Schleswig-Holstein öffnet komplett für Touristen - im Nordosten dagegen kaum Urlaub möglich

| Politik Politik

Wenige Tage vor Pfingsten öffnet sich Schleswig-Holstein am Montag unter Auflagen für Touristen. Auch in weiteren Bereichen wird das öffentliche Leben in dem nördlichen Bundesland wieder hochgefahren. Lokale dürfen ihre Innenbereiche wieder öffnen, Ausflugsschiffe wieder Gäste an Bord nehmen. Die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Ingrid Hartges, forderte die anderen Länder auf, sich das nördliche Bundesland zum Vorbild zu nehmen.

Bisher waren touristische Übernachtungen nur in vier Modellregionen von Schleswig-Holstein möglich. Das Bundesland weist bundesweit die niedrigste Corona-Ansteckungsrate auf. Am Sonntagabend gab das Gesundheitsministerium in Kiel die Sieben-Tages-Inzidenz je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen mit 35,1 an.

Für die Öffnungen müssen Touristen aber Hygieneauflagen erfüllen wie das Tragen von Schutzmasken in bestimmten Situationen sowie negative Corona-Tests vor der Anreise und dann alle drei Tage. Beim Besuch von Lokalen ist ein negatives Testergebnis oder der Nachweis des Impfschutzes nötig.

Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Hartges sagte in der ARD-Sendung «Anne Will» am Sonntagabend: «Ich finde, wir können von Schleswig-Holstein lernen.» Trotz der Modellregionen seien die Infektionszahlen gesunken. Die Branche sei kein Pandemietreiber, habe lange ein «Sonderopfer» erbracht und brauche wieder Perspektiven. Sehr viel Sicherheit schaffe auch das sogenannte 3G-Prinzip «Geimpft, Genesen, Getestet». Es gehe um eine verantwortliche Öffnung, machte Hartges klar.

In mehreren Regionen Baden-Württembergs sind schon seit Samstag wieder Gastronomie und Beherbergungsbetriebe offen. Auch weitere Bundesländer haben Lockerungen vor Pfingsten in Aussicht gestellt. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher will seinem Senat am Dienstag vorschlagen, zu Pfingsten die Außengastronomie wieder zu öffnen, wie er bei «Anne Will» sagte.

Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, wo sich die Sieben-Tages-Inzidenzen der Marke von 50 nähern, gehen einen vorsichtigeren Weg als das benachbarte Schleswig-Holstein. Niedersachsen hat den Tourismus zunächst nur für Einwohner des Bundeslandes geöffnet. In Mecklenburg-Vorpommern darf die Gastronomie von Pfingstsonntag an wieder öffnen - außen und innen. Tourismus in dem Bundesland wird am 7. Juni für Einwohner des Landes und am 14. Juni für Gäste aus den anderen Bundesländern möglich sein. Dietmar Bartsch, der Linksfraktionschef im Bundestag mit Wahlkreis in Rostock, sagte dazu in der «Anne Will»-Sendung, das leuchte ihm nicht ein. «Jetzt wird das sehr hinausgezögert.»

Unterdessen kommt das Impfen gegen das Coronavirus in Deutschland deutlich voran. In einigen Bundesländern enden die Priorisierungen beim Impfen in Arztpraxen: Baden-Württemberg und Berlin beginnen an diesem Montag, Bayern folgt voraussichtlich im Laufe der Woche, Sachsen am 24. Mai. Allerdings dürfte vielerorts noch nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen, um allen Impfwilligen auch schnell einen Impftermin anbieten zu können. In den Impfzentren bleibt die Priorisierung noch bestehen.

Mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland haben mindestens eine Corona-Impfung erhalten, gut 9 Millionen haben den vollen Impfschutz.

Dehoga: Betriebe froh über Öffnungsmöglichkeit ab 17. Mai

Die Hotel- und Gastronomiebetriebe in Schleswig-Holstein sind nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sehr froh, ab 17. Mai wieder öffnen zu dürfen. «Denn die bisherige Öffnung nur für die Außengastronomie hat ja angesichts des Wetters nicht zu dem Erfolg geführt, den sich die Betriebe gewünscht haben», sagte der Geschäftsführer des Dehoga in Schleswig-Holstein, Stefan Scholtis, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

Dass Corona-Tests wie in den Modellregionen verlangt werden, sei aus Sicht der Politik logisch und konsequent. «Wir wünschen den Betrieben, dass der Schritt nicht mehr zurückgeht, sondern, dass es jetzt nur noch aufwärts geht», sagte Scholtis. Es sei schwer zu sagen, wie viele Unternehmen die Krise nicht überstehen. Es werde Unternehmen geben, die nicht mehr in der Lage seien, ihren Betrieb fortzuführen.

Schleswig-Holstein will vor dem Hintergrund sinkender Inzidenzwerte vom 17. Mai an weitgehende Erleichterungen der Corona-Beschränkungen gestatten. Unter anderem dürfen dann Beherbergungsbetriebe und Gastronomie unter strengen Auflagen wieder öffnen. Vorbild sind die Modellregionen im Land. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigt die Pläne der schwarz-roten Koalition, die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Es sei zwar das Ende der telefonischen Krankschreibung vereinbart, nicht aber die Möglichkeit eines Attests per Video. 

Die Stadt Bamberg will die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen in weiten Teilen des Stadtgebiets künftig verhindern. Neue Bebauungspläne und Veränderungssperren sollen den Wohnungsmarkt langfristig schützen.

Mit den Worten „Die Minijobs bleiben“ hat sich CSU-Chef Markus Söder klar gegen eine Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung ausgesprochen. Seine Aussage erfolgt wenige Tage nach einem Brandbrief von Wirtschaftsverbänden und vor der für den Herbst angekündigten Entscheidung der Bundesregierung.

Eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden, darunter der DEHOGA, hat die Bundesregierung eindringlich davor gewarnt, Minijobs im Zuge der geplanten Sozial- und Rentenreformen faktisch abzuschaffen oder deutlich zu verteuern. In einem Brandbrief fordern sie den Erhalt der Minijobs in ihrer heutigen Form. 

Für die rund 80.000 Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe im Norden beginnen die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft NGG hat mit Forderungen nach einem Lohnplus von fast 6 Prozent vorgelegt.

Die staatlichen Wirtschaftshilfen während der Corona-Pandemie haben nach einer ZEW-Analyse zahlreiche Arbeitsplätze gesichert. Die zunächst befristete Mehrwertsteuersenkung für Speisen in der Gastronomie kam hingegen nicht so gut an bei den Forschern.

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen bald teurer werden – durch einen Aufschlag bei der Steuer. Das soll nicht nur dazu beitragen, den Haushalt zu sanieren.

Die Bundesärztekammer begrüßt die Pläne der Bundesregierung Alkohol, Tabak und gesüßte Getränke stärker zu besteuern - fordert aber noch weitergehende Schritte: Bei Alkohol greife die Beschränkung auf einzelne Produktgruppen wie Spirituosen oder Schaumwein zu kurz.

Mehr Ausgaben und höhere Schulden: Das sind Kernpunkte des Bundeshaushalts 2027. Finanzminister Lars Klingbeil schließt Milliardenlücken, muss dazu aber in eine Rücklage greifen. Zur Konsolidierung des Haushalts plant die Regierung zudem den Abbau von Finanzhilfen.

Branchenverbände sehen in den Koalitionsbeschlüssen ein Signal für den Fortbestand der Minijobs. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte die Entscheidung über den rentenpolitischen Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen jedoch erst für den Herbst an.