Schweizer Hotellerie fordert Schuldenerlass

| Politik Politik

Nach einer Mitgliederbefragung fordert der Verband HotellerieSuisse ein Schuldenerlass für die Gastgeber in der Schweiz. Dazu wurde ein Fahrplan für weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Branche aufgelegt.

Auslastungen weiterhin tief

Laut der neusten Umfrage von HotellerieSuisse lag die durchschnittliche Auslastung im Mai schweizweit bei nur 15 Prozent. Die prognostizierten Auslastungszahlen für die Monate Juni bis August liegen für die Stadthotellerie mit 23 Prozent dreimal tiefer als 2019. Ferienregionen rechnen mit 43 Prozent zwar mit einer deutlichen höheren Auslastung, jedoch kann auch hier die inländische Nachfrage den Ausfall ausländischer Gästen nicht völlig kompensieren, liege doch die Auslastung immer noch unter dem Niveau vom Sommer 2019 (55 Prozent in Berggebieten). 

Unterstützungsleistungen verhindern das Schlimmste

Dank Kurzarbeit, COVID-Krediten und Lockerungsmaßnahmen konnte zumindest in Teilbereichen eine Entspannung erreicht werden. Während vor zwei Monaten noch rund 10 Prozent der Hotelbetriebe eine Konkurswahrscheinlichkeit von 60 Prozent angaben, waren es im Juni nur noch knapp 3 Prozent der Betriebe. Trotzdem musste ein Viertel der Befragten Kündigungen aussprechen. Nur dank Kurzarbeit wurden noch höhere Entlassungszahlen verhindert. Dennoch müssen mehr als 70 Prozent der Betriebe infolge der krisenbedingten Betriebsausfälle ihre Gesamtlohnsumme in diesem Jahr reduzieren.

Positionspapier mit wirtschaftspolitischen Forderungen

Kurz- bis mittelfristig müssten für betroffene Unternehmen zusätzliche Massnahmen realisiert werden, um deren Liquidität und Investitionsfähigkeit zu sichern sowie Arbeitsplätze zu erhalten. So fordert HotellerieSuisse in einem neuen Positionspapier einen Schuldenerlass bei einfachen COVID-Krediten in Härtefällen, zeigt doch die aktuellste Mitgliederbefragung, dass rund zwei Drittel der Betriebe Kredite beantragt und zu rund 90 Prozent auch bezogen haben. Eine weitere Forderung betrifft die Anrechnung von Verlusten bei der aktuellen Steuerrechnung. Demgemäß soll die Bildung von Rückstellungen bei der Bundessteuer im Geschäftsjahr 2019 ermöglicht werden, um die Steuerbeiträge 2020 zu reduzieren und die Liquidität zu erhöhen. Außerdem solle die Höchstdauer für den Bezug von Kurzarbeitsentschädigung von 12 auf 18 Monate verlängert werden.

Förderung von Investitionen und Innovationen 

Es zeichne sich ab, dass die Corona-Pandemie im Tourismus zu Strukturbrüchen führen werde. Der Digitalisierungsschub werde den Geschäftstourismus nachhaltig verändern. Gleichzeitig werde das Reiseverhalten der Gäste nach neuen Geschäftsmodellen verlangen. Die Nachhaltigkeit werde im Tourismus einen noch größeren Stellenwert einnehmen. Aufgrund des neu geschaffenen Umfelds sei es nötig, die Tourismusstrategie neu zu denken und anzupassen. Die Förderung von Innovationen, Investitionen und Kooperationen müsse verbessert werden, um die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit der Branche mittelfristig zu erhöhen. 

Unterstützungen für Stadthotellerie und Geschäftstourismus

Im Zuge der Corona-Pandemie stehe besonders der Städtetourismus vor großen Herausforderungen. Deshalb sei zu prüfen, wie die Rahmenbedingungen neben der traditionellen Ferienhotellerie für die städtischen Hotellerie verbessert werden könnten. Zusätzlich benötige die Schweiz einen Masterplan für den Erhalt und die Weiterentwicklung von MICE sowie Großveranstaltungen in der Schweiz. Mit 5 bis 6 Milliarden Franken pro Jahr und rund 50'000 Arbeitsplätzen in verschiedenen Branchen sei der volkswirtschaftliche Nutzen dieses Sektors hoch. Ein Masterplan des Bundes solle daher die strukturellen Schwächen sowie die Stärken des Standorts Schweiz gegenüber dem Ausland und Verbesserungspotential aufzeigen.

Zurück

Vielleicht auch interessant

Geräuschlos und ohne Nachtsitzung haben die Koalitionäre den Deckel auf ihr Reformpaket gemacht. An ihm hängt viel - für die Wirtschaft, den Bestand des Regierungsbündnisses und die Stimmung im Land.

Die Koalition will den Krankenstand in der Wirtschaft herunterbringen - mit höheren Anforderungen an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Das bringt nicht nur Ärztevertreter auf die Barrikaden.

Die Umgestaltung der Rente in Deutschland ist zentral bei den Entscheidungen der Koalition. Offen sind aber noch mögliche Änderungen bei Minijobs. Merz kündigte an, über den rentenpolitischen Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen werde im Herbst entschieden. Der DEHOGA Bayern sieht die Minijobs bereits als gesichert.

Die Spitzen von Union und SPD haben sich nach langem Ringen im Koalitionsausschuss auf ein Reformpaket für wirtschaftliches Wachstum und soziale Sicherheit verständigt. 

Mit einem Appell zum Kauf heimischer Weine und einem neuen Förderprogramm reagiert Baden-Württemberg auf die angespannte Lage im Weinbau. Ministerpräsident Cem Özdemir warnt vor den Folgen für Kulturlandschaft und Tourismus, während die Landesregierung zusätzliche Hilfen für die Betriebe auf den Weg bringt.

Nur Barzahlung möglich? Das mögen die Finanzminister von Bund und Ländern gar nicht. Schon bald könnte damit Schluss sein. Das Bundesfinanzministerium will bald neue Gesetze zur Bekämpfung von Steuerbetrug vorlegen.

Die Bundesregierung will statt einer Abgabe nun doch eine Zuckersteuer auf Getränke wie Limonaden und Colas erheben. Grund für den Schwenk sind offenbar verfassungsrechtliche Bedenken.

Über die Renten-Reform besteht weitgehend Einigkeit. Die Bewährungsprobe für die neue Harmonie in der schwarz-roten Regierung steht aber noch bevor - ab Mittwoch im Koalitionsausschuss. Was geplant ist, bei Tageskarte lesen.

Der Bundesverband der Systemgastronomie hat auf seiner Mitgliederversammlung in Berlin Milliardeninvestitionen und Tausende neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Zugleich verband der Verband diese Pläne mit Forderungen nach weniger Bürokratie und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen.

Die Stadt München sieht trotz freiwilliger Vereinbarungen keine spürbare Entlastung im Univiertel. Oberbürgermeister Dominik Krause kündigt an, bei ausbleibender Verbesserung das Verkaufsverbot für Flaschenbier bereits ab 22 Uhr wieder einzuführen.