgewerbeverbands DEHOGA und zielen auf eine deutliche Entlastung bei Arbeitsrecht und Arbeitsschutz ab.